Sport : Ausgeträumt

Das Spiel gegen St. Pauli hat gezeigt: Union ist noch nicht reif für die Spitze

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Berlin - Unmittelbar nach Spielschluss, die erste Enttäuschung war gerade gewichen, sagte Torsten Mattuschka einen Satz, der so etwas wie Resignation in sich trug. Der Kapitän des 1. FC Union sagte: „Wir haben alles gegeben, alles probiert, aber es hat nicht gereicht.“

Wahrscheinlich war Mattuschka in diesem Moment gar nicht bewusst, wie treffend er das Spiel seiner Mannschaft gegen den FC St. Pauli analysiert hatte. Union war gewillt, kämpfte und verlangte dem Bundesliga-Absteiger einiges ab, aber letztendlich setzte sich die größere Klasse der Gäste verdient durch. Das Spiel gegen St. Pauli hat gezeigt: Union ist noch nicht so weit, um mit den Spitzenmannschaften der Zweiten Liga zu konkurrieren.

Gegen die Aufstiegsaspiranten Greuther Fürth (0:4), Eintracht Frankfurt (1:3) und jetzt St. Pauli haben die Berliner jeweils verloren, bei einem Torverhältnis von 1:9. In drei Wochen hat Union im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf die Chance, diese Bilanz zumindest etwas zu schönen. „Wenn man die direkten Duelle nimmt, sieht man, dass uns noch einiges fehlt“, sagt Unions Trainer Uwe Neuhaus. Abschlusssicherheit etwa, oder die Fähigkeit, eine sicher stehende, gegnerische Abwehr auch mal zu überraschen. Die erste Niederlage im Oktober war ein Dämpfer. Nach fünf Heimsiegen in Folge und dem Vorstoßen auf Tabellenplatz sieben gab es im Umfeld schon einige, die von mehr geträumt hatten. Platz drei, der zu den Relegationsspielen zur Bundesliga berechtigt, war vor dem Spiel gegen St. Pauli zwar zehn Punkte entfernt gewesen, aber bei der Drei-Punkte-Regel kann so ein Rückstand schnell aufgeholt werden. „Wir sind noch nicht so weit, um oben mitzuspielen“, sagt Neuhaus.

Waren es gegen Fürth und Frankfurt noch individuelle Fehler, die zur Niederlage geführt hatten, so gab gegen St. Pauli schlicht die größere Qualität des Gegners den Ausschlag. „Viele von St. Paulis Spielern haben Erfahrung in der Bundesliga gesammelt. Die sind uns einen Schritt voraus“, sagte Neuhaus. Fin Bartels etwa, der Unions Defensive mit seinen Tempodribblings ein ums andere Mal vor Probleme stellte oder Deniz Naki, der für Unruhe sorgte und nach einer Stunde die Führung für die Gäste erzielte, bevor Markus Thorandt den Endstand herstellte.

Auffällig war, wie geschickt St. Pauli den Ball in den eigenen Reihen hielt und wie wenig Union dagegen ausrichten konnte. „Das ist gemessen an unseren Möglichkeiten auch nicht weiter verwunderlich“, sagte Neuhaus. Mit einem Gesamtetat von 13,2 Millionen Euro rangiert Union im unteren Bereich der Liga.

Drei Viertel der Hinrunde sind absolviert, mit 18 Punkten liegt Union im Soll. Zum Vergleich: Zum Ende der vergangenen Hinrunde hatten die Köpenicker nur einen Zähler mehr. Trotzdem ist der deutliche Abstand zur Spitze augenfällig. Und mit Braunschweig, Düsseldorf, Rostock und Cottbus warten in den nächsten Wochen keine einfachen Gegner auf die Berliner. Sebastian Stier

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