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315 Minuten ohne Gegentor : Felix Brückmann und die Eishockey-Ewigkeit

Nach 315 Minuten kassiert Wolfsburgs Torwart Felix Brückmann wieder einen Treffer – die Eisbären verlieren gegen die Grizzlys trotzdem 2:3 nach Verlängerung.

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Kaum zu bezwingen. Felix Brückmann kassierte vier Mal in Folge kein Gegentor – so etwas gab es in der DEL noch nicht.
Kaum zu bezwingen. Felix Brückmann kassierte vier Mal in Folge kein Gegentor – so etwas gab es in der DEL noch nicht.Foto: imago/Contrast

Es war ein Moment von historischer Tragweite, als Florian Busch am Freitag in der 46. Spielminute das 1:2 gegen die Grizzlys Wolfsburg erzielte. Nicht etwa weil es das erst erste Saisontor des Eisbären-Stürmers im 27. Spiel der Eisbären Berlin in der Saison war – nein: Als das Tor von Busch fiel, endete ein Rekord für die deutsche Eishockey-Ewigkeit. Nach exakt 315 Spielminuten kassierte Felix Brückmann wieder einen Gegentreffer. Vor seinem Auftritt in der Arena am Ostbahnhof hatte der Wolfsburger Torwart vier Spiele zu Null gewonnen. Am Ende allerdings war Brückmann am Freitag gar nicht mal so enttäuscht, denn die Berliner verloren das Spiel vor 12 526 Zuschauern 2:3 (0:1, 0:1, 2:0/0:1) nach Verlängerung.

Nach dem 1:2 durch Busch bezwang Nick Petersen Brückmann mit einem Penaltyschuss und somit ging ein gutes Spiel in die Verlängerung. Da allerdings hatten die Wolfsburger das bessere Ende für sich. 28 Sekunden vor dem Schluss schoss Jeremy Dehner das Siegtor.

Vor dem Spiel in Berlin hatte der Wolfsburger Rekordmann gesagt: „Ich sehe das nicht als meinen Rekord, sondern als Rekord der Mannschaft. Wir spielen defensiv sehr diszipliniert.“ Der bald 26 Jahre alte Breisgauer gibt sich bescheiden, wenn er etwas sagt. Wäre er verbal mutiger, wäre Felix Brückmann womöglich in der Eishockeyszene längst eine ganz große Nummer: So eine Fangserie, wie ihn der Wolfsburger Torwart hingelegt hat, die hat die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) noch nicht erlebt. Vor dem Spiel in Berlin war Brückmann schon seit 270 Minuten unbezwungen und hatte die alte Bestmarke von Ian Gordon (Ingolstadt, 213 Minuten) schon klar überboten.

Brückmanns Reflexe sind unbestritten gut, nicht umsonst wurde er in seiner ersten Saison in der DEL – 2012 noch in Mannheim – zum besten Neuling der Liga gekürt. 2014/2015 hatte der ehemalige Juniorennationaltorhüter, schon in Wolfsburg, die beste Fangquote. Doch auf der großen Bühne hat ihn das deutsche Eishockey nicht auf der Rechnung, sieben Länderspiele hat Brückmann seit 2013 bestritten. Bei einer Weltmeisterschaft kam er noch nicht zum Einsatz. Wenn deutsche Weltklassetorhüter wie Thomas Greiss oder Philipp Grubauer aus der National Hockey-League oder Dennis Endras (Mannheim) kommen, ist für einen Torwart aus Wolfsburg kein Platz im Nationalteam.

Die Wolfsburger Mannschaft unterstützte den Torwart auch gestern mehr als das etwa bei den Eisbären und Petri Vehanen der Fall ist. Die Verteidigung lässt selten einen Nachschuss zu. Die Mannschaft läuft sehr viel und verengt die Räume im eigenen Drittel derart, dass die Gegner kaum zum Schuss geschweige denn vor das Tor kommen. Selbst auswärts: In Bremerhaven, dem ersten der vier Brückmannschen Zu-Null-Spiele, schossen die Grizzlys 39 Mal auf das Tor des Gegners, Brückmann bekam nur 24 Schüsse auf sein Tor. Bei den folgenden Siegen in Iserlohn (23 Schüsse) und Krefeld (21) musste er ebenfalls wenig halten.

Das schmälert die Leistung des Torwarts aber nicht, auch wenn die Serie nun am Freitag in Berlin zu Ende ging – was den Eisbären am Ende wenig nützte.

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