Auslaufen mit Lüdecke : Aufruf zum Kampf!

Unser Kolumnist Frank Lüdecke wundert sich über das Jammern der Bayern-Konkurrenz. Statt jede Woche von Langeweile zu faseln, sollten sie lieber die Ärmel hochkrempeln und sagen: Jetzt reicht’s, ihr Bajuwaren! Besonders zwei Vereine hat er dafür im Blick.

Frank Lüdecke
Abgeprallt: Herthas Nico Schulz muss sich anstrengen, um mit Bayerns Jerome Boateng mitzuhalten.
Abgeprallt: Herthas Nico Schulz muss sich anstrengen, um mit Bayerns Jerome Boateng mitzuhalten.Foto: Imago

Die erfreuliche Nachricht des Spieltages: Bayern München hat mal wieder ein Tor kassiert. Prima. Das ist seit – ich glaube – acht Jahren keinem Fußballprofi gelungen. Das Ernüchternde daran: Auch dieses Tor haben sie selbst geschossen, es war ein Eigentor. Da stand es aber schon 4:0. Und zwar nach 30 Minuten! Gegen den Tabellenvierten Schalke 04, keine schlechte Mannschaft eigentlich. Im Anschluss an das Spiel wurde der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge von einem Reporter in eine sehr defensive Rolle gedrängt. Wo das alles noch hinführen soll? Langeweile, Übermacht, schlechtes Gewissen, blablabla.

Fand ich nicht gut. Wieso soll sich der Manager des FC Bayern für den Erfolg entschuldigen? Er hat doch nichts falsch gemacht. Wenn man sich die Tabellensituation ansieht, könnten sich andere entschuldigen. Zum Beispiel von Hamburg einer. Oder Stuttgart. Oder meinetwegen Leverkusen. Die haben als einstmals stärkster Konkurrent der Bayern von den letzten zehn Pflichtspielen acht verloren. Hat bei den Münchnern keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, diese Serie.

Nein, Rummenigge hätte sagen sollen: Uns kann derzeit keiner das Wasser reichen. Wir werden ungeschlagen Deutscher Meister und unsere Gegentore müssen wir inzwischen auch schon selbst schießen. Das klänge zwar arrogant, entspräche aber wenigstens der Wahrheit. Ich bin sowieso der Ansicht, der Reporter geht von völlig falschen Voraussetzungen aus. Der Kampf um die Meisterschaft ist nicht langweilig geworden. Es gibt schlichtweg keinen Kampf, das ist das Problem. Die Vergabe der deutschen Fußball-Meisterschaft ähnelt inzwischen mehr einem Verwaltungsakt. Bei dem ein Verein aus der bayerischen Landeshauptstadt nur die Unterlagen einreichen und die jeweiligen Spieltermine einhalten muss. Und hin und wieder zur allgemeinen Belustigung auch mal ins eigene Tor trifft.

Ich finde, hier sind die Konkurrenten von Bayern München aufgefordert, nicht jede Woche von Langeweile zu faseln. Im Gegenteil. Sie sollten die Ärmel hochkrempeln! Sie sollten sagen: Jetzt reicht’s, ihr Bajuwaren! Und dann sollten sie eine richtig tolle Sache auf die Beine stellen. Sie sollten sagen: Jetzt ziehen wir den Bayern die Lederhosen aus, oder wie das immer heißt. Dann sollten sie anfangen, ihre Haushalte zu sanieren, die Strukturen zu verbessern, starke Mannschaften zusammenzustellen und dann den Münchenern mal so richtig Paroli zu bieten. So müsste es gehen.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Foto: dpa

Bloß, an welche Vereine denkt man da? Welche Vereine verfügen über die Strahlkraft für so ein sportliches Großprojekt? Tja – Hoffenheim? Mainz? Augsburg vielleicht? Oder Eintracht Braunschweig? Ehrlich gesagt, mit fallen da nur zwei Städte ein, die von ihrer Größe her die strukturellen Voraussetzungen für den Großangriff auf Bayern München gewährleisten könnten. Zwei Städte, die hinreichend Erfahrung mit Großprojekten besitzen. Und in denen auch der Begriff Eigentor immer eine große Rolle gespielt hat.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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