Balotellis Debüt bei Milan : Ein fauler Apfel für den Chef

Italiens Nationalspieler Mario Balotelli erzielt in seinem ersten Spiel nach dem Wechsel von Manchester City zum AC Mailand gleich zwei Tore – und brüskiert Silvio Berlusconi.

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Seht her, da bin ich wieder. Mario Balotelli feiert bei seinem Debüt für Milan.
Seht her, da bin ich wieder. Mario Balotelli feiert bei seinem Debüt für Milan.Foto: Reuters

Bei seinem ersten Spiel hat er gleich gejubelt. Mario Balotelli, deutschen Fans aus dem EM-Halbfinale in traumatischer Erinnerung, breitete die Arme aus, als wolle er die Welt umfassen. Nicht einmal eine halbe Stunde hatte er in einem Pflichtspiel das von ihm seit Jugendzeiten geliebte rot-schwarze Trikot des AC Mailand an, da war ihm schon ein Tor gelungen. Und was für eines. Jungnationalspieler Stephan El Shaarawy setzte sich auf der linken Seite durch, passte in den Strafraum und Balotelli jagte den Ball volley in die Maschen. Ein Tor wie ein Monument. Mit dieser Wucht und Dynamik lange nicht gesehen im Sturm der Mailänder.

„Jetzt haben wir einen Angriff wie Barcelona“, sagte Milans Vizepräsident Adriano Galliani jubilierend. Man sollte Galliani, der den überraschenden Transfer Balotellis aus Manchester nach Mailand eingefädelt hatte, den etwas schiefen Vergleich verzeihen. Mit Barças Angriffsabteilung hat Milans Trio der Irokesenfrisurträger – neben Balotelli und El Shaarawy noch der Franzose M’Baye Niang – wenig gemein. Aber auf internationale Wettbewerbsfähigkeit hat sich der Verein urplötzlich doch katapultiert.

Das war bereits bei Balotellis Antrittspressekonferenz zu verspüren. 150 Journalisten aus aller Welt hatten sich versammelt. Zuletzt hatten Kaka und Zlatan Ibrahimovic derartige Aufmerksamkeit ausgelöst.

Die hohen Erwartungen an Skandalnachrichten erfüllte Balotelli bei dieser Gelegenheit aber nicht. Eher moderat fiel seine Abrechnung mit England aus. Mit den Mannschaftskollegen und dem Trainer habe er sich – trotz bekannter handgreiflicher Auseinandersetzung – prima verstanden. Unangenehm sei England nur abseits des Trainingsgeländes gewesen, und zwar in dieser Reihenfolge: „die Presse, das Essen, das Wetter und der Rechtsverkehr“. Er ließ sich nicht zu Provokationen gegen seinen Jugendklub Inter hinreißen. Er umschiffte auch das heiße Thema Rassismus. „Bislang habe ich immer weitergespielt. Der Rassismus ist schwer zu bekämpfen, aber früher oder später wird er besiegt sein“, sagte der 22-Jährige. Und er umging eine Debatte über frühere Disziplinlosigkeiten. „Ich weiß nicht, was ihr meint“, blockte er ab.

Etwas angespannter wurde das Klima nur, als er meinte, dass Silvio Berlusconi sich für die früher im Wahlkampf gemachte Bemerkung, Balotelli ist „ein fauler Apfel“, entschuldigt habe. Galliani griff ein, um zu behaupten, dass Berlusconi sich nicht entschuldigt, sondern nur „präzisiert“ habe. Balotelli, dessen Ehrgefühl durch die Bemerkung verletzt worden war, ließ als Retourkutsche später die Bemerkung fallen, er habe niemals Berlusconi gewählt. Ein total angepasster Angestellter verspricht Balotelli also nicht zu werden.

Das ist gut. Balotelli bringt Abwechslung. Fußballerisch überzeugte er. Das erste Tor garnierte er mit weiteren brandgefährlichen Schüssen, klugen Abspielen und einer genialen Spielverlagerung über sechzig Meter. Zwar tauchte er in der zweiten Hälfte etwas unter. Als Schiedsrichter Valeri aber einen – für Milan äußerst schmeichelhaften – Strafstoß verhängte, war er wieder zur Stelle. Er schnappte sich den Ball, verlud den Keeper und erzielte den 2:1-Siegtreffer gegen Udinese Calcio. Ein Hollywoodmärchen wie von Steven Spielberg inszeniert, schrieb die „Gazzetta dello Sport“.

Im Stadion selbst wurden Sprechchöre laut: „Supermario, du bist einer von uns.“ Das war nicht nur der übliche Fangesang einer euphorisierten Gemeinde. Es war eine Demonstration. Denn wenige Stunden zuvor hatten Juventus-Anhänger beim Auswärtsspiel ihrer Mannschaft in Verona den dort gar nicht anwesenden Balotelli mit Schmähchören aufs Korn genommen. Sie hatten dies bereits in vergangenen Jahren getan, als Balotelli noch bei Inter spielte. Dies war der einzige Missklang an einem denkwürdigen Fußballsonntag.

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