Basketball : Alba Berlin: Die Rückkehr des Sasa Obradovic

Im Eurocup trifft Alba Berlin auf das russische Team Lokomotive Kuban - und damit auch auf seinen Ex-Trainer. Der sagt: "Irgendwann will ich in diese Stadt zurückkehren."

Wie ihn die Berliner Basketball-Fans liebten: Ein wild gestikulierender Sasa Obradovic mit Alba-Krawatte.
Wie ihn die Berliner Basketball-Fans liebten: Ein wild gestikulierender Sasa Obradovic mit Alba-Krawatte.Foto: Stefan Puchner/dpa

Er ist immer noch derselbe, auch wenn er etwas anderes behauptet. "Ich sitze während des Spiels nicht auf der Bank. Aber ein bisschen ruhiger bin ich schon geworden", sagt Sasa Obradovic. Doch das ist geflunkert. Ein kurzer Blick auf ein paar Videoschnipsel aus den vergangenen Wochen genügt schon: Obradovic gestikuliert wild, er schimpft, er schreit und wütet wie zu seiner Zeit beim Berliner Basketball-Bundesligisten Alba Berlin.

Obradovic kehrt an diesem Dienstag zurück zu dem Klub, bei dem er viele Jahre als Spieler wie als Trainer außerordentlich erfolgreich gewirkt hat. Der Trainer trifft mit seinem aktuellen Arbeitgeber Lokomotive Kuban, beheimatet in der südrussischen Großstadt Krasnodar, im Spitzenspiel der Gruppe C des Eurocups auf die Berliner (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof). Das Team von Obradovic hat alle seine sechs Gruppenspiele gewonnen und auch den Berlinern ihre einzige Niederlage in Wettbewerb zugefügt.

"Ich liebe Berlin immer noch. Berlin ist nach Belgrad meine zweite Heimat geworden", sagt er. "Irgendwann will ich in diese Stadt zurückkehren."

Berlin hat es Obradovic angetan und andersherum hat es Obradovic den Berliner Basketballfans angetan. Als Spieler wurde der trickreiche Guard, der gleichzeitig ein herausragender Defensivspieler war, 1995 Korac-Cup-Sieger mit Alba, 1997 folgte die Deutsche Meisterschaft sowie der Pokalsieg. Und in seinen vier Jahren als Trainer bei Alba sammelte er weitere drei Pokalerfolge mit den Berlinern.

Nostalgiker bei Alba, die sich nach den sehr erfolgreichen Zeiten des Klubs zurücksehnen, denken nicht zuletzt an Obradovic. "Er war ein wichtiger Teil des kometenhaften Aufstiegs von Alba Berlin", sagt Marco Baldi. Der Manager von Alba Berlin dürfte wie die Spieler eine anstrengende Zeit gehabt haben, als er Obradovic zwischen 2012 und 2016 als Trainer anstellte. "Er schont sich nicht und auch nicht die anderen. Er lebt und atmet Basketball permanent", erzählt Baldi, der großes Verständnis für jemanden wie Obradovic hat. "Wer Konflikte scheut, wer nicht bereit ist, die Grenzen auszuloten, der ist im Spitzensport nicht gut aufgehoben", sagt er.

"Diese Stadt lebt für den Basketball" - gemeint ist Krasnodar

Die Frage bei Obradovic war aber immer, ob er die Grenzlinien nicht schon längst überschritten hatte. Als Trainer bei Alba kannte er keine Toleranz für Fehler, allzu schnell fanden sich Spieler schon nach minimalen Verfehlungen auf der Bank wieder. Angebrüllt wurden die Profis sowieso nahezu ohne Unterbrechung. Obradovic wollte jeden Spieler freilich besser machen, allerdings mit autoritären didaktischen Mitteln. Obradovic gab und gibt als Coach das weiter, was er als junger Spieler erfahren hat. Seine Vorbilder sind die legendären serbischen Trainer Zeljko Obradovic, Dusan Ivkovic und Bayern-Trainer Svetislav Pesic. Die serbische Basketballschule duldet keine Diskussionen, der Trainer gibt nicht nur die ungefähre Richtung vor, sondern jeden einzelnen Schritt. Es ist ja die ewige Frage, nicht nur im Sport: Wie viel Druck und wie viel Strenge bringen einen weiter? "Jeder hat seine eigenen Methoden", sagt Obradovic. "Am Ende zählt nur, was dabei herauskommt."

Wenn das der Maßstab ist, dann hat der fordernde und streitbare Obradovic vieles richtig gemacht. "Wir hatten mit ihm vier sehr gute Jahre. Er hat alles aus unseren Möglichkeiten herausgeholt", sagt Baldi.

In Krasnodar hat Obradovic wesentlich mehr Möglichkeiten als damals bei Alba. Die Russen dürften vom Etat her zu den zehn ambitioniertesten Klubs in Europa gehören. In der Mannschaft von Obradovic befinden sich hochveranlagte Spieler wie etwa der US-amerikanische Guard Joe Ragland. Wenn Ragland richtig Lust verspürt, dann spielt er in einer anderen Liga als die jungen und sicher talentierten Basketballer von Alba. "Diese Stadt lebt für den Basketball und der Klub ist toll organisiert", sagt Obradovic. Er ist zufrieden – wenn er nicht an der Seitenlinie steht.

2 Kommentare

Neuester Kommentar