Sport : 4-HMP als Helfer

Felix Sturms Box-Gegner unter Dopingverdacht.

Bertram Job
Foto: dpa
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Berlin - Das Duell im Ring ist vor vier Wochen beendet worden, es endete für Felix Sturm mit einer Punktniederlage. Dennoch könnte es für den 34 Jahre alten Boxprofi aus Köln jetzt eine unerwartete Wendung geben. Sam Soliman, sein australischer Kontrahent in dem Kampf um das WM-Herausforderungsrecht im Mittelgewicht (Version IBF), ist nach dem Ergebnis der A-Probe im Kölner Doping-Kontrolllabor offenbar gedopt gewesen. So teilte es Thomas Pütz, Präsident des Aufsicht führenden Bundes Deutscher Berufsboxer, am Sonnabend Sturms Management und dem Tagesspiegel mit.

In der Urinprobe des 39-jährigen Boxers wurde das Stimulans Oxilofrine nachgewiesen – sowie Methynephrine, nach Zusammensetzung „4-HMP“ genannt. Das Mittel gilt als Designer-Droge und wird angeblich auch im Radsport derzeit eingesetzt. Es kann das Nerven, Kreislauf und Sauerstoffaufnahme aktivierende Noradrenalin offenbar sowohl binden als auch freisetzen. Sein Nachweis im Urin ist erst seit wenigen Jahren möglich.

Der Befund ist um so überraschender, als dass gerade die Ecke von Soliman vor dem Boxabend am 1. Februar in Düsseldorf auf die Durchführung mehrerer Blut- und Urintests bestanden hatte. Die Australier betonten seinerzeit, „faire Bedingungen für beide Boxer“ herstellen zu wollen. Aus heutiger Sicht könnte es anders aussehen. „Die sind nur gekommen, um zu bescheißen“, sagt Sturms Manager Roland Bebak, „die wollten wohl von sich selbst ablenken.“ Felix Sturm, der sich mit seiner Familie in Dubai aufhält, äußerte sich ähnlich: „Jetzt wird mir einiges klar.“ Die hyperaktive Manier von Soliman, der während des Kampfes fast 600 Schläge austeilte, war imposant. Oder auch verdächtig. Sie ging aber in der ersten Enttäuschung über den abbauenden Favoriten eher unter.

Soliman und seine Betreuer haben das Recht, die Analyse einer B-Probe zu beantragen. Die Aussichten, dadurch das Resultat der ersten Probe revidieren zu können, sind erfahrungsgemäß gering. Wahrscheinlicher ist, dass der Weltverband IBF in Kürze das Resultat des Vergleichs in „No Contest“ (kein Kampf) ändert und Soliman das Recht entzieht, Weltmeister David Geale herauszufordern.

Bebak und viele Beobachter gehen davon aus, dass Sturm dann eine neue Qualifikation um die Anwartschaft auf einen WM-Titelkampf austragen darf. Sein Ziel, noch einmal gegen Geale anzutreten, der ihn bei einer WM-Vereinigung im Herbst bezwang, würde damit wieder näher rücken. Verlierer ist in jedem Fall das Profiboxen: Erst im Dezember war der Pole Mariusz Wach nach einem verlorenen Titelkampf gegen Schwergewichts-Champion Wladimir Klitschko positiv getestet worden. Bertram Job

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