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American Football : Die Nacht, in der ein Team verschwand

06.01.2013 16:00 Uhrvon
Ein Mann für Indianapolis. Colts-Quarterback Andrew Luck ist die Entdeckung dieser Saison.Bild vergrößern
Ein Mann für Indianapolis. Colts-Quarterback Andrew Luck ist die Entdeckung dieser Saison. - Foto: REUTERS

Die Colts waren Baltimores Football-Stolz – bis sie heimlich nach Indianapolis zogen. Am Sonntag gibt es ein brisantes Wiedersehen in den Play-offs der NFL.

Schnee rieselt leise auf die breite Interstate, als die Trucks Richtung Baltimore rollen. Große, mächtige Trucks mit riesigen Ladeflächen. Mayflower Vans sagt man in den USA zu dieser Art von Lastwagen, benannt nach einem bekannten Umzugsunternehmen. Kevin Cowherd wusste, dass sie irgendwann kommen würden. Aber dass es so schnell geht, überrascht den jungen Sportreporter der „Baltimore Evening Sun“ dann doch. Cowherd hat an diesem winterlich kalten 28. März 1984 Spätdienst, als gegen 22.15 Uhr sein Telefon zu klingeln beginnt. Immer mehr Leute rufen an und melden, dass auf dem Gelände der Baltimore Colts irgendetwas vor sich geht.

Und zwar nichts Gutes. Blitzartig stürmt Cowherd aus dem Büro. Er rast mit einigen Kollegen zum Trainingszentrum. Gerade noch rechtzeitig, um mit anzusehen, wie die Umzugshelfer das städtische Footballteam in Kisten verpacken und aus der Stadt bringen. Oder zumindest das, was gerade vor Ort war: Büroartikel, Unterlagen, Trainingsgeräte. Die Spieler befanden sich in den Ferien, einige wussten schon, dass sie zur neuen Saison nicht mehr nach Baltimore zurückkehren. In der Stadt wusste dagegen niemand etwas von dem plötzlichen Abschied.

„Das war alles so surreal, wie in einem Science-Fiction-Film“, sagt Cowherd. „Die Leute vom Unternehmen waren angewiesen, mit niemandem zu sprechen, erst recht nicht mit der Presse. Aber wir sahen auch so, was da passierte.“

Die Nacht, in der die Baltimore Colts nach Indianapolis entschwanden, gilt bis heute als eine der legendärsten im US-Sport. Nie zuvor und nie danach verließ ein Klub derart heimlich eine Stadt, um sich woanders niederzulassen. Dabei sind Umzüge sogenannter Franchise-Unternehmen in den USA keine Seltenheit. Nur eben nicht auf diese Art.

Zwischen der Stadt Baltimore und dem Besitzer der Colts, Robert Irsay, war es zuvor zum Bruch gekommen. Irsay, ein als launisch und aufbrausend geltender Millionär, war mit dem veralteten Memorial Stadium in Baltimore nicht zufrieden und forderte von der Stadt die sofortige Renovierung. Oder besser noch: Ein neues Stadion. In Baltimore sah man jedoch in Irsay den Schuldigen für die Misere. Bevor er die Franchise übernommen hatte, waren die Colts ein Spitzenteam in der National Football League (NFL) gewesen. 1970 gewann Baltimore sogar den Super Bowl. Seit Irsays Übernahme 1972 ging es dann nur noch bergab. 1983 kam es sogar so weit, dass der damals talentierteste Quarterback des Landes sich nach seiner Verpflichtung wegen Irsay weigerte, für die Colts aufzulaufen. Er drohte, lieber Baseball bei den New York Yankees zu spielen, als nach Baltimore zu kommen. Der Mann hieß John Elway, ging zu den Denver Broncos und mit zwei Siegen im Super Bowl als einer der besten Spielmacher in die Geschichte des American Football ein.

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