Auf der Suche nach Leichtigkeit : FC Bayern: Arbeitssiege nerven

Trotz des Rekords durch den Sieg in Hoffenheim: Der FC Bayern München hätte gern etwas mehr Dortmunder Leichtigkeit. Trainer Pep Guardiola sagt dazu: "Wir brauchen Zeit."

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Pep Guardiola bastelt an neuen taktischen Varianten. Foto: dpa Foto: Reuters
Pep Guardiola bastelt an neuen taktischen Varianten. Foto: dpaFoto: Reuters

Dass dieser Bundesliga-Rekord etwas Besonderes sein muss, ergibt sich allein aus der Tatsache, dass er 30 Jahre alt ist. Von 1982 bis 1983 spielte der Hamburger SV 36 Spiele in Serie ohne Niederlage. Genau das gelang nun auch dem FC Bayern mit dem 2:1 (1:1)-Erfolg bei der TSG Hoffenheim. Trotzdem klang bei fast allen Statements der Münchner Unzufriedenheit durch. Bayern-Trainer Pep Guardiola überraschte gar mit der Aussage, die eigene Taktik ändern zu müssen, um die Meisterschaft zu verteidigen. Die Münchner behaupteten an diesem Wochenende zwar die Tabellenführung. Trotzdem waren sie unzufrieden. Warum nur? Was ist das Problem der Münchner?

Es ist womöglich gar nicht der eigene Arbeitssieg wie gegen Hoffenheim, der dem FC Bayern momentan nur mit großer Anstrengung gelingt. Sondern viel mehr die beneidenswerte Spielwucht, mit der Dauerrivale Borussia Dortmund den VfB Stuttgart am Freitagabend beim 6:1 aus dem Stadion schoss. Der BVB musste sich zuletzt selten dank seines mitreißenden Fußballs für einen knappen Sieg entschuldigen. Den Bayern dagegen wurde in ihren vergangenen Spielen gegen Mainz, Hertha BSC und Hoffenheim mehr Paroli geboten, als ihnen recht sein konnte. Der FC Bayern will eben nicht nur erfolgreich sein, sondern die Gegner überwältigen mit seiner Art, Fußball zu spielen. Das gelingt momentan jedoch kaum.

Wer national der Hauptkonkurrent der Münchner ist, hat Uli Hoeneß erst vor kurzem ausdrücklich betont. Nicht Leverkusen, nicht Schalke oder die aufstrebenden Wolfsburger, nein: Borussia Dortmund. Es werde bis zum Saisonende ein enges Rennen um den Titel geben, sagte Bayerns Präsident voraus. Anders als die Dortmunder sind die Bayern dabei, sich international als Global Player zu etablieren, das Champions-League-Finale gehört zum Standardziel. Der BVB dagegen lauert weiterhin gemütlich in der Position des Herausforderers.

Die Münchner haben den Dortmundern in dieser Spielzeit vielleicht einiges an Dominanz voraus. Die größten Emotionen ruft bislang aber das spielstarke Auftreten der Dortmunder hervor. Es überrascht also kaum, dass Guardiola in der Rhein-Neckar-Arena über die Stärke vieler Bundesligateams referierte – und den BVB dabei hervorhob als „eine der besten Mannschaften der Welt, die seit fünf, sechs Jahren denselben Trainer hat“. Über den eigenen Klub sagte der Spanier abermals: „Wir brauchen Zeit.“ Was nicht verwundert, der neue Trainer ist erst seit wenigen Monaten in München. Zuvor betreute er den spektakulären FC Barcelona. Und zumindest spektakulärer soll es mit ihm nun auch beim FC Bayern zugehen.

Noch bleibt also ein wenig Zeit bis zu dem Gipfeltreffen am 23. November, wenn der Champions-League-Sieger auf seinen damaligen Finalgegner trifft. „Es wird eine große Herausforderung für uns, den BVB zu schlagen“, sagte Guardiola. Die Mannschaft von Jürgen Klopp war es ja auch, die den Münchnern im vergangenen Sommer im Supercup die bislang einzige Saisonniederlage zufügte.

Seitdem spielte sich die Mannschaft dem alten Rekord des HSV entgegen, wenn auch mit einiger Anstrengung. So musste man für die letzten drei Saisonsiege sogar „arbeiten“, wie es Philipp Lahm ausdrückte, aber „das kann die Mannschaft auch“. Doch Arbeit und FC Bayern – das scheint weiterhin nur schwer vereinbar, wenn es um die besonderen Ansprüche geht.

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