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Berlin-Marathon : Diebe des Moments

Der Störer beim Berlin-Marathon hat einen Vorfahren bei den Olympischen Spielen. 1972 in München lief ein 16 Jahre alter Schüler vor dem Führenden des Marathons durchs Stadion und klaute Olympiasieger Frank Shorter den Jubel.

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Bei den Olympischen Spielen 1972 in München lief der 16 Jahre alte Schüler Norbert Südhaus mit der fiktiven Startnummer 72 vor den schnellsten Läufern ins Stadion. Die Zuschauer jubelten ihm zu, er sah schließlich wie der Sieger aus. Südhaus hatte bei seiner Aktion aber lediglich den Ablauf gestört, das Ergebnis war dasselbe. Anders lief es beim olympischen Marathon 2004 in Athen.Alle Bilder anzeigen
Foto: Imago
01.10.2013 14:59Bei den Olympischen Spielen 1972 in München lief der 16 Jahre alte Schüler Norbert Südhaus mit der fiktiven Startnummer 72 vor den...

Für den engsten Familienkreis war es ein Eklat mit Ansage. Ihr werdet mich nachher im Fernsehen sehen, verkündete der 16 Jahre alte Schüler Norbert Südhaus. Wenig später konnte auch die Weltöffentlichkeit verfolgen, wie er bei den Olympischen Spielen 1972 in München vor dem Führenden des Marathons durchs Stadion lief. Olympiasieger Frank Shorter aus den USA hatte er damit den jubelnden Empfang des Publikums im Stadion geklaut.

Der Kenianer Wilson Kipsang brach am Sonntag in Berlin den Weltrekord im Marathon, obwohl er nur als Zweiter durchs Ziel lief. Ein Provokateur war auf die Strecke gesprungen und hatte sich an ihm vorbei mit eitler Pose ins Ziel gestürzt. „Klar, dieser Zwischenfall wirft einen leichten Schatten auf den Marathon, ansonsten sind wir aber sehr glücklich“, sagte Renndirektor Mark Milde am Montag.

Der Blick in die Vergangenheit der Störenfriede im Sport hat den Fall für Milde etwas relativiert. „Für Frank Shorter war es schlimmer, weil er um ein Gänsehautgefühl betrogen wurde. Wilson Kipsang hat uns gesagt, dass er sich nicht betrogen fühlt.“ Am Sonntag hatte der neue Weltrekordhalter aus Kenia sogar erklärt, dass er den Mitläufer für einen Teil der Organisation gehalten habe.

Sportprotest - Jetzt sind wir dran
Bei den Olympischen Spielen 1972 in München lief der 16 Jahre alte Schüler Norbert Südhaus mit der fiktiven Startnummer 72 vor den schnellsten Läufern ins Stadion. Die Zuschauer jubelten ihm zu, er sah schließlich wie der Sieger aus. Südhaus hatte bei seiner Aktion aber lediglich den Ablauf gestört, das Ergebnis war dasselbe. Anders lief es beim olympischen Marathon 2004 in Athen.Alle Bilder anzeigen
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01.10.2013 14:59Bei den Olympischen Spielen 1972 in München lief der 16 Jahre alte Schüler Norbert Südhaus mit der fiktiven Startnummer 72 vor den...

Die Sicherheitsmaßnahmen sollen verschärft werden

Um Kipsang noch ein schönes Souvenir aus Berlin mitzugeben, haben die Veranstalter nun noch ein retuschiertes Siegerfoto erstellt. „Da ist der Flitzer nicht zu sehen“, sagte Milde. Der 35 Jahre alte Provokateur ist Italiener und wohnt in Wolfsburg. Mit der Startnummer einer Frau und einem zusammengeklebten Armband war er in den Zielbereich gelangt. Auf die Frage, woher er die Startnummer habe, sagte er der Polizei: „Ich habe sie gefunden.“ Weil der Veranstalter SCC Anzeige erstattet hat, wird jetzt gegen ihn wegen Hausfriedensbruchs ermittelt. Er war der Polizei bislang nicht bekannt. Die Marathon-Veranstalter hatten nach den Terroranschlägen von Boston Bereiche der Strecke für 170 000 Euro eingezäunt. Immerhin sei der Störer von der Security durchsucht worden, teilte der SCC mit.

Der Weltrekord von Wilson Kipsang Kiprotich in Bildern
Die halbe Stadt war am Sonntag auf den Beinen. Mehr als 40 000 Läuferinnen und Läufer rannten den Jubiläumslauf, Hunderttausende feuerten sie an der Strecke an. Bei schönstem Wetter war der 40. Marathon vor allem eins: ein großes Volksfest.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: Reuters
29.09.2013 13:31Die halbe Stadt war am Sonntag auf den Beinen. Mehr als 40 000 Läuferinnen und Läufer rannten den Jubiläumslauf, Hunderttausende...

Die Sicherheitsmaßnahmen würden im nächsten Jahr weiter verschärft, kündigte Milde an. Das betrifft wohl insbesondere die Sicherheitskräfte im Zielbereich. Auch könnten Bilder des Störers aufgehängt und verteilt werden, der SCC hat ihm Hausverbot erteilt.

Eine kleine Panne musste Milde noch einräumen: „Es haben Medaillen gefehlt, obwohl wir genügend bestellt hatten.“ 38 000 Plaketten sollten im Ziel warten. 36 601 Läufer kamen an, so viele wie noch nie beim Berlin-Marathon, aber 700 bekamen erst einmal eine Ersatzmedaille. „Wir werden ihnen unaufgefordert die richtige Medaille zuschicken. Es muss irgendwo eine Kiste verloren gegangen sein“, sagte Milde. (mit tabu und kku)

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