Sport : Albas X-Men

Dank neuer Ideen und Zeichen führt Muli Katzurin Berlin direkt zum Erfolg

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Kreuzritter. Albas Basketballer um Julius Jenkins haben ein neues Erkennungszeichen, das an eine Comic-Heldengruppe erinnert. Foto: König
Kreuzritter. Albas Basketballer um Julius Jenkins haben ein neues Erkennungszeichen, das an eine Comic-Heldengruppe erinnert....

Berlin - In der 24. Minute war es plötzlich da: das X, das neue geheime Erkennungszeichen der Basketballer von Alba Berlin. Gerade lagen sie 38:50 gegen Panellinios Athen zurück, als der neue Trainer Muli Katzurin eine Auszeit nahm und mit gekreuzten Armen das Kommando gab. Das X signalisierte: Wir packen in der Abwehr unsere Geheimwaffe aus – die Match-Up-Zonenverteidigung.

Diese komplexe Mischung aus Raum- und Manndeckung hatten sie zuvor erst zwei Tage lang trainiert, und unter Katzurins Vorgänger Luka Pavicevic nie gespielt. Dennoch setzte der Israeli sie in seinem ersten Spiel gleich ein, bei einem Zwölf-Punkte-Rückstand. Es funktionierte, Athen konnte sich nicht darauf einstellen, ob Alba nun im Raum oder gegen den Mann verteidigte und verspielte seinen Vorsprung, Alba siegte 68:65. „Wir haben ihnen den Rhythmus genommen“, sagte Patrick Femerling. Albas Spieler hingegen verständigten sich immer wieder, in dem sie gekreuzte Arme in die Luft reckten oder auf den Gegenspieler deuteten, den ein Mitspieler übernehmen sollte.

„Vielleicht hilft diese erfolgreiche Veränderung den Spielern, gleich an das neue System zu glauben“, sagte Katzurin. „Das war mutig, nach vier Tagen im Amt, bei einem etablierten System, zu sagen: Wir machen etwas ganz anderes“, lobte Geschäftsführer Marco Baldi. „Dass es gleich geklappt hat, wird dem Team einen Boost, einen Schub geben.“ Ebenso das frühe Stören des Gegners. „So liegt abends kein Spieler im Bett und denkt: War es richtig, heute so früh zu pressen?“ Dennoch sei der Aufritt keine spielerische Offenbarung gewesen, man habe in erster Linie über den Willen gewonnen.

Doch es war auch ein Sieg von Katzurins Taktik, mit der er als Trainer in Wroclaw Alba einst große Probleme bereitet hatte, als die Berliner im Herbst 2003 kein Gegenmittel gegen seine Verteidigung fanden. Auch der neue Mut zu Schnellangriffen war gleich erkennbar. „Vorher haben wir nur Fastbreaks gespielt, wenn wir eine eindeutige Überzahlsituation hatten“, sagte Baldi. Ein Zeugnis des Scheiterns für die Spielweise von Vorgänger Pavicevic sah Baldi darin nicht, gab aber zu: „Die Spieler müssen sich in einem System auch wohl fühlen. Und das war bei einigen wohl zuletzt nicht der Fall.“

Einer, der sich angesprochen fühlen dürfte, ist Hollis Price. Der Spielmacher lächelte nach dem Spiel, was er nach seinem Auftritt auch durfte. Zwar erzielte er nur fünf Punkte und gab nur eine Vorlage, doch durfte er erstmals seit Monaten für Marko Marinovic als Point Guard beginnen. Auch in der entscheidenden Schlussphase stand er auf dem Feld und erinnerte wieder an den Anführer auf dem Feld, der er in seiner ersten Alba-Saison 2005/06 noch war.

„Wir schließen unsere Angriffe schneller ab, das wird uns und den Fans noch viel Spaß bringen“, sagte Price. Auch er hat nun mehr Freude am Spiel, vor allem an Katzurins vergleichsweise zurückhaltender Art am Spielfeldrand. „Als Spielmacher will man das Spiel auch ein wenig kontrollieren und nicht immer schauen müssen, was der Trainer außen vorgibt.“

Trotz allem Neuerungsgeist änderte Katzurin aber beileibe nicht alles bei Alba. Vor dem Spiel ließ er sich von den Assistenztrainern die bisherigen Offensiv-Spielzüge erklären, behielt die meisten bei und ergänzte nur wenige neue. „Gerade in der zweiten Hälfte haben wir offensiv viel mit Blocken und Abrollen gespielt, das kannten wir, das hat uns Selbstvertrauen gegeben“, sagte Price. Denn so hatten sie auch unter Pavicevic gespielt. Es war also nicht alles schlecht, damals.

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