Sport : 1. FC Union: Jenseits von Erkenschwick

Hans Dieter Baroth

Essen. Klaus Berge weiß, wie man in der Öffentlichkeit Aufsehen erregt. Das hat der neue Manager des Berliner Fußball-Zweitligisten 1. FC Union in früherer Zeit schon mehrfach bewiesen. Die Sportjournalisten im Ruhrgebiet, die ihn bei seinen bisherigen Stationen begleitet haben, erinnern sich jedenfalls weniger an sportliche Erfolge als an flotte Sprüche. Doch notfalls kann Berge auch richtig zupacken. Als Berge noch Trainer des Amateurligisten Spvgg Marl war, lief er einmal im heimischen Jahnstadion im Mantel gekleidet aufs Feld und spitzelte einem gegnerischen Angreifer den Ball vom Fuß.

Berge hat für den FC Schalke 04 und den 1. FC Saarbrücken gespielt. Sein Stammverein aber war der Kreisligist SV Vestia Disteln. In Disteln, einem Stadtteil von Herten, wurde Berge vor 40 Jahren geboren. In der Bundesliga spielte er insgesamt nur 33 Mal, ohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Nach seiner nebenamtlichen Trainerarbeit in der Oberliga Westfalen für den FC Recklinghausen und die Spvgg Marl begann sein Aufstieg beim Drittligisten Spielvereinigung Erkenschwick. Für diesen Job ließ er sich als Mitarbeiter des Recklinghäuser Sozialamtes beurlauben. Bei seinem Amtsantritt musste Berge allerdings erst einmal vor der Presse um Entschuldigung bitten, weil er seinen neuen Verein zuvor jahrelang mit Häme belegt hatte. Anfangs hatte der neue Trainer einigen Erfolg in Erkenschwick, in seinem zweiten Jahr aber war nach einer derben Niederlage Schluss. 3:0 hatte Erkenschwick gegen den FSV Salmrohr zu Hause schon geführt, am Ende unterlag die Mannschaft 3:7.

Doch auch nach diesem Debakel verschwand Berge, der im Ruhrgebiet "Pumuckl" genannt wird, nicht in der Versenkung. Vielleicht deshalb, weil er schon früh begriffen hat, dass Fußball ein Unterhaltungsgeschäft ist. Im Ruhrgebiet kann sich fast jeder Journalist an einen flotten Spruch Berges erinnern. Als er einmal auf einem fremden Platz gesichtet und nach dem Sinn seines Besuchs gefragt wurde, antwortete Berge: "Ein Trainer der Regionalliga sieht nicht nur die Sendung mit der Maus."

Von Erkenschwick ging es zum Retortenverein LR Ahlen, der Erfolg blieb aus, Berge musste gehen. Rot-Weiß Essen holte ihn, als die Elf in die viertklassige Oberliga Nordrhein abgerutscht war. Nach dem dortigen Schlagerspiel vor vier Jahren gegen den FC Wegberg-Beeck sagte Berge: "Wer hier spielen darf, der sollte dem Fußballgott danken." Nach einem kläglichen 1:3 der Essener gegen Lüneburg wunderte sich die "taz-ruhr": "Die Fans feierten Berge, der die sportliche Verantwortung für die sportliche Talfahrt trägt und dazu komische Sachen sagt."

Der erste Auftrag für seinen neuen Arbeitgeber Union war die Spionage beim DFB-Pokal-Endspielgegner Schalke 04. Pikanterweise machte Berge nur kurz nach seiner Kundschafter-Tätigkeit für Union ausgerechnet in Schalke bei Huub Stevens ein Praktikum. "Doch Gewissensbisse macht sich der Neu-Manager nicht", schrieb die "Recklinghäuser Zeitung". Jetzt hat Berge einen festen Job in Berlin, und seinen bisherigen journalistischen Begleitern im Ruhrgebiet hat der Manager von Union die Vorzüge seines neuen Klubs bereits gewohnt drastisch umschrieben. Die Alte Försterei sei "geil und ein absolutes Erlebnis". Auch Unions Präsident Heiner Bertram wurde von der Presse an der Ruhr zitiert. Er soll über Klaus Berge gesagt haben: "Außerdem passt er charakterlich zu uns, weil er ein bescheidener, aber zupackender Typ ist." Das war eine Premiere - Bescheidenheit hat Klaus Berge noch niemand attestiert.

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