AC Mailand - FC Barcelona : Mehr als nur Champions League

Milans Patron Silvio Berlusconi geht es gegen den FC Barcelona um mehr als nur die Champions League. Doch seine von Wahltaktik geprägten Ideen kommen noch nicht so richtig an.

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Auch ein Politikum. Der Protest von Kevin Boateng gegen rassistische Rufe wird vom AC Milan instrumentalisiert.
Auch ein Politikum. Der Protest von Kevin Boateng gegen rassistische Rufe wird vom AC Milan instrumentalisiert.Foto: Reuters

Was kostet ein Sieg bei den italienischen Parlamentswahlen? Etwa 75 Millionen Euro. Zumindest nach der Rechnung von Silvio Berlusconi. Zwei Prozent Stimmenzuwachs, hat Berlusconi einmal geschätzt, habe 2008 der Transfer von Ronaldinho zum AC Mailand seiner Partei bei den folgenden Wahlen gebracht. Gekostet hatte die Verpflichtung damals 25 Millionen Euro. Vor den Wahlen am Samstag und Sonntag liegt Berlusconis Mitte-Rechts-Koalition in den letzten Umfragen sechs Prozent zurück. Ergo müssten drei Ronaldinhos für den Sieg reichen.

Gekommen ist aber bisher nur ein Mario Balotelli. 20 Millionen Euro hat der Vereinspatron vor drei Wochen in den Stürmer investiert, das reicht nicht einmal für zwei Prozent in der Wählergunst. Kein Wunder, dass der Präsidentschaftskandidat Berlusconi nervös zu werden scheint. Denn zum einen erklärte der 22-Jährige, dass er seinen Boss nicht wählen würde. Zum anderen gab es einen Eklat, als Bruder Paolo Berlusconi Balotelli „das Negerlein der Milan-Familie“ nannte. Und nun kommt hinzu, dass Balotelli, der mit vier Toren in den ersten drei Spielen hervorragend einschlug, nicht mitspielen darf am Mittwoch gegen den FC Barcelona (20.45 Uhr, live bei Sky). Denn er hat schon für Manchester City in der Champions League gespielt in dieser Saison.

Also versucht Berlusconi sich wie so oft als Taktiker. „Messi muss in Manndeckung genommen werden“, riet der 76-Jährige im eigenen Sender. „Sonst haben wir keine Chance.“ Aus Zeitgründen habe er dies seinem Trainer leider nicht persönlich mitteilen können. Er ahnt: Eine Überraschung im Achtelfinalhinspiel könnte Sympathien und Stimmen bringen.

Doch ob das gelingt? Barcelona ist in Spanien als Tabellenführer enteilt, obwohl Trainer Tito Vilanueva zur Krebsbehandlung in New York weilt, und Lionel Messi ist in der Form seines Lebens: gerade hat der Weltfußballer seine Tore 300 und 301 für die Katalanen erzielt. Schon im Vorjahr setzte sich Barça im Viertelfinale 0:0 und 3:1 durch. Milan steht nach einem Aufwärtstrend zumindest wieder auf Platz drei in Italien. Aber die Mannschaft hätte Verstärkung in der Abwehr weit nötiger gehabt als im Sturm, wo Jungnationalspieler Stephan El Shaarawy bereits 18 Pflichtspieltore erzielt hat. Aber Verteidiger bringen eben nicht so viele Wählerstimmen. Dabei hatte Berlusconi Balotelli zuvor noch als „faulen Apfel“ bezeichnet.

Doch die Methode Startransfer hat sich eben bewährt. Vor den Wahlen 1994 verpflichtete er Marcel Desailly, 1996 kamen Roberto Baggio und George Weah, als Geschenk an die Wähler 2001 Rui Costa und Filippo Inzaghi und 2008 Ronaldinho. Nach politischen Niederlagen wurde hingegen gespart: 2006 ging Andrej Schewtschenko, nach dem Rücktritt im November 2011 wurden im Sommer Ibrahimovic, Thiago Silva, Gattuso, Seedorf, Inzaghi und Nesta verabschiedet. Balotellis Transfer wird gar politisch dahingehend gedeutet, dass Berlusconi Italien erneuern könne. „Wir setzen auf die Jugend, nach Barças Vorbild“, sagte Tochter Barbara Berlusconi jüngst.

Auch der Protest von Kevin-Prince Boateng gegen rassistische Rufe wird instrumentalisiert. „Uns interessieren die Werte des Fairplay, wir wollen ein Vorbild im Kampf gegen Rassismus werden“, sagte die Milan-Verwaltungsrätin. Die Vorwürfe des Dopingarztes Fuentes, mit Milan zusammengearbeitet zu haben, wurden schnell dementiert. Nur Berlusconis Taktikideen kommen nicht so richtig an. „Um Messi zu stoppen, braucht man keine Manndeckung, sondern ein Gewehr“, spottete Juventus-Trainer Antonio Conte.

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