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Berliner Migrantenverein : Aufstieg und Fall von Türkiyemspor

11.01.2012 13:13 UhrVon Frank Willmann
Ein Logo mit Vergangenheit, aber bis auf weiteres ohne Zukunft.Bild vergrößern
Ein Logo mit Vergangenheit, aber bis auf weiteres ohne Zukunft. - Foto: PROMO

Türkiyemspor verabschiedete sich dieser Tage ins fußballerische Nirwana. In Kreuzberg blieben Tränenbäche aus. Vielleicht gab es da und dort ein trauriges Kopfschütteln - bei denen, die den Klub einstmals fast ganz groß machten.

Die Insolvenz von Türkiyemspor ist für den Berliner Fußball eine traurige Sache. Weltoffenheit und Buntheit stehen unserer Hauptstadt gut zu Gesicht. Doch zu sehr hatte sich der Klub in den letzten Jahren von seiner eigentlichen Klientel entfernt. Türkiyemspor hat es versäumt zu punkten und Fans ins Stadion zu locken. Fast eine Million Schulden hat der Verein angehäuft. Das ist im Fußball keine ungewöhnliche Schuldensumme. Sie reichte aber offensichtlich, um den 1978 als BFC İzmirspor gegründeten Immigrantenklub den Garaus zu machen. Die Liste der Türkiyem-Funktionsträger veränderte sich in den letzen Jahren im atemberaubenden Tempo.

Und keiner von ihnen trug zur Gesundung des Vereins bei. Einmal bei Türkiyemspor Chefchen zu spielen war anscheinend Antrieb genug.

Izmirspor hieß der Klub, weil anfangs viele Spieler aus Izmir stammten. Bis 1983 kickten die Izmirbuben in der Freizeitliga. Dann begann ein geradezu märchenhafter Aufstieg der Kreuzberger, der sie 1987 bis in die Landesliga Berlin führte. 1987 wurde der Verein in "Türkiyemspor Berlin e. V" umbenannt. Er wollte nun Klub aller türkischen Immigranten sein, Türkiyem heißt "meine Heimat".

Nun kreuzte ich erstmals den Weg des Klubs. Nach einem abermaligen Aufstieg knödelten sie in der höchsten Berliner Spielklasse. Ich lebte zu jener Zeit in Kreuzberg und fühlte mich wohl im Westberliner Biotop der letzten Gerechten. Wir kauften beim Türken und nicht bei Bolle, schaufelten uns Döner in Schallgeschwindigkeit in den Hals und schauten den schwarzhaarigen Schönen am Mariannenplatz hinterher. Die Mauer schützte uns vor der Bundeswehr und der westdeutschen Wirklichkeit.

Türkiyemspor war blitzartig der bekannteste Migrantenverein der Bundesrepublik. Die Truppe spielte richtig guten Fußball. Das zog Fans aus der türkischen Gemeinschaft Berlins. Vor allem Kreuzberger. Buntes Völkchen, Türken, Hausbesetzer, Alternative, Tagediebe. Bei manchen Spielen schauten knapp 1000 Zuschauer im Katzbachstadion vorbei, schön gelegen am Kreuzberger Viktoriapark. Nachts durchgefeiert im Golgatha, dann guter schwarzer Tee bei Türkiyemspor und der Tag war dein Freund.

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