Angriffe auf Chris Froome bei der Tour de France : Spucke, Urin und Rippenschläge

Bei der Tour de France werden die Fahrer des Sky-Teams um den Gesamtführenden Chris Froome angegriffen und bespuckt – der Veranstalter ist ratlos.

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Die Nähe zu den Fans am Streckenrand gehört beid er Tour de France dazu. Doch für den Gesamtführenden Chris Froome und seine Kollegen beim Team "Sky" birgt die Nähe derzeit Gefahren.
Die Nähe zu den Fans am Streckenrand gehört beid er Tour de France dazu. Doch für den Gesamtführenden Chris Froome und seine...Foto: imago

Auch die Tour de France hat ihre Hooligans. Mit einem Becher voller Urin wurde der Gesamtführende Chris Froome am Samstag während der 14. Etappe beworfen. Auf seine Teamgefährten Richie Porte und Luke Rowe wurde gespuckt. Porte war bereits während der zehnten Etappe Opfer eines Faustschlags in die Rippen geworden.

Für diese Übergriffe aus dem Publikum machten Froome und sein Team Sky die in ihren Worten „verantwortungslose Berichterstattung mancher Medien“ verantwortlich. Sie bezogen sich dabei unter anderem auf ein Titelblatt der französischen Tageszeitung „Liberation“, auf dem vor der „gelben Gefahr“ gewarnt wurde. Die bizarre Wendung sollte auf die Dopingversuchungen hinweisen, denen die Träger eines Gelben Trikots bei der Tour systematisch unterliegen.

Besonders Froome und Team Sky wurden bisher bei dieser Tour infrage gestellt. „Liberation“ warf dabei Fragen auf, die viele beschäftigen. Manche bezeichnen die Leistungen von Chris Froome und seiner beiden stärksten Helfer Porte und Geraint Thomas als „stratosphärisch“, wie etwa der letztjährige Tour-Zweite Jean-Christophe Peraud. Der französische TV-Moderator Cedric Vasseur unterstellte Froome, mit einem Elektromotor die Berge hochzufliegen. Vasseur gehörte im Jahr 2000 zur US Postal-Mannschaft des damaligen Tour-Siegers Lance Armstrong.

Leistungen von Chris Froome auch ohne Epo und Motoren erklärbar?

Es gibt auch Kenner des Fachs, die die Leistungen von Froome und Co. ohne Epo- oder Motor-Doping begründen. So versichert Jens Zemke, sportlicher Leiter beim südafrikanischen Rennstall MTN-Qhubeka: „Ich finde es schon erklärbar. Man sieht auch, dass er wie alle, die da in der vorderen Gruppe fahren, auch schlechte Momente hat. Diese Übermacht aus der Vergangenheit, wie es bei einem Armstrong war, die ist jetzt nicht mehr da.“ Diese unterschiedlichen Haltungen und Annahmen schlagen sich auch an der Tourstrecke nieder. Zahlreiche Fans in Sky-Trikots jubeln rückhaltslos ihren Helden zu. Andere Zuschauer zeigen Transparente, auf denen sie Doping allgemein verurteilen und die Fahrer zu sauberem Sport auffordern. Und es gibt jene, die Banner halten mit der Aufschrift: „Froome – dopé“ und „Sky – dopé“. Über diese feindliche Haltung beschwerte sich Froome und machte kritische Berichterstattung dafür verantwortlich.

Der Brite mag sauber sein. Dann wäre diese Vorverurteilung besonders bitter für den 30-Jährigen. Aber den Generalverdacht gegen den Radsport befeuerten eben nicht Zuschauer oder Journalisten, sondern Berufskollegen von Froome, die zum Teil noch jetzt im Peloton stecken. Vertrauen wächst nur langsam. Team Sky hat mit der zwischenzeitlichen Verpflichtung – und sehr zögerlichen Trennung – von einigen Doping belasteten Persönlichkeiten das selbst gesteckte Ziel der „Zero Tolerance“ auch nicht immer erfüllt. So gehörten der mittlerweile zu einer lebenslangen Sperre verurteilten Arzt Geert Leinders genauso zum Rennstall wie die früheren Dopingsünder Bob Julich und Steven de Jongh, die als sportliche Leiter tätig waren. Zweifel sind also verständlich.

1971 erstmals Angriffe auf Fahrer bei der Tour de France

Die physischen Attacken allerdings sind eine Grenzüberschreitung. Sie sind im Radsport nicht so häufig wie etwa im Fußball, wo gegnerische Fans angegriffen werden und Spieler zuweilen beleidigt oder auch mit Bierbechern und Feuerzeugen beworfen werden. Aber es gab im Radsport auch schon einige Übergriffe. 2012 streuten Unbekannte Reißzwecken während einer Tour-Etappe aus. 2009 schossen Jugendliche mit Luftgewehren auf die Fahrer. 1999 wurde eine Art Tränengas ins Peloton gesprüht. Ihren Ursprung haben Attacken auf Tourfahrer in zwei Ereignissen um Eddy Merckx. 1971 griffen Fans seines Rivalen Luis Ocana ihn mit Steinen an, 1975 boxte ihn während einer Bergetappe ein Zuschauer in den Magen.

Schlimmeres noch kündigte nun ein junger Franzose via Facebook für Froome an. Er wolle ihm auf der Etappe nach Alpe d’Huez die Beine brechen, drohte er. Der Tour-Organisator Aso zeigt sich gegenüber dieser Entwicklung ratlos. Die Polizei ermittelt nicht, wie ein Sprecher erklärte. So bleibt den Verantwortlichen der Tour de France allein die Hoffnung darauf, dass weitere Übergriffe ausbleiben. Sonst müssten bei diesem Umsonst-und-draußen-Sport wohl fast überall an der Strecke Absperrgitter errichtet werden.

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