Auslaufen mit Lüdecke : Herthas Nichtschwimmer

Kabarettist Frank Lüdecke kommentiert immer montags das Geschehen in der Fußball-Bundesliga. Die Berliner sollten den Moment genießen, sagt er diese Woche.

Frank Lüdecke
Den Moment genießen. Die Spieler des Hertha BSC gratulieren Sami Allagui nach einem seiner zwei Tore gegen Mainz.
Den Moment genießen. Die Spieler des Hertha BSC gratulieren Sami Allagui nach einem seiner zwei Tore gegen Mainz.Foto: dpa

Unter der Woche gab es einen Skandal. Hertha ist im Pokal ausgeschieden! In der zweiten Runde! Gegen einen Zweitligisten! Berlin war geschockt. Wie konnte das passieren? Wir scheiden doch sonst in der ersten Runde aus? Gegen Amateure.

Was viele nicht wissen: Die Satzung von Hertha BSC sieht vor, dass die dritte Runde des DFB-Pokals niemals erreicht werden darf. Generationen von Trainern und Mannschaften haben sich an diese Regel gehalten. Hier darf also Luhukay kein Vorwurf gemacht werden.

Nun wurden aber Stimmen laut, der Trainer habe im Pokal absichtlich eine B-Elf aufgestellt. Er wollte Kräfte bündeln, um anschließend das Heimspiel gegen Mainz zu gewinnen. Tja, kann sein. So gesehen natürlich schade, dass wir nicht jeden Mittwoch im Pokal ausscheiden können. Nach dem Sieg gegen Mainz gab es aber auch wieder Irritationen. In der Pressekonferenz wurde der Trainer gefragt, warum der Sieg erst in der zweiten Halbzeit sichergestellt werden konnte und nicht schon in der ersten. Da schlug der Holländer mit der Hand auf den Tisch. Mehrfach. So kennt man den Mann gar nicht. Ich glaube, er war sauer. Ich kann das aber nachvollziehen, irgendwo. Leute, es ist erst ein gutes Jahr her, da lag das sportliche und strukturelle Ansehen des Vereins auf einer Höhe mit dem Großflughafen. Aktuell sind wir Fünfter der ersten Fußball-Bundesliga. In Worten : F-ü-n-f-t-e-r!

Schon mal gesehen, wer da so hinter uns steht? Was sollen die denn sagen? Die Stadt mit der Elbphilharmonie etwa. Die haben schon den ersten Trainer entlassen. Mit Erfolg, allerdings. Der neue, auch ein Holländer, krempelte in seinem ersten Spiel alles um und gab eine völlig neue Losung aus. Sie lautete: „Wir wollen Fußball spielen.“ Das war eine prima Idee. Und sie kam dem Berufsbild seiner Angestellten absolut entgegen. Die Spieler waren begeistert. Sie riefen: „Super! Das ist ja genau die Sportart, die wir den ganzen Tag trainieren!“ Mit dieser neuen sportlichen Ausrichtung hat der HSV in letzter Minute ein verdientes Unentschieden in Frankfurt geholt. Kompliment an den Trainerfuchs van Marwijk. Der Mainzer Trainer Tuchel hatte gegen Hertha Ähnliches vor. Er wollte aber nicht „Fußball“ spielen lassen. Sondern „Männerfußball“. Das ging aber in die Hose.

Ansonsten alles wie erwartet in der Liga. Nach einem knappen Viertel der Saison besteht die Tabelle aus drei Teilen. Vorne stehen Dortmund, Bayern und Leverkusen. Dann kommt ein riesiges Mittelfeld. Und dann Braunschweig.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Zeichnung: Tsp

Deshalb sollten wir Berliner auch den Moment genießen. Der Trainer hat ja gewarnt: Eigentlich spielen wir gegen den Abstieg. Und da hat er recht. Aber hat diese Stadt nicht immer schon gegen den Abstieg gespielt? Und wünschen sich die Eingeborenen hier nichts sehnlicher als ein bisschen Erfolg? Ich glaube, so erklärt sich auch unsere latente Unzufriedenheit. Das sollte Luhukay nach einem Jahr Berlin aber inzwischen gelernt haben: Würde er morgen auf’m Wannsee übers Wasser laufen, würden wir aufschreien: „Kiek ma! Nich’ ma’ schwimmen kann er!“

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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