Alba Berlin : Quadratur beendet

Basketball-Bundesligist Alba Berlin startet mit neuer Strategie in die Saison, die Verjüngung erfolgt aber nicht ganz freiwillig.

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„Ich muss geduldig sein, wir alle müssen geduldig sein“, sagt Alba-Trainer Sasa Obradovic.
„Ich muss geduldig sein, wir alle müssen geduldig sein“, sagt Alba-Trainer Sasa Obradovic.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wenn Sasa Obradovic an der Seitenlinie steht, ist er die Ungeduld in Person. Der serbische Basketballtrainer reagiert auf jede Aktion seiner Spieler mit einem kleinen Gefühlsausbruch, immer soll alles schneller, präziser, intensiver gehen. Am gestrigen Donnerstag sitzt Obradovic nun bei der Pressekonferenz vor dem Saisonauftakt von Alba Berlin auf dem Podium und muss gegen sein Naturell argumentieren: „Ich muss geduldig sein, wir alle müssen geduldig sein“, sagt der 44-Jährige. Neben ihm nicken seine Vorgesetzten, Geschäftsführer Marco Baldi und Aufsichtratschef Axel Schweitzer. Baldi spricht von einem „neuen Team, neuen Akzenten und einem ganz glasklaren Weg“. Und Schweitzer wird im Hinblick auf die neue Alba-Strategie beinahe philosophisch: „Wir haben den Versuch der Quadratur des Kreises beendet.“

In den vergangenen Spielzeiten hatte der achtmalige deutsche Basketballmeister immer alles gleichzeitig gewollt: Erfolg im Europapokal und in der Bundesliga, die Entwicklung talentierter Nachwuchsspieler und deren Integration in den Profikader – und all das, ohne Schulden zu machen. Inmitten all dieser Anstrengungen schien sich der Verein zu verzetteln, Alba schied zuletzt zweimal im Play-off-Viertelfinale aus. „Die Bedingungen haben sich geändert“, sagt Baldi und gibt zu, in den vergangenen Jahren „zu viel gewollt“ zu haben. Deswegen haben sich die Berliner – nicht ganz freiwillig – eine neue Strategie verordnet. Wenn Obradovics Team am Samstag beim Champions Cup gegen Bamberg (20.15 Uhr, Arena am Ostbahnhof) die Saison eröffnet, wird eine stark verjüngte Mannschaft auf dem Feld stehen.

„Die jungen Spieler wollen wachsen, sie müssen auch wachsen“, sagt Marco Baldi. „Wir werden sehr, sehr viel Zeit brauchen.“ Alba hat eine Reihe talentierter deutscher Spieler für mehrere Jahre an sich gebunden, die allerdings auch erst in einigen Jahren ihr Potenzial ausschöpfen werden. Diese Verjüngung hatten die Berliner ohnehin geplant, jetzt wurde sie „auf einen Rutsch“ (Baldi) umgesetzt. Schuld am Umdenken ist auch die Konkurrenz im Süden der Republik, die Markt und Liga durcheinanderwirbelt. Als Beispiel führt Baldi den jüngsten Transfer des FC Bayern an: Die Münchner reagierten auf die Verletzung des ehemaligen Alba-Profis Deon Thompson, indem sie Power Forward Boris Savovic vom Euroleague-Team Roter Stern Belgrad loseisten – trotz eines laufenden Vertrags. „Das ist eine neue Dimension im deutschen Basketball“, sagt Baldi. „Wir können nicht bei einem Wettrüsten einsteigen.“

Lieber wollen die Berliner langfristig zurück zum Erfolg. Albas Spieler-Etat ist laut Schweitzer gleich geblieben, der Gesamtetat ist wegen voraussichtlich geringerer Einnahmen im Eurocup leicht gesunken. Baldi spricht statt von Zielen lieber von „Mindestanforderungen“ ans Team: „Wir wollen die erste Runde im Eurocup überstehen und in der Bundesliga die Play-offs erreichen.“ Am Donnerstag verkündeten der Klub und Hauptsponsor Alba Group, die Zusammenarbeit um weitere drei Jahre zu verlängern, Unternehmen und Verein gehen in die 24. gemeinsame Saison. Wenn es nach den Verantwortlichen geht, soll die neue Strategie Alba Berlin fit für die Zukunft machen. „Wir dürfen nicht auf Kosten der Zukunft leben. Das höchste Gut ist die Existenz dieses Vereins, am besten noch in 100 Jahren“, sagt Marco Baldi.

So viel Geduld kann man von Sasa Obradovic aber nun wirklich nicht verlangen.

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