Auslaufen mit Lüdecke : Die Bundesliga und das Ende der Unschuld

Jetzt hält der Kommerz Einzug! Ab dieser Saison wird neben Training, Spaß, Freude und Bratwurst auch das Geld eine Rolle in der Bundesliga spielen. Für unseren Kolumnisten liegt das vor allem am Aufsteiger RB Leipzig.

Frank Lüdecke
Geld schießt - wie in diesem Fall bei RB Leipzig - doch Tore, und um mehr geht es ja eigentlich auch nicht, findet unser Kolumnist.
Geld schießt - wie in diesem Fall bei RB Leipzig - doch Tore, und um mehr geht es ja eigentlich auch nicht, findet unser...

So. Der Ball rollt wieder, aber man wird ja mal fragen dürfen: in welche Richtung denn? Wir werden uns nämlich in dieser Saison auf einige Neuerungen einstellen müssen. Die Bundesliga hat, wie soll man sagen, ja… ihre Unschuld verloren, gewissermaßen. Denn jetzt hält der Kommerz Einzug. Sie haben richtig gelesen. Ab dieser Saison wird neben Training, Spaß, Freude und Bratwurst auch das Geld eine Rolle spielen. Das liegt am Aufsteiger RB Leipzig. Die haben – und jetzt halten Sie sich fest – einen sogenannten Sponsor in der Hinterhand! Einen dubiösen Getränkehersteller, der so richtig Schotter reinbuttert. Aber volle Elle! Die Konkurrenz ist geschockt. Geld! Richtiges Geld, für das zum Beispiel neue Spieler erworben werden. Das ist natürlich unfair den anderen Vereinen gegenüber, die jetzt ziemlich blöd aus der Wäsche gucken.

Der HSV zum Beispiel. Die haben zwar auch viele neue Spieler verpflichtet. Aber das musste als Kompensationsgeschäft über mehrere Container Matjes und Schollenfilet abgewickelt werden. Noch komplexer ist die Situation für den Hauptstadtklub, denn mit dem Fischfang haben wir es ja nicht so.

Deshalb versucht Hertha BSC wechselwillige Spieler mit interessanten Stadtrundfahrten oder Essenseinladungen im Borchardts zu überzeugen. Oder mit kostenlosem Zutritt zu den vielfältigen Museen dieser Stadt. Trotzdem ist das ein schwieriges Unterfangen, wenn ein anderer Verein – sagen wir doch, wie es ist – Spieler einfach kauft! Wir werden uns wohl oder übel damit abfinden müssen, dass nun auch in der Bundesliga die Plutokratie als Organisationsform Einzug gehalten hat. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist diese Entwicklung unserer Gesellschaft auch nicht ganz fremd.

Umso schöner, dass das konservative Element dem Fußball nicht ganz verloren geht. Denn das ist ja das Credo von uns Fußballromantikern: Alles soll so werden, wie es war. Deshalb führt Bayern München die Tabelle schon wieder an. Das vermute ich jedenfalls. Denn in dem Moment, da ich diese Zeilen schreibe, hätte Hertha BSC noch die Möglichkeit, sich durch einen Sieg gegen Freiburg – und zwar mit sieben Toren Unterschied – an die Spitze zu katapultieren. Nach den gezeigten Leistungen in den Vorbereitungsspielen sieht es aber eher nicht danach aus.

Übrigens: Wer bei den Buchmachern 100 Euro auf die Meisterschaft von Bayern München setzt, erhält im Erfolgsfall stolze 99 Euro zurück. Das ist eine tolle Quote, wenn man an die Entwicklung der Negativzinsen denkt. Viele Millionäre, die rund um den Starnberger See wohnen, sollen von dieser sicheren Geldanlage Gebrauch gemacht haben. So ist das eben. Es geht halt nur noch ums Geld.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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