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1. FC Union Berlin gegen den FC St. Pauli : Ein Fußballfest mit einem Makel

Der 1. FC Union Berlin musste sich gegen den FC St. Pauli mit einem Remis begnügen. Dabei wäre viel mehr drin gewesen für die Köpenicker.

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Berlins Dennis Daube (M) setzt sich gegen St. Paulis Bernd Nehrig (r) durch.
Berlins Dennis Daube (M) setzt sich gegen St. Paulis Bernd Nehrig (r) durch.Foto: dpa

Mal ganz ehrlich. Also so richtig ehrlich. Ehrlich, ehrlich. Für den 1. FC Union geht's um nichts mehr. Ob der Berliner Zweiligist nun Siebenter, Achter oder Zehnter wird ist – wir wollen ja nichts unterschlagen – mag für die Ausschüttung der Fernsehgelder im kommenden Jahr relevant sein, interessiert ansonsten aber nur am Rande. Und der FC St. Pauli? Der befindet sich in einer ähnlichen Lage. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga wird’s vermutlich nichts mehr, erst recht nicht nach diesem torlosen Unentschieden gegen die Gäste aus Berlin. Macht am Ende also auch keinen Unterschied, ob man auf Platz vier oder acht ins Ziel einläuft.

Bei dieser Konstellation bleiben eigentlich nur diese Möglichkeiten: entweder zwei von allen Zwängen gelöste Mannschaften zelebrieren ein Fußballfest oder rotzen einen Langeweiler auf den Rasen.  

Der FC St. Pauli und der 1. FC Union Berlin zelebrierten und rotzten gleichermaßen, heraus kam vor 29546 Zuschauern ein Fußballfest ohne Tore. „Ich glaube, die Zuschauer haben ein sehr ansehnliches Spiel geboten bekommen, nur die Tore haben gefehlt“, sagte Unions Trainer André Hofschneider.  

Beide Mannschaften hatten schon beim 3:3 im Hinspiel gezeigt, dass sie zusammen ein Spektakel veranstalten können und auch am Freitagabend begann es mit ganz viel Tempo. In den Zweikämpfen ging es ordentlich zur Sache, nach fünf Minuten waren die Betreuer schon drei Mal auf dem Feld gewesen, um einen Spieler zu behandeln.

Wood blieb 90 Minuten lang auf der Bank

Union erwischte den besseren Start, eine scharfe Eingabe von Sören Brandy hätte Marc Hornschuh beinahe ins eigene Tor befördert. In der Folge spielte die Mannschaft von André Hofschneider so, wie es die im Laufe der Saison verschlissenen Trainer Norbert Düwel und Sascha Lewandowski gern gesehen hätten: schnell, direkt und mit einer Aggressivität im Pressing, die dem Gegner keinen geordneten Spielaufbau ermöglichte. „Wir waren immer zu hundert Prozent konzentriert. Eine wirklich gute Leistung von uns“, fand Emanuel Pogatetz. Der Österreicher spielte anstelle von Roberto Puncec in der Innenverteidigung. Rechts Außen verteidigte Adrian Nikci, zum

ersten Mal überhaupt von Beginn an. Nikci lief, Nikci, flankte, Nikci spielte gut. Die größte Überraschung war aber eine Nichtnominierung. Torjäger Bobby Wood blieb 90 Minuten lang auf der Bank, nach einer Länderspielreise in die USA klagte er über muskuläre Probleme und Erschöpfung.

Ohne Wood fehlte es den Berlinern im Angriff an der letzten Konsequenz, trotz aller Kombinationen und gelungenen Ballstafetten.

Union hätte trotzdem treffen müssen in der ersten Halbzeit. Nach einem Freistoß von Dennis Daube stieg Damir Kreilach hoch zum Kopfball. Es wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben, wie St. Paulis Torwart Robin Himmelmann den Versuch noch parierte. Auf der Gegenseite hatten die Berliner Glück, als ein Kopfball von Lasse Sobiech an den Pfosten prallte. „Für uns ist es insgesamt ein gewonnener Punkt“, sagte St. Paulis Trainer Ewald Lienen.

Gut und gern hätten also auch Tore fallen können und sei es nur, um diesem rassigen Spiel den Makel des Unvollendeten zu nehmen. Einmal kamen die Berliner dem Hochgefühl eines Tores noch ganz nah, sie fühlten es sogar schon, aber Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus untersagte einem Treffer von Damir Kreilach die Anerkennung. Abseits, welch schnöde Laune des Regelwerks.

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