Amateur-Klasse : Marcel Kußmann: Fairplay geht über Punkte

Als NNW 98 ein unberechtigter Handelfmeter zugesprochen wird, korrigiert Marcel Kußmann die Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Sein Team verliert das Spiel, gewinnt aber Sympathien.

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Marcel Kußmann wechselte aus der Hertha-Jugend zu NNW. Foto: NNW 98
Marcel Kußmann wechselte aus der Hertha-Jugend zu NNW.Foto: NNW 98

Für Marcel Kußmann war die Sache eigentlich klar. Der Spieler des SV Norden-Nordwest 98 lief über die Außenbahn, wollte den Ball in die Mitte flanken und traf seinen Gegenspieler vom SV Karow mitten im Gesicht. Der Ball flog ins Aus – doch zur Überraschung Kußmanns entschied der Schiedsrichter nicht auf Eckball, sondern auf Elfmeter. Er wollte ein Handspiel erkannt haben, was vehemente Proteste der Karower zur Folge hatte. Diese währten jedoch nur kurz, denn Kußmann klärte den Unparteiischen auf und dieser korrigierte seinen Fehler.

Dass das ambitionierte Team aus Gesundbrunnen zu diesem Zeitpunkt 0:2 zurücklag und letztlich eine ärgerliche Niederlage im Kampf um den Aufstieg in die Bezirksliga kassierte, macht die Fairplay-Geste umso bemerkenswerter. „Das war ganz klar kein Handspiel, der Spieler hat sogar leicht im Gesicht geblutet“, erzählt Kußmann. Aktuell hat NNW eine kleine Durststrecke, die Niederlage habe dem Team dennoch gut getan.

Kußmann ist 25 Jahre alt und studiert Bauingenieurwesen an der Beuth Hochschule. Bis zur B-Jugend spielte er bei Hertha BSC, dann legte ihm sein damaliger Trainer einen Wechsel nahe. Aus der Junioren-Bundesliga mit 17 Jahren ins Männer-Team von NNW, da muss Kußmann selbst lachen. „Gute Frage, wie ich hier gelandet bin“, sagt er und antwortet prompt: „Freunde von mir spielen hier.“ Mittlerweile kickt auf sein jüngerer Bruder auf dem Sportplatz an der Behmstraße. „Wer weiß, was gewesen wäre, ich fühle mich hier aber sehr wohl“, sagt Kußmann.

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