Arena am Ostbahnhof : Die Einzweckhalle

Die Betreiber der Großarena schaffen es nicht, Alba und die Eisbären am selben Tag spielen zu lassen. Zum zweiten Mal wurde eine Doppelveranstaltung abgesagt und Alba muss auf einen Montag ausweichen.

Katrin Schulze,Lars Spannagel
Arena Foto: ddp
Anderer Sport, andere Sitze. Der Umbau von Eishockey zu Basketball dauert zu lange in der O2-Arena. -Foto: ddp

Zurückhaltung gehört nicht unbedingt zu den Eigenschaften der Anschutz Entertainment Group (AEG). Ähnlich pompös wie die neue Mehrzweckarena kommen auch die Werbesprüche ihres Halleneigners daher. Nicht weniger als „die modernste Halle Europas“ hätten sie in Berlin hingestellt, sagte der Eigner noch vor der Eröffnung. Nun bröckelt das moderne Image der Halle: Nachdem die AEG bereits die erste Doppelveranstaltung in der Arena am Ostbahnhof abgesagt hatte, kündigte sie an, dass auch die zweite, für den 21. Dezember anberaumte Zweifachbelegung nicht möglich ist. Die Eisbären sollen weiterhin um 12 Uhr mittags gegen die Adler Mannheim spielen. Die Basketballer von Alba Berlin hingegen, die am gleichen Tag um 19.30 Uhr gegen Tübingen antreten sollten, müssen auf Montag ausweichen.

Doppelveranstaltung: Das war eines der Schlagwörter der Werbekampagne. Innerhalb von nur zwei Stunden könne man in der Halle von Eishockey auf Basketball umrüsten, hieß es vollmundig – so wie beim Vorbild Staples Center in Los Angeles, wo der Umbau vom Eishockey zum Basketball nur 117 Minuten dauert. Insgesamt spielen sogar fünf Profimannschaften im Staples Center: Die Kings (Eishockey), die Lakers, Clippers und Sparks (Basketball) und die Avengers (Arena Football). Ganz so multifunktional und schnell geht es in Berlin offensichtlich nicht. „Der Umbau der Bestuhlung funktioniert nicht in der nötigen Zeit“, sagt AEG-Sprecher Moritz Hillebrand. „In unseren Kalkulationen war das vorgesehen, aber es ist nicht umzusetzen.“ Die große Stehtribüne der Eisbären-Fans kann nicht schnell genug zurückgebaut werden.

Damit leidet der Ruf des Eigners weiter. Zuvor hatten sich die Eisbären, die auch Anschutz gehören, über unattraktive Termine, schlechtes Eis und Spielabsagen beschwert, die sie aus dem Rhythmus in der Deutschen Eishockey-Liga bringen würden. Beim zweiten Hauptmieter Alba sieht man die Verlegung noch relativ gelassen. „Das ist natürlich eine unliebsame Sache, aber es war zu erwarten“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Baldi ist nicht verstimmt, weil seinem Klub ein vorweihnachtliches Spiel am vierten Advent entgeht: „Am Montag sind dann schon Schulferien, es ist kurz vor Weihnachten: Es wird auch so stimmungsvoll.“ Bei der AEG setzt man auf das Verständnis der Basketballer. „Alba weiß, dass wir in den kommenden Jahren weiter gut zusammenarbeiten müssen“, sagt Hillebrand. Das sieht auch Baldi so: Alba und Anschutz seien eine Partnerschaft eingegangen, die mindestens 25 Jahre dauern solle – „es war zu erwarten, dass es zu Beginn nicht immer hundertprozentig rund läuft“.

Hillebrand zufolge stand schon seit der Absage des ersten Doppelspieltages fest, dass die Veranstaltungen so nicht durchzuführen sind. Damals kündigte Alba allerdings an, bei einer möglichen zweiten Absage nicht zu auszuweichen. Dass nun wie am 26. Oktober jedoch wieder die Basketballer der Halle verwiesen wurden, begründet die AEG mit dem engen Spielplan der Eisbären: Bei einer Verlegung auf Montag hätten sie zwei Spiele innerhalb von zwei Tagen. Marco Baldi hat dafür Verständnis: „Wir haben nicht das Gefühl, dass für die Eisbären und somit gegen Alba entschieden wurde. Ein großes Projekt verlangt eben von allen Beteiligten Flexibilität.“

Der Eishockeyklub dürfte sich indes über die Absage der Doppelveranstaltung freuen. Manager Peter John Lee überlegt nämlich, ob er die für 12 Uhr terminierte Begegnung später ansetzen soll – üblicherweise finden Spiele sonntags um 14.30 Uhr oder 18.30 Uhr statt. „Die Möglichkeit, später zu beginnen, bestünde“, sagt Hillebrand. Die Zeit des Frühschoppen-Eishockeys, das die AEG ins Leben gerufen hatte, dürfte damit nach nur einem Versuch bereits wieder beendet sein.

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