Berlin-Liga : BFC Preussen mit Befreiungsschlag im Abstiegskampf

Dramatik im Abstiegskampf der Berlin-Liga: Der BFC Preußen zieht am FC Spandau 06 vorbei, die brauchen nun Schützenhilfe aus Zehlendorf – und bauen dabei auf familiäre Verbindungen.

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Immer montags werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.
Immer montags werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Die Wende kam spät, in der 78. Minute der Partie BFC Preussen gegen VSG Altglienicke. Der eingewechselte Preusse Möckel erzielte den Ausgleich, damit zog sein Klub am FC Spandau 06 vorbei auf den rettenden 15. Tabellenplatz der Berlin-Liga. In der letzten Minute schlug Möckel gar noch mal zu und sicherte dem BFC so eine komfortable Ausgangsposition für das Saisonfinale am kommenden Wochenende. Ein Überraschungserfolg des Klubs aus Lankwitz gegen den Tabellenzweiten und designierten Berliner Vizemeister aus Altglienicke, der in Spandau für Schrecken gesorgt haben dürfte.

Denn im Zweikampf um den Klassenerhalt  hatten bis zum Wochenende die Spandauer die Nase vorne. Nun also der Sieg des Konkurrenten, gleichzeitig eine bittere 0:4- Heimniederlage der eigenen Mannschaft gegen den VfB Hermsdorf. Jetzt reicht den Preussen ein Remis am letzten Spieltag um den Klassenerhalt perfekt zu machen. "Wir können uns nun etwas zurücklehnen, sind aber topmotiviert", sagt Preussen-Präsident Frank Burow. "Gestern war Freude angesagt, ab heute wird wieder gearbeitet".

Für alle anderen Mannschaften in der Liga geht es praktisch um nichts mehr, was die Situation besonders prekär macht.  Zu groß ist die Gefahr, dass sich die Gegner nicht mehr wirklich reinhängen. Die Chancen für Spandau, am letzten Spieltag im Fernduell noch einmal den Spieß umzudrehen, stehen daher laut Lothar Lehman, Geschäftsführer bei den Spandauern, eher schlecht. "Frohnau zu schlagen wird schon schwer genug, da wir große Verletzungssorgen haben. Die Gegner können befreit aufspielen". Doch selbst bei einem Sieg wäre man immer noch auf die Schützenhilfe von Hertha 03 Zehlendorf angewiesen, aktuell 14. in der Tabelle und am Sonntag Gegner des BFC Preussen. 

Ob die ebenfalls "befreit aufspielen", oder aber zum Saisonausklang nicht mehr wirklich alles geben, wird sich zeigen. Altlglienicke zumindest ist laut Frank Burow kein Vorwurf zu machen. "Wir haben verdient gewonnen, Altglienicke wollte und hat gekämpft. Man hat auch gesehen, wie die sich nach dem Spiel über die Niederlage geärgert haben." Dass dem Gegner die umkämpfte Pokalpartie über 120 Minuten vom Mittwoch in den Knochen steckte, hat laut Burow keine Rolle gespielt. "Wir waren am Ende schon kräftemäßig überlegen, aber das lag daran, dass bei uns mehrere Spieler läuferisch über sich hinaus gewachsen sind."

In Spandau baut man nun auch auf den guten Sportsgeist der "kleinen Hertha" und gibt die Hoffnung nicht auf. Auch, weil eine gewisse familiäre Verbundenheit besteht:  Spandau-Stürmer Kian Niroomand ist der Neffe von Kamyar Niroomand – dem Präsidenten von Hertha Zehlendorf.  Lehman glaubt, dass der schon dafür sorgen wird, dass seine Mannschaft mit der richtigen Einstellung in die Partie geht.

Die beiden Spiele finden gleichzeitig statt (Sonntag, 14:00). Aus Spandau wird laut Lehmann bestimmt jemand nach Zehlendorf fahren, um die eigenen Leute schnell über die Geschehnisse dort zu informieren. Dem Preussen-Vorsitzenden dagegen ist die andere Partie nach eigenem Bekunden egal. "Mich interessiert das andere Spiel überhaupt nicht, auch gestern hatten wir keine Beobachter in Spandau. Schließlich müssen wir unsere Spiele alleine gewinnen", so Burow.

Für beide Klubs würde ein Abstieg das Ende einer Ära bedeuten. Spandau 06 spielt seit sechs Jahren in der Berlin-Liga, der BFC Preussen stand zuletzt in der Saison 1999/2000 in der heute siebtklassigen Landesliga. Nach dem Berliner Meistertitel 2005 spielte man sogar vier Jahre am Stück in der Oberliga, ehe 2009 der Abstieg folgte. Bei beiden müsste sicherlich ein Neuaufbau erfolgen, sollte es wirklich runter in die Berlin-Liga gehen. "Es wird sehr schwer werden, die Spieler zu halten", sagt Lothar Lehmann. "Da werden viele namhafte Klubs versuchen, die Jungs zu ködern. Und ob alle Sponsoren an Bord bleiben, ist auch fraglich."

In Spandau hat man alles versucht, sogar vor nicht einmal zwei Wochen noch einmal den Trainer ausgetauscht. Auf der Bank sitzt nun kurioser Weise Heiko Kretschmar – der wurde erst kurz zuvor beim BFC Preussen entlassen. Die guten Kenntnisse über den direkten Konkurrenten dürften ihm im Fernduell aber eher wenig nützen. Bei den Preussen ist schon der jetzige Stand eine große Enttäuschung. "Wir hatten uns vor der Saison viel mehr erhofft", teilt der Vorsitzende mit. Nun gilt es also, zumindest das Schlimmste zu verhindern.

Wer von den beiden auch in die Landesliga absteigen wird, gemeinsam mit den bereits abgeschlagenen Köpenicker SC und Lichtenrader BC, zumindest ein Nachfolger steht seit dem vergangenen Wochenende fest: Der 1. FC Wilmersdorf machte durch einen 2:0-Erfolg bei der Reserve des BFC Dynamo den Staffelsieg in der 2. Abteilung der Landesliga perfekt. An der Tabellenspitze der ersten Abteilung erspielte sich Hürriyet-Burgund einen Vorsprung von zwei Punkten auf Verfolger BSV Hürtürkel und kann nun mit einem Unentschieden am letzten Spieltag aufsteigen. Hürtürkel müsste dann in die Relegation gegen den SC Staaken um das dritte Ticket für die Berlin-Liga.

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