Sport : Aus dem Chaos lernen

Nach dem Sieg gegen Quakenbrück muss sich Alba Berlin gegen Beschimpfungen des Gegners wehren

Ingo Schmidt-Tychsen

Emir Mutapcic war außer sich. „Vielen Dank an die Schiedsrichter“, rief der Trainer von Alba Berlin, und der Sarkasmus in seiner Stimme war schwer zu überhören. „Vielen Dank an die Schiedsrichter, nur wegen denen haben wir heute gewonnen.“ Neben Mutapcic saß Chris Fleming. Der Trainer der Artland Dragons Quakenbrück hatte sich zuvor heftig über die Leistung der Schiedsrichter beschwert, „die uns die Chance auf den Sieg geraubt haben“. Die beiden Basketballtrainer würdigten sich keines Blickes.

Was war passiert?

In einem bis zum Ende umkämpften Bundesligaspiel am Neujahrstag in der Max-Schmeling-Halle hatten die Berliner 80:77 gegen Quakenbrück gewonnen. Dabei gab es vor allem um zwei Szenen Aufregung. Eine davon fand während des Spiels statt: Als kurz vor dem Ende der Begegnung in einem unübersichtlichen Gemenge um den Ball gekämpft wurde, entschied der Schiedsrichter auf Sprungball. Jovo Stanojevic sollte gegen Konstantinos Stavropoulos antreten, weil die beiden nach Meinung der Schiedsrichter um den Ball gerungen hatten. Doch nach einer Auszeit wollte Ben Ebong plötzlich gegen Stanojevic antreten. Ebong ist drei Zentimeter größer und deutlich kräftiger als Stavropoulos. Die Berliner protestierten daraufhin so lange, bis die Schiedsrichter sich noch einmal berieten und Stavropoulos an die Linie schickten. Der verlor den Sprungball gegen Stanojevic. „Ben Ebong hätte antreten müssen. Ich habe genau gesehen, dass er beteiligt war“, sagte Fleming später.

Die zweite Szene ereignete sich direkt nach Spielende. Bei der Verabschiedung beschimpfte Chris Fleming Emir Mutapcic. „Das waren ganz üble Beleidigungen“, sagte Albas Teammanager Henning Harnisch, der daneben stand und sich „verpflichtet fühlte einzugreifen“. Harnisch drückte Fleming nach hinten, Fleming schubste zurück. Daraufhin stürzten sich die Spieler dazwischen, eine große Traube bildete sich. Verletzt wurde dabei niemand. Vielleicht, weil Harnisch ein besonnener Typ ist. Dem Teammanager wurde laut Mutapcic Prügel von Chris Fleming angedroht. Harnisch wollte sich dazu nicht mehr äußern.

Dafür hatte Mutapcic noch einiges zu sagen: „Fleming kann nicht in unsere Halle kommen und ,Fuck you’ zu allen sagen. Er hat ,Fuck you’ zu Harnisch, ,Fuck you’ zu Ko-Trainer Burkardt Prigge und ,Fuck you’ zu den Schiedsrichtern gesagt“, erzählte Mutapcic. „Wir haben Quakenbrück vor dem Spiel optimale Trainingsbedingungen in unserer Halle gegeben. Ab jetzt machen wir das nicht mehr.“

Etwas Positives konnte Albas Trainer dem Spiel aber trotz aller Aufregung noch abgewinnen. Oder gerade deswegen. „Weil so viel geschehen ist, werden wir aus dem Spiel lernen.“

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