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Ablösefrei aus Kaiserslautern : Hertha verpflichtet Alexander Baumjohann

Als vierten Neuzugang hat der Bundesliga-Aufsteiger den offensiven Mittelfeldspieler unter Vertrag genommen. Trainer Jos Luhukay kennt ihn aus gemeinsamer Gladbacher Zeit.

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Mit Kaiserslautern scheiterte Alexander Baumjohann noch am Aufstieg in die Bundesliga. In Zukunft spielt er mit Hertha wieder in der ersten Liga.
Mit Kaiserslautern scheiterte Alexander Baumjohann noch am Aufstieg in die Bundesliga. In Zukunft spielt er mit Hertha wieder in...Foto: dpa

Auf den ersten Blick ist die Sache eindeutig. Alexander Baumjohann ist ein weiterer Spieler, den Jos Luhukay von früher kennt und den er deshalb zu Hertha BSC holt. Wie Marcel Ndjeng, Peer Kluge, Johannes van den Bergh, Hajime Hosogai und Sebastian Langkamp. Auf den zweiten Blick stellt sich die Sache etwas anders dar: Mit Baumjohanns Karriere hat Luhukay wenig zu tun gehabt. Allenfalls indirekt. In der gemeinsamen Zeit bei Borussia Mönchengladbach war der offensive Mittelfeldspieler Baumjohann nur eine Randfigur. Das soll sich in Berlin ändern. Hertha hat den 26 Jahre alten Baumjohann ablösefrei vom 1. FC Kaiserslautern verpflichtet. Er erhält bei den Berlinern einen Dreijahresvertrag.

Baumjohann galt einmal als eines der größten Talente in Deutschland. Bereits als 17-Jähriger durfte er bei Schalke mit den Profis trainieren. Der damalige Trainer Jupp Heynckes hatte ihn in der B-Jugend entdeckt. In jener Zeit wurde Baumjohann noch eine glänzende Zukunft vorhergesagt. Schalkes Manager überraschte die Öffentlichkeit mit der Vorhersage, dass Baumjohann einmal der Nachfolger Michael Ballacks werden würde. Wenn er es nicht schaffe, dann keiner. Doch Baumjohann schaffte es nicht einmal zum gestandenen Bundesligaspieler. Als er im Januar 2007 von seinem Mentor Jupp Heynckes zu Borussia Mönchengladbach geholt wurde, hatte er gerade 28 Minuten für die Schalker in der Bundesliga hinter sich.

„Allein ein guter Fußballer zu sein reicht nicht. Dazu gehören auch Professionalität, Ernsthaftigkeit, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen und im Mittelfeld gegen den Ball zu arbeiten“, hat ihm Jos Luhukay im Sommer 2008 nachgesagt. Damals hätten die Gladbacher Baumjohann am liebsten verkauft – doch es fand sich kein Abnehmer. In insgesamt 20 Monaten unter Luhukay kam der Mittelfeldspieler zu gerade sieben Einsätzen, nur zwei Mal stand er in der Startelf. Erst unter Luhukays Nachfolger Hans Meyer schaffte es Baumjohann zum Stammspieler. Gemeinsam mit Marko Marin bildete er ein spielstarkes Mittelfeld und trug erheblich zu Gladbachs Klassenerhalt bei.

Baumjohann bringt fußballerisch vieles mit. Er ist ballsicher, dribbelstark, schnell in Denken und Handeln und besitzt eine gute Schusstechnik. In Kaiserslautern erzielte er in der Vorsaison bei 25 Einsätzen fünf Tore, elf bereitete er vor. Bei Hertha könnte Baumjohann in der offensiven Dreierreihe alle Positionen besetzen. Am liebsten spielt er als Zehner, da allerdings hat er den Brasilianer Ronny vor sich, dessen Bilanz sich mit 18 Toren und 14 Vorlagen noch ein bisschen imposanter liest.

Im Grunde ist es echter Luxus, sich Baumjohann als Backup für die Position des Spielmachers zu leisten. Aber interne Konkurrenz kann in seinem Fall nicht schaden. Baumjohanns Karriere zeigt die typischen Symptome so vieler Hochbegabter, die früh viel konnten – und deshalb nicht die Notwendigkeit erkannten, weiter an sich zu arbeiten. Ein gewisser Hang zur Selbstüberschätzung ist ihm nicht fremd gewesen. Etwa als er nach einer guten Halbserie beim Abstiegskandidaten Mönchengladbach das Angebot vom FC Bayern annahm. Neben Paul Breitner hatte auch sein Entdecker Jupp Heynckes den Münchnern eine Verpflichtung Baumjohanns empfohlen. Finanziell mag sich der Wechsel für ihn ausgezahlt haben, seinem sportlichen Fortkommen war er eher abträglich. Auf gerade drei Bundesligaeinsätze brachte es Baumjohann bei den Bayern. Schon nach einem halben Jahr wurde er nach Schalke transferiert.

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