Sport : Basketball-EM: Zum Essen zu den Eltern von Dirk Nowitzki

Benedikt Voigt

Als Shawn Bradley in der Mixed-Zone der Abdi-Ipekci-Halle von Istanbul einen älteren Herren mit weißen Haaren entdeckt, breitet der 2,29 Meter große Hüne seine Arme aus wie ein Adler die Schwingen. "Der tollste Vater", sagt Shawn Bradley und umarmt den Mann, der fast in der Umarmung des NBA-Riesens verschwindet. Jörg Nowitzki ist, wenn man so will, der Vater der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. In seinem Würzburger Haus geht nicht nur sein Sohn, der NBA-Spieler Dirk Nowitzki, ein und aus, auch andere deutsche Nationalspieler tun es. "Auch Robert Garrett kommt manchmal zu uns und Marvin Willoughby ist wie mein zweiter Sohn", sagt Jörg Nowitzki, "einmal pro Woche ruft er bei uns an und fragt: Was gibt es zu essen?"

Würzburg hat sich zu einem Zentrum des deutschen Basketballs entwickelt. Drei Spieler der Nationalmannschaft, die in der Türkei gegenwärtig durch ihren Einzug ins Halbfinale der Europameisterschaft für Furore sorgt, stammen aus der Stadt in Unterfranken. Der gebürtige Würzburger Dirk Nowitzki spielt inzwischen in der NBA für die Dallas Mavericks und ist der Star des deutschen Teams. Nach US-Medienberichten soll er ab 2002 für einen Sechs-Jahres-Vertrag 90 Millionen Dollar kassieren. Ein entsprechendes mündliches Angebot bestätigte Mavericks-Besitzer Mark Cuban.

Robert Garrett und Marvin Willoughby vom Bundesligisten S. Oliver Würzburg helfen der Mannschaft als Rollenspieler. "Ich freue mich für Robert Garrett", sagt Jörg Nowitzki nach dem Erfolg im Viertelfinale über Frankreich. Der 24-Jährige spielte fast 20 Minuten und erzielte vier Punkte. Trotzdem war Garrett nicht zufrieden. "Ich muss meine Stärken besser ausspielen und aggressiver zum Korb ziehen", erzählte er selbstkritisch. Bereits zehn Minuten nach dem überraschenden Einzug in das Halbfinale stand er betrübt in der Mixed-Zone. "Ich bin nicht der Typ, der aus sich herausgeht", sagte Garrett. Ein Dreipunktewurf, den er vergeben hatte, spukte ihm auch nach dem Sieg noch lange im Kopf herum. Marvin Willoughby bekam von Dettmann am Mittwoch keine Einsatzzeit.

Der gebürtige Hamburger wechselte erst vor drei Jahren nach Würzburg, Robert Garrett und Dirk Nowitzki wuchsen dort auf. "Ich spiele mit Dirk zusammen, seit ich 16 Jahre alt bin", sagt der Aufbauspieler Garrett. Erst trainierten sie gemeinsam in der Jugend der DJK Würzburg, später spielten sie in der Regionalliga-Mannschaft und in der Bundesliga. Doch immer war Nowitzki, der ein Jahr jünger ist, dem Älteren in seiner Karriere voraus. Im Januar 1999 wechselte Nowitzki in die NBA. Seitdem müssen sie den Kontakt per E-Mail oder mittels einer Web-Kamera herstellen. "Wir sind Freunde", sagt Garrett. Jetzt spielen die beiden Kumpels in der Nationalmannschaft.

Neben der Würzburger Fraktion hat Bundestrainer Henrik Dettmann noch acht Spieler ausgewählt, die für Alba Berlin spielen oder spielten. Damit hat er sich auch zwei verschiedene Philosophien ins Team geholt. Während Nowitzki und Garrett von ihrem Heimtrainer Holger Geschwindner in der Offensive stark gemacht wurden, betont Alba Berlin traditionell die Defensive. So findet sich in der Mannschaft eine gute Mischung wieder. Der Würzburger Nowitzki als Punktelieferant und der Berliner Stefano Garris als Verteidigungsspezialist.

Auch Holger Geschwindner, der in der NBA-freien Zeit mit Dirk Nowitzki trainiert, ist in Istanbul eingetroffen. Im Sommer veranstaltete er mit allen drei Würzburger Nationalspielern ein Basketballcamp in Starnberg. Eigentlich waren es sogar vier, denn Demond Green, der ebenfalls für Würzburg spielt, gehörte anfänglich auch zum EM-Kader. "Das größte Verdienst an Dirks Erfolgen haben die Leute in Dirks Umfeld, seine Eltern und Holger Geschwindner", sagt Bundestrainer Dettmann, "sie haben den Kuchen gebacken, ich schöpfe nur die Sahne ab." Kein Wunder also, dass Marvin Willoughby so gerne zum Essen zu Nowitzkis geht.

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