Sport : Abgemeldet vom großen Spiel

Weil Sascha Goc vom Kontrollsystem wenig hält, läuft er nicht mehr im Eishockey-Nationalteam auf

Claus Vetter[Hannover]
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Sascha Goc

77 000 Zuschauer werden in die Schalker Arena kommen, um das Eröffnungsspiel der Eishockey-Weltmeisterschaft zu sehen. Deutschland wird am 7. Mai 2010 spielen beim Besucherweltrekordspiel, der vielleicht beste deutsche Verteidiger wird nicht mitspielen: Sascha Goc. „Natürlich würde mich das reizen“, sagt er. „Ich hätte das gerne mitgemacht, aber es geht eben nicht.“ Es geht nicht für Goc, weil er seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt hat. Im besten Eishockeyalter von 29 Jahren. Schuld sind für ihn die Meldeauflagen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) für Nationalspieler, die es für normale Spieler in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht gibt. So einen „Mist“ will Goc nicht mitmachen.

Sascha Goc ist ein großer Mann. Er hat Präsenz auf dem Eis, er kann Mitspieler mitreißen und er will immer der Beste sein. In der DEL hat er das auf seiner Position geschafft. 24 Tore in 46 Saisonspielen hat er für die Hannover Scorpions, gestern gegen die Eisbären traf er allerdings nicht. Für einen Stürmer wäre das eine gute Quote, für einen Verteidiger ist es ein wahnsinnig guter Wert. Goc ist Verteidiger mit offensiver Ausrichtung. Einer, der schon mal auf Konfrontation geht. „Verstehen sie mich nicht falsch“, sagt er. „Ich habe nichts gegen Dopingkontrollen, aber wenn mein Beruf auf dem Spiel steht, dann ist das eben Mist.“

Der „Mist“ begann für Goc im Januar 2008 mit einem Verstoß gegen die Meldeauflagen. Jeder Auswahlspieler ist verpflichtet, seinen Aufenthaltsort mitzuteilen. Das klappte nicht, weil das Online-Meldesystem der Nada einmal nicht funktionierte, sagt Goc. „Da gab es eine technische Störung.“ Die Nada reagierte mit Unverständnis. Sprecherin Ulrike Spitz erklärte: Es funktioniere bei 1000 anderen Sportlern doch auch. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB), schon wegen der verweigerten Dopingkontrolle des Berliners Florian Busch in der Bredouille, verwarnte Goc daraufhin im August.

Der folgende Zwist endete mit dem Rücktritt des Uneinsichtigen. Eine weitere Verfehlung gegen die Meldeauflagen hätte für Goc eine dreimonatige Sperre nach sich gezogen – auch in der Liga. „Ich verdiene mein Geld bei den Scorpions, da kann ich nicht wegen ein paar Länderspielen meine Existenz aufs Spiel setzen“, sagt Goc. Ungerecht behandelt fühlt er sich. Bei der Nada hätten sie wohl wenig Einblick in den Rhythmus seiner Sportart. „Ein Leichtathlet hat vier oder fünf Meetings im Jahr und trainiert sonst an seinem Olympiastandpunkt. Wir Eishockeyprofis sind ständig unterwegs, das ist ganz was anderes.“ Es sei unglaublich, dass die Nada im Voraus „einen Jahresplan“ verlangt habe. „In den Play-offs wissen wir manchmal nicht, wo wir zwei Tage später spielen.“ Acht Mal wurde Sascha Goc im Jahr 2007 kontrolliert, immer negativ. „Und dann passiert dir ein Fehler mit dem Meldesystem und schon droht dir eine Sperre. Das macht keinen Sinn.“ Verständnis erntet er mit seiner Haltung beim DEB nicht. Präsident Bodo Lauterjung bedauerte zwar den Rücktritt, „denn so viele gute Verteidiger haben wir nicht“, sagte aber auch: „Es gibt Vorschriften, dafür muss auch er Verständnis haben.“

Hat Sascha Goc aber nicht, inzwischen sei es auch besser so. Sein Knie mache die Zusatzbelastung ohnehin nicht mit. „Ich spiele schließlich ohne Kreuzband.“ Zu seinen 68 Länderspielen wird also wohl keines mehr hinzukommen, auch nicht das auf Schalke. Wird er wenigstens Zuschauen beim Weltrekord in Gelsenkirchen? Vielleicht, wenn Bruder Marcel für Deutschland aufläuft. Der spielt in der National Hockey-League (NHL) und hat das Problem mit den vielen Dopingkontrollen nicht. Auch in der NHL werden die Spieler weitaus weniger kontrolliert.

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