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3:3 gegen den FC St. Pauli : Der 1. FC Union fährt Achterbahn

Der 1. FC Union holt gegen den FC St. Pauli nach einem turbulenten Spielverlauf durch ein spätes Ausgleichstor wenigstens noch einen Punkt.

Sebastian Stier
Nach Maximilian Thiels Führungstreffer kurz vor der Halbzeitpause konnte der 1. FC Union den Vorsprung nicht über die Zeit bringen.
Nach Maximilian Thiels Führungstreffer kurz vor der Halbzeitpause konnte der 1. FC Union den Vorsprung nicht über die Zeit...Foto: dpa

Im entscheidenden Augenblick traute sich Benjamin Kessel kaum hochzuschauen. Stattdessen rannte er einfach – immer weiter, immer schneller, direkt in die Arme der Mitspieler. „Und weil alle tobten und feierten, dachte ich, dass der zählen muss“, sagte Kessel. Letzte Zweifel, er könnte vielleicht im Abseits gestanden haben, verschwanden im Rausch des Adrenalins.
Mit seinem Tor zum 3:3 (2:1) bescherte der Verteidiger dem 1. FC Union gegen St. Pauli in letzter Sekunde doch noch einen Punkt. „Es war die letzte Aktion, was soll ich da noch auf meiner Position als rechter Verteidiger rumturnen?“, fragte Kessel. Sein Mitspieler Maximilian Thiel, Torschütze zum 2:1, sagte: „Wir hatten in dieser Saison schon so viel Pech in der Schlussphase, nun war das Glück auf unsere Seite.“
Glück, Willen und Robin Himmelmann. Der Torwart des FC St. Pauli nahm seine Mannschaft mit einem groben Fehler kurz vor der Halbzeit völlig aus dem Spiel und ermöglichte Union gleichzeitig erst, in dieses am Ende so aufregende, abwechslungsreiche Kräftemessen zu finden. Bis dahin war den Berlinern nicht viel eingefallen vor der Rekordkulisse von 22 012 Zuschauern. Beinahe eine Halbzeit lang hatten sie kein Mittel gefunden gegen die hervorragend organisierten und intelligent verteidigenden Gäste. Hin und wieder versuchte es Damir Kreilach aus der Distanz, das war es. St. Pauli war die aktivere Mannschaft, ohne mehr Ballbesitz zu haben, und ging Mitte der ersten Halbzeit verdient in Führung. Eine Flanke von Daniel Buballa verlängerte Unions Verteidiger Roberto Puncec unglücklich mit dem Kopf. Waldemar Sobota stand völlig frei und schob den Ball überlegt zum 0:1 ins untere Toreck.
Union fand keine Antwort. „Wir waren bis dahin zu behäbig, der Ball zirkulierte bei uns zu langsam“, sagte Unions Trainer Sascha Lewandowski. Dann half Himmelmann. Eroll Zejnullahu flankte aus dem Halbfeld, der Ball war nicht sonderlich scharf getreten und lange in der Luft. Zu lange für Himmelmann, der sich gedanklich wohl schon mit dem Abschlag beschäftigte. St. Paulis Torwart griff jedenfalls fürchterlich daneben – und es stand 1:1. Der 26-Jährige patzte nicht zum ersten Mal an der Alten Försterei. Im März hatte er in der letzten Minute bei einem Rückpass über den Ball geschlagen und Union damit einen wichtigen 1:0-Sieg im Abstiegskampf geschenkt.
Die Gäste waren kurz geschockt, Michael Parensen setzte an der Außenlinie energisch nach, seine Eingabe drückte Maximilian Thiel mit der letzten Aktion vor der Pause zum 2:1 über die Linie. „Die Gegentore spiegelten nicht annähernd den Spielverlauf wider“, ärgerte sich St. Paulis Trainer Ewald Linien.

St. Pauli kam entschlossen aus der Kabine

St. Pauli fand in der Pause schnell wieder zu sich. Die Hamburger kamen entschlossen aus der Kabine, der eingewechselte Sebastian Maier traf nach wenigen Sekunden den Pfosten. Kurz darauf landete der Ball an der Strafraumgrenze direkt vor Marc Hornschuh, der per Flachschuss ausglich. St. Pauli drückte, wieder hatte Maier Pech, als sein Freistoß an den Pfosten klatschte. Thiel und Kreilach zeigten mit gefährlichen Distanzschüssen, dass der 1. FC Union auch noch da und gewillt war, dieses Spiel zu gewinnen. Jetzt ging es hin und her, Jeremy Dudziak ließ St. Pauli vom Auswärtssieg träumen. Nach einem Eckball bekam der agile Offensivspieler den Ball an den Rücken, von dort trudelt er ins Tor. Die Berliner drängten danach auf den Ausgleich, aber im Tor des FC St. Pauli stand mit grimmiger Entschlossenheit Robin Himmelmann, fest gewillt, seiner Mannschaft den Sieg zu retten. Einen Schuss von Kreilach lenkte er reaktionsschnell über die Latte. Das Spiel schien gewonnen, doch Damir Kreilach zog noch einmal ab. Ein letzter Versuch, der Ball wurde abgefälscht und trudelte durch den Strafraum. Im Hintergrund stürmte Benjamin Kessel heran.



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