Auslaufen mit Lüdecke : Lieber mehr Hoffenheim!

Unser Kolumnist ist kein Taktikfreund, sondern bekennender Grobmotoriker. Und deshalb hat er auch richtig Spaß daran, die Bundesligaspiele der TSG Hoffenheim zu schauen.

Frank Lüdecke
In Hoffenheim geht's drunter und drüber.
In Hoffenheim geht's drunter und drüber.Foto: Imago

Das mag die Experten überraschen, aber Bayern München ist nicht die Mannschaft der Stunde! Jedenfalls nicht für mich. Für mich ist das eindeutig die TSG Hoffenheim. Was dieses Sportkollektiv dem geneigten Konsumenten Woche für Woche anbietet: Klasse! Diesmal ein 4:4 gegen Bremen! Gleich zweimal einen Zweitorevorsprung verspielt! Und den Ausgleich in der letzten Sekunde kassiert. Chapeau! Davor gab es schon ein 4:1, ein 3:3, ein 2:6 oder auch mal ein 5:1. Was für Ergebnisse! Hoffenheim hat mittlerweile die meisten Tore kassiert. Mehr als Hamburg! Das allein ist schon eine bestechende Leistung. Sie haben aber auch die zweitmeisten Tore geschossen! Diese fulminante Mischung sucht ihresgleichen in der Liga.

Robin Dutt, der Trainer von Bremen, fand das 4:4 gegen Hoffenheim „zum Haareraufen“. Nur „neutrale Zuschauer und Journalisten“ hätten Spaß an so einem Spiel. Ich kann das bestätigen. Ich hatte richtig Spaß.

Ich frage mich nur, woran hätte wohl Robin Dutt Freude gehabt? Wahrscheinlich am Spiel Hertha gegen Augsburg. Null zu null. Das war – wie sagt man? – ein Spiel für Taktikfreunde. Anders als Robin Dutt bin ich nicht so ein Taktikfreund. Ich weiß natürlich, Taktik ist wichtig heute, im modernen Fußball. Aber ich kann da nicht so mit der Zunge schnalzen: Toll! Wie sich alle neutralisieren! Wie keiner dem anderen auch nur einen Meter Raum lässt! Klasse, wie sich die Reihen verschieben und keiner eine Anspielstation findet! Wie der Ball zehn Minuten im Mittelfeld zirkuliert und dann zum eigenen Torwart zurückfindet. Da muss man schon sehr, sehr viel von den Feinheiten des Fußballs verstehen, um das interessant finden zu können. Ich bin da mehr bekennender Grobmotoriker. Also Tore und so was. Oder zumindest Bemühungen, die in diese Richtung gehen. Aber im Olympiastadion? Hertha hatte zwei Schüsse aufs Tor, Augsburg gar keine. Robin Dutt wäre begeistert gewesen.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will Hertha nicht kritisieren. Der siebente Platz ist herausragend. Für eine Fahrstuhlmannschaft.

Während des Spiels fragte ich mich allerdings: Wo ist eigentlich Ronny? Ich kann mich erinnern, früher, wenn für Hertha gar nix lief, schoss er doch immer Freistoßtore. Wenn’s sein musste aus 30 Metern. Jetzt ist er auch 30 Meter entfernt. Aber vom Spielfeld. Sitzt nur noch auf der Bank. Er soll immer noch sehr schnell sein. Aber nur im Auto. Sie haben Tests gemacht, auf dem Platz läuft er langsamer als die Masseure mit ihren Koffern.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Foto: dpa

Es soll irgendwas mit seiner Einstellung sein. Sie haben alles probiert: Ernährungsberater. Psychologen. Einzelcoaching. Neulich kam sogar sein Bruder Raffael zu Besuch, aus Gladbach. Zur Familienaufstellung. Es nutzt irgendwie nix. Schade. Natürlich, ich weiß, Ronny ist taktisch … nun ja. Dafür ist er vorne mitunter spektakulär. Ronny verkörpert im Gefüge von Hertha BSC das Prinzip Hoffenheim. Sein Manager will ihm jetzt den Weihnachtsurlaub verbieten. Er soll dann trainieren und wieder in Form kommen. Das verstehe ich nicht. Meinetwegen könnte er jetzt schon trainieren und in Form kommen. Warum soll er denn bis Weihnachten warten?

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