• Auslaufen mit Frank Lüdecke: Es gibt auch gute Nachrichten für den VfB Stuttgart

Auslaufen mit Frank Lüdecke : Es gibt auch gute Nachrichten für den VfB Stuttgart

Haben die Engländer noch alle Latten am Zaun? Millionensummen für deutsche Bundesliga-Profis haben sie ausgegeben. Wie soll das weitergehen, fragt sich Frank Lüdecke?

Frank Lüdecke
Der VfB Stuttgart hat unter dem neuen Trainer Alexander Zorniger ordentlich Gegentreffer gefressen.
Der VfB Stuttgart hat unter dem neuen Trainer Alexander Zorniger ordentlich Gegentreffer gefressen.

Langsam wird es unheimlich. Nach drei Spieltagen hat Darmstadt noch nicht verloren! Und Ingolstadt hat sogar schon zwei Siege auf dem Konto! Das muss allerdings auch so sein. Die Punkte der Aufsteiger werden am Anfang geholt. Oder gar nicht. Das wissen wir noch aus der Zeit, als Darmstadt und Ingolstadt noch Braunschweig und Paderborn hießen.

Jetzt aber ein Wort zu dieser Transferperiode. Ich möchte es mal ganz vorsichtig formulieren: Haben die Engländer nicht alle Latten am Zaun? Sie kaufen Baba für 25 Millionen (Chelsea), Heung-Min Son für 30 (Tottenham), Firmino für 41 (Liverpool) und De Bruyne für 80 Millionen (Manchester City). Und jetzt? Wie soll das weitergehen? Was soll denn Thomas Müller kosten?

So, wie der Münchner derzeit spielt – also da reichen die bislang genannten Summen ja gar nicht aus. Wenn Manchester United wirklich Interesse hat – da müsste schon der Internationale Währungsfonds bei der Finanzierung behilflich sein. Sonst ist das nicht zu stemmen.

Ein Spieler namens Perisic (Wolfsburg) wechselt wohl für 20 Millionen Euro (!) zu Inter Mailand. Derselbe Akteur wurde vor einigen Jahren von einer Berliner Fußballmannschaft in einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Lübars getestet. „Der bringt uns nicht weiter“, hieß es.

Wichtig ist das Preis-Leistungs-Verhältnis

Übrigens, die Überraschungsmannschaft der Stunde ist ohne Frage der VfB Stuttgart. Jedes Spiel verloren, mit einer stattlichen Portion Gegentreffer. Ein Glück ist nicht Weihnachten, sonst würde der Baum brennen, im Ländle.

Wenigstens eine gute Nachricht gab es aber auch für die Schwaben. Sie haben endlich jemanden gefunden, der ihnen ihren Stürmer Vedad Ibisevic abnimmt. Der Verein, der ihn verpflichtet (Name der Redaktion bekannt), suchte einen wendigen, schnellen Stürmer, der auch mal „knipsen“ kann. Wendig und schnell ist der 31-jährige Bosnier zwar nicht mehr, er hat in der gesamten letzten Saison auch kein einziges Tor geschossen und genießt einen Ruf als veritabler Stinkstiefel. Dafür verfügt er über eine andere entscheidende Qualität: Sein Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Er kostet keine Ablösesumme.

Und darum geht es. Während englische Vereine derzeit mit ihrem Manchesterkapitalismus den Fußball zerstören und aberwitzige Summen für Fußballprofis aus Deutschland ausgeben, gibt es noch Vereine, die sich diesem Trend ganz bewusst verweigern. Die ein deutliches Zeichen setzen und sagen: Nein! So nicht! Nicht mit uns!

Da holen wir lieber einen Mann, der zwar nicht unserem Anforderungsprofil entspricht, aber dafür ohne Perspektive ist. So können wir sicher sein, dass ihn uns die Engländer nicht ein Jahr später für zweistellige Millionenbeträge wieder wegschnappen. Das ist antizyklisches Verhalten par excellence und soll an dieser Stelle auch mal ausdrücklich gelobt werden.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jede Woche über die Fußball-Bundesliga.

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