Sport : Auszeichnung für Dopingopfer

Friedhard Teuffel

Berlin - Kein Doping, kein Leistungssport. So ist es Antje Misersky in der DDR ergangen. Sie war Skilangläuferin und hatte schon mit 17 Jahren bei der Weltmeisterschaft in der Staffel die Bronzemedaille gewonnen. Dann bot ihr ein Arzt im Trainingslager Dopingmittel an. Mit der Unterstützung ihrer Familie verweigerte sich Antje Misersky und wurde daraufhin aus dem Leistungssportsystem der DDR ausgeschlossen. Für ihre mutige Haltung hat ihr der Verein Doping-Opfer-Hilfe jetzt in Berlin die Heidi-Krieger-Medaille verliehen.

Im Grunde ist es eine Auszeichnung für die ganze Familie Misersky. Ihr Vater Henner Misersky, ehemals ein 3000-Meter-Hindernisläufer, wollte ebenfalls nicht im Dopingsystem der DDR mitwirken und wurde als Verbandstrainer der Skilangläuferinnen abgelöst. Antje Misersky, die heute 38 Jahre alt ist, seit einigen Jahren in den Vereinigten Staaten lebt und nach ihrer Heirat Antje Harvey heißt, sagte in Berlin: „Mein Weg war bestimmt durch die ethischen und moralischen Standards meiner Familie. Für mich war es eine natürliche Entscheidung, beim Doping nicht mitzumachen.“

Sportliche Erfolge hat sie später dennoch erreicht. Die gebürtige Magdeburgerin wurde kurz vor der Wende in die ostdeutsche Biathlonmannschaft aufgenommen. 1992 gewann sie in Albertville die olympische Goldmedaille über 15 Kilometer. Im Anschluss an die Siegesfeier prangerte sie gemeinsam mit ihrem Vater in einem Fernsehinterview die Dopingpraxis in der DDR an: „Wir sollten auf keinen Fall Sachen vergessen, die aufgearbeitet werden müssen“, sagte Antje Misersky damals, „es ist lächerlich zu glauben, dass nur die Sportärzte davon gewusst haben.“ Auch Trainer seien einbezogen gewesen.

Die Heidi-Krieger-Medaille ist benannt nach der Europameisterin von 1986 im Kugelstoßen. Ihr wurden in der DDR männliche Sexualhormone in hohen Dosen verabreicht. Später unterzog sich Krieger einer Geschlechtsumwandlung. Die Auszeichnung wurde gestern in der Landesvertretung Baden-Württemberg zum vierten Mal verliehen, zum ersten Mal an eine Sportlerin aus der DDR. „Ich hoffe, dass die Dopingopfer irgendwann die Kraft haben, um zu vergeben“, sagte Antje Misersky.

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