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Basketball : Kiffer unterm Korb

28.05.2008 00:00 UhrVon Maike Westphal
Nikagbatse Foto: dpaBild vergrößern
Misan Nikagbatse - Foto: dpa

Immer wieder werden Basketballer dabei erwischt, dass sie zum Joint greifen - zuletzt Nationalspieler Misan Nikagbatse. Die Spieler werden bestraft, aber ist Marihuana überhaupt ein Dopingmittel?

BerlinMisan Nikagbatse ist in diesen Tagen schwer zu erreichen. Nicht einmal Dirk Bauermann ist es gelungen, den 25 Jahre alten Basketballprofi ans Telefon zu bekommen. „Ich habe es immer wieder versucht, aber er will offensichtlich nicht mit mir reden“, sagt der Trainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Gründe, für eine Weile abzutauchen, hat der Nationalspieler genug. Wie erst mit Verspätung bekannt wurde, ist Nikagbatse bei einer Dopingprobe am 20. März positiv auf den Wirkstoff THC getestet worden. Er wurde beim Kiffen erwischt.

Nikagbatse ist nicht der einzige Bundesligaprofi, der gelegentlich zum Joint greift.

Allein in dieser Saison wurden schon vier Spieler positiv auf Marihuana getestet, darunter der 18 Jahre alte Ermen Reyes-Napoles von Science City Jena. Die Bayer Giants Leverkusen sind doppelt bestraft: Das Überraschungsteam der Saison musste gleich zwei Dopingfälle verkraften. Erst wurde Mannschaftskapitän Nate Fox nach einer positiven THC-Probe gesperrt, kurze Zeit später stellte der Klub den Amerikaner Eric Taylor bis auf Weiteres frei, weil gegen ihn polizeiliche Ermittlungen laufen. Angeblich soll Taylor bei einem Verkehrsunfall unter dem Einfluss von Marihuana gestanden haben.

Von einem flächendeckenden Drogenproblem will man beim Verband jedoch nichts wissen. Das seien Einzelfälle, heißt es. Der Sportdirektor der Bayer Giants Leverkusen, Otto Reintjes, sieht einen Teil des Problems darin, dass so viele Amerikaner in der Bundesliga spielen. „Denn in den USA ist Marihuana noch weiter verbreitet als bei uns.“ Josh Howard, Mannschaftskollege von Dirk Nowitzki beim NBA-Klub Dallas Mavericks, gestand in einem Radiointerview freimütig, außerhalb der Saison hin und wieder zu kiffen. „Die meisten NBA-Spieler konsumieren Marihuana“, teilte er dem Sender ESPN zudem mit. In der NBA wird Drogenmissbrauch allerdings auch milde gehandhabt. Beim ersten positiven Test muss der Profi am Marihuana-Programm der Liga teilnehmen. Ein zweiter Verstoß kostet den Spieler 25 000 Dollar, erst beim dritten Mal wird er für einige Spiele gesperrt.

Nikagbatse wurde vergleichsweise hart bestraft. Da der gebürtige Berliner während einer Verletzungspause kontrolliert wurde, wird er zwar nach den Regeln der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) nicht gesperrt. Doch sein Verein Köln 99ers hat ihn umgehend entlassen. Seinen Platz in der Nationalmannschaft ist Nikagbatse ebenfalls los. Der Verband wird ihn für das Olympia-Qualifikationsturnier im Juli in Athen nicht berücksichtigen. „Das tut weh“, sagt Bauermann. „Misan ist einer der talentiertesten Spieler im deutschen Basketball.“

Nach Angaben von Sportdirektor Wolfgang Brenscheidt führt der Deutsche Basketballbund (DBB) pro Bundesligateam und Saison zwei bis drei Dopingkontrollen durch. Nationalspieler wie Nikagbatse werden zusätzlich vier bis sieben Mal im Training getestet. „Wir zeigen da keinerlei Akzeptanz“, sagt Brenscheidt. „Profisportler haben eine Vorbildfunktion, jeder Dopingfall schadet dem Basketball.“ Um ein Zeichen zu setzen, hat der Verband die Strafe bei THC-Fällen von vier bis sechs Spielen Sperre auf bis zu neun Monate erhöht. Auf die Frage, ob Marihuana überhaupt ein Dopingmittel sei, will sich Brenscheidt gar nicht erst einlassen: „Es steht auf der Liste der verbotenen Substanzen, damit ist die Definition klar.“ Nach Angaben der Nada steigert THC nicht die Leistungsfähigkeit, kann aber zu einer erhöhten Risikobereitschaft führen. Ein bekiffter Basketballer spielt also möglicherweise mutiger. Verboten ist der Wirkstoff aber in erster Linie aus ethischen Gründen: „Marihuana und andere Drogen passen nicht zum Profisport“, sagt Nada-Sprecherin Ulrike Spitz.

Sofern Nikagbatse das einsieht, kann seine Karriere in der Nationalmannschaft weitergehen. „Er hat einen Fehler gemacht, den viele junge Menschen machen“, meint Bundestrainer Bauermann. „Er soll jetzt die richtigen Konsequenzen ziehen, dann kann er in Zukunft auch wieder für Deutschland spielen.“ Nach Bauermanns Worten muss Nikagbatse jedoch noch professioneller leben und arbeiten. „Und er soll auf die Leute hören, die es gut mit ihm meinen.“ Dafür müsste Nikagbatse allerdings erst einmal ans Telefon gehen.

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