Baseball : Ein Wurf gegen das Doping

Bisher wurden Doper im Baseball noch milde bestraft, das könnte sich bald ändern: Die Major League Baseball positioniert sich unter den US-Profiligen als Vorkämpfer gegen Doping.

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Verdächtig. Ob Roger Clemens er es in die Hall of Fame schafft ist fraglich.
Verdächtig. Ob Roger Clemens er es in die Hall of Fame schafft ist fraglich.Foto: Reuters

Rund 300 Kilometer vor den Toren von New York City liegt der Ort Cooperstown. Meist geht es hier ruhig und gemütlich zu, so wie das eben typisch ist für eine US-Kleinstadt. Doch einmal im Jahr rüstet sich Cooperstown für eine ganz besondere Feier. Denn in Cooperstown befindet sich die Ruhmeshalle des amerikanischen Nationalsports Baseball. Jeden Sommer werden hier die neu in die Hall of Fame aufgenommenen Mitglieder gefeiert. In ein paar Monaten, genauer gesagt am letzten Juliwochenende 2013, wird das Fest wohl eine Nummer bescheidener ausfallen. Denn es ist niemand da, den es zu feiern gäbe. Kein einziger der nominierten Sportler schaffte es, bei der von amerikanischen Baseball-Journalisten durchgeführten Wahl Ende vergangenen Jahres wenigstens 75 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinigen und damit in die Hall of Fame aufgenommen zu werden. Dabei standen so große Namen wie Barry Bonds oder Roger Clemens zur Abstimmung. Bonds hat zwischen 1986 und 2007 762 Homeruns geschlagen, so viele wie kein anderer Spieler in der Major League Baseball (MLB). Dazu wurde er achtmal zum wertvollsten Feldspieler gewählt. Clemens, der seine MLB-Karriere nach 24 Jahren ebenfalls 2007 beendet hat, ist siebenmal zum besten Werfer gekürt worden, er hat in seiner Laufbahn 354 Spiele als Sieger beendet. Bonds und Clemens wären normalerweise schon beim ersten Versuch sichere Kandidaten für die Aufnahme in die Hall of Fame. Doch bei der Wahl erhielten beide nicht einmal 40 Prozent der Stimmen. Denn schwerer als ihre vermeintlichen Verdienste wiegt der Verdacht, dass Bonds und Clemens mit verbotenen Substanzen nachgeholfen haben könnten.

Was früher noch mit einem Achselzucken abgetan worden wäre, wird heute in den USA nicht mehr einfach so hingenommen. Das Thema Doping ist inzwischen dauerhaft in den Medien, aber auch in der Liga selbst präsent. Skandale werden nicht einfach nur noch aufgedeckt, es wird versucht, sie aufzuarbeiten und daraus Konsequenzen zu ziehen. Erst vor kurzem berichtete die Zeitung „Miami New Times“ über eine mögliche Verbindung zwischen MLB-Stars und einer Anti-Aging-Klinik in Florida. So soll sich unter anderem Alex Rodriguez von den New York Yankees, der Bestverdiener in seinem Sport, dort mit unerlaubten Mitteln eingedeckt haben. Rodriguez dementiert, genau wie die anderen genannten Profikollegen. Doch der Zweifel schwingt mit, und wer einmal im Verdacht steht, geschummelt zu haben, kann diesen kaum mehr abschütteln.

Dazu passt auch die offensive Haltung, die die Major League Baseball mittlerweile in Sachen Dopingbekämpfung eingenommen hat. Als erste US-Profiliga werden 2013 auch während der Saison Tests auf Wachstumshormone durchgeführt. Ein Quantensprung für US-Verhältnisse, der auch der Welt-Anti-DopingAgentur Wada nicht verborgen geblieben ist. „Die Major League Baseball hat einen neuen Standard gesetzt, dem sich die anderen Profiligen nun anschließen müssen“, lobte Wada-Generaldirektor David Howman.

Noch allerdings gibt es Luft nach oben, vor allem die laschen Strafen sind vielen Beobachtern, aber auch immer mehr Fans ein Dorn im Auge. Wer erstmals des Dopings überführt wurde, muss gerade einmal 50 Spiele pausieren. Ein zweites Vergehen zieht eine Sperre von 100 Partien nach sich. Bei einer Saison mit 162 Spielen allein in der Hauptrunde ist das im Vergleich mit anderen Sportarten eher eine milde Strafe. Erst wer zum dritten Mal positiv getestet wird, wird dauerhaft aus dem Verkehr gezogen. Inzwischen aber mehren sich die Stimmen, in dieser Hinsicht härtere Bestrafungen einzuführen. Die Liga will sich dabei durchaus an internationalen Gepflogenheiten orientieren: „Wenn Leute weiterhin das tun, was sie nicht tun sollten, müssen eben härtere Strafen her“, erklärte MLB- Chef Bud Selig vor wenigen Tagen.

Damit argumentiert Selig auch im Hinblick auf Olympia. Bislang war eine Wiederaufnahme von Baseball ins Wettkampfprogramm bei Sommerspielen wegen der Dopingproblematik skeptisch gesehen worden. Doch nun handelt die Liga ganz im olympischen Sinne. Und auch immer mehr Spieler positionieren sich offen für strengere Maßnahmen im Kampf gegen Betrüger. Zwar blockt die eigene Gewerkschaft noch ab, doch spätestens ab 2014 könnten weltweit übliche Anti-DopingRichtlinien tatsächlich auch in der MLB gelten.

In Cooperstown werden die großen Feste wegen des Selbstreinigungsprozesses somit wohl auch in den kommenden Jahren ausbleiben. Und Barry Bonds und Roger Clemens müssen sich vermutlich damit abfinden, dass in der Hall of Fame für sie kein Platz ist.

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