Derby im Berliner Hockey : Auf den Spuren der Backpacker

Im Hockey gibt es nicht viel Geld, dafür kann man seinen Horizont erweitern, wie sich im Berliner Derby zwischen dem TC Blau-Weiss und dem Berliner HC zeigt.

Max Dinkelaker
Auf Weltreise. Richard Petherick kommt aus Neuseeland und spielt in Berlin beim TC Blau-Weiss.
Auf Weltreise. Richard Petherick kommt aus Neuseeland und spielt in Berlin beim TC Blau-Weiss.Foto: Imago

Deutschland, Holland, Neuseeland, Malaysia. Was sich anhört wie die Traumroute eines Backpackers, beschreibt die Karrierestationen von Hockeyspieler Philipp Stahr. Dass er mit diesen Stopps kein Einzelfall ist, zeigt ein Blick auf die Karriere seines Kumpels Richard Petherick. Nach Engagements in seiner Heimat Neuseeland, in Australien, Holland und Malaysia ist dieser mittlerweile in Berlin angekommen, beim TC Blau-Weiss, um genau zu sein. Und auch der dritte junge Mann, der sich im Klubheim von Blau-Weiss einfand, war schon auf mehreren Kontinenten aktiv.

Der in Malaysia geborene Fazail Saari hat schon in Indien gespielt und ist seit August für Blau-Weiss aktiv. Im Derby gegen den Berliner HC fehlte der 22-Jährige, der das Hinspiel mit zwei Toren fast alleine entschieden hatte, gestern allerdings. Saari ist derzeit mit der malaysischen Nationalmannschaft unterwegs. Seine Mannschaft verlor vor 500 Zuschauern trotz 1:0-Pausenführung noch 1:2. Timo Blobel hatte nach einer Strafecke für die Blau-Weissen getroffen. Nationalspieler Martin Händer traf mit einem Siebenmeter zum Ausgleich, Kevin Lim besorgte sieben Minuten vor Schluss den Siegtreffer. Durch den Auswärtssieg rückte der BHC bis auf einen Punkt an Blau-Weiss heran.

Saari, Stahr, Petherick spielen gemeinsam in Berlin in der Bundesliga, gekreuzt haben sich ihre Wege jedoch schon öfter. „Als ich in Holland gespielt habe, habe ich einen Neuseeländer kennengelernt, der mich mit in seine Heimat genommen hat“, erzählt der 32-jährige Stahr. „In Neuseeland bin ich dann auf Richard getroffen, den ich wiederum nach Berlin mitgenommen habe. Und als wir später in der Winterpause von Berlin aus zusammen nach Malaysia gewechselt sind, ist uns bei einer gegnerischen Mannschaft Faizal aufgefallen.“

Da die Feldhockey- und die Hallenhockeyliga zwei verschiedene Organisationen sind, ist es Spielern möglich, innerhalb eines Jahres mehrmals den Verein zu wechseln. Und da gerade in Asien der Sport populärer ist als in Deutschland, zieht es im Winter viele Spieler weg aus der Heimat. „Dort spielt man in großen Stadien, manche Spiele werden sogar im Fernsehen übertragen. Außerdem ist es auch für die Persönlichkeit eine super Erfahrung“, sagt Stahr. Auch Petherick schwärmt von Malaysia: „Die Zuschauer sind fantastisch, und auch das technische Niveau ist sehr hoch.“

Doch wie schafft man es im Umkehrschluss, einen Malaysier, der in Indien das Vielfache verdient und aus Malaysia volle Stadien und Live-Übertragungen gewohnt ist, nach Deutschland zu locken? „Wir versuchen ein attraktives Paket zu schnüren, es muss einfach insgesamt passen“, sagt Stahr. So stellt Blau-Weiss den Spielern Wohnungen in der näheren Umgebung des Vereins und deckt deren Ausgaben, so dass diese sich voll auf den Sport konzentrieren können. Außerdem werden sie aktiv ins Vereinsleben eingebunden, sowohl Saari als auch Petherick trainieren Jugendteams von Blau-Weiss. „Full-Time Hockey“, sagt Saari.

Ganz einfach war seine Verpflichtung trotzdem nicht. Erst musste sein Arbeitgeber, ein großer staatlicher Konzern mit eigenem Hockeyteam, für die Idee gewonnen werden. Außerdem brauchte man die Zusage der Nationalmannschaft. Da die Nationalspieler in Malaysia täglich mit der Landesauswahl und nicht mit den Vereinen trainieren, kein ganz so leichtes Unterfangen. Doch letztlich zeigte sich vor allem sein Nationaltrainer Paul Revington von der Idee begeistert. „Die deutsche Liga ist trotz finanziellem Rückstand international hoch angesehen, und außerdem ist es für einen jungen Spieler immer gut, Erfahrungen im Ausland zu sammeln“, sagt Stahr. Saari bringe Blau-Weiss mit seiner Geschwindigkeit, seiner Art zu spielen, unheimlich weiter.

Der sportliche Erfolg hält die Mannschaft zusammen, außerdem zieht der Standort Berlin gerade bei jungen Spielern. „Natürlich kann man hier auch gut feiern, wofür wir nach den Erfolgen zuletzt ja auch guten Grund hatten. So lange man nicht übertreibt, ist alles in Ordnung“, berichtet Olympiateilnehmer Petherick. Ein weiterer Grund für Saari, auch nächstes Jahr wiederzukommen? „Gratis Döner!“ Das Berliner Nationalgericht scheint es dem jungen Asiaten angetan zu haben. Mit seinen Leistungen bei Blau-Weiss bleibt er auch im Fokus seines Nationaltrainers. Mit Malaysia ist Saari für die WM 2014 qualifiziert. „Das ist ein Traum, der wahr wird“, sagt er selbst. Die Weltmeisterschaft findet in Holland statt, seine Karriere um einen neuen Kontinent wird er also nicht erweitern. Doch er ist ja noch jung. Der eine oder andere Länderpunkt wird bestimmt noch hinzukommen.

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