Sport : Alter neuer Freund

Von Mohamed Zidans Tor profitiert sein jetziger Klub Mainz genauso wie sein früherer aus Dortmund.

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Die Freude nach der Trauer. Zidan widmete sein Tor den Opfern in Ägypten. Foto: dapd
Die Freude nach der Trauer. Zidan widmete sein Tor den Opfern in Ägypten. Foto: dapdFoto: dapd

Die Hände und der Blick richteten sich gen Himmel. Nur Augenblicke zuvor hatte Mohamed Zidan die Führung für den FSV Mainz 05 beim FC Schalke 04 erzielt. Zidan wollte den mehr als 70 vor wenigen Tagen bei einem Fußballspiel zu Tode gekommenen Menschen in seiner ägyptischen Heimat auch aus der Entfernung zeigen, dass sie nicht vergessen sind. „Das Tor widme ich meinen verstorbenen Landsleuten“, sagte er nach dem Spiel, bei dem Chinedu Obasi noch den Ausgleichstreffer für die Schalker zum Endstand erzielt hatte.

Es war ein besonders emotionaler Abend für den 30-Jährigen. Neben der gedanklichen Verarbeitung der erschütternden Vorfälle beim Klub Al-Masry in seiner Heimatstadt Port Said, wo er einst selbst das Fußballspielen gelernt hatte, musste sich der Angreifer zudem an einschneidende berufliche Veränderungen gewöhnen. Sein Wechsel von Borussia Dortmund in der Vorwoche zurück zu den Rheinhessen, bei denen er bereits 2005/2006 und 2007 unter Vertrag gestanden und für die er in 41 Spielen 22 Tore erzielt hatte, bedeutet für Zidan eine Rückkehr „in die Heimat“, wie es der Profi nannte. „Wir brauchten einen Spieler, der uns sofort helfen kann. Mohamed kennt bei uns alle Leute, alle Wege und findet sich sehr gut zurecht. Das sind gute Voraussetzungen“, sagte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel.

In Gelsenkirchen deutete Zidan an, dass er für die im Abstiegskampf verfangenen Mainzer eine echte Hilfe sein kann. Nicht zuletzt bei seinem Treffer, bei dem er eine lange Flanke volley verwertete, wurde deutlich, dass er die über viele Jahre hinweg entwickelte Mainzer Spielweise noch immer verinnerlicht hat. Und so tat es Zidan wieder sichtlich gut, eine feste Größe in einer Mannschaft zu sein. Zuletzt bei Borussia Dortmund, wohin er einst im Jahr 2008 zu seinem Förderer Jürgen Klopp gewechselt war, konnte er sich der großen Konkurrenz im Angriff nicht mehr erwehren.

Der BVB war Zidan über den Kopf gewachsen. Gerade zwei Kurzeinsätze mit maximal 30 Minuten Spielzeit hatte er in der laufenden Saison zugestanden bekommen. „Ich bin zufrieden, weil ich wieder eine gute Rolle in einem Team spielen kann“, sagte er. Seine Aufgabe bei den Mainzern ist eindeutig. Der Mannschaft fehle es an Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, aber „er kann die Zuschauer mobilisieren und bringt Esprit in die Mannschaft“, sagte der Mainzer Manager Christian Heidel.

Beinahe hätte Zidan gegen Schalke wegen Magen-Darm-Beschwerden gar nicht spielen können. Aber so konnte er gleich seinen Einfluss in den vom Klub gewünschten Bereichen einbringen. Doch auch bei Borussia Dortmund sorgte der Ägypter für besondere Freude. Noch am vergangenen Freitag hatte Zidan mit seinen ehemaligen Dortmunder Kollegen Patrick Owomoyela und Sebastian Kehl telefoniert und ihnen ein Tor gegen den ungeliebten Reviernachbarn versprochen. „Ich habe das Tor auch für den BVB geschossen, damit er einen Vorsprung im Meisterschaftskampf hat“, sagte Zidan und machte sich auf die Heimreise – nach Mainz.

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