Gewalt im Berliner Amateurfußball : „Die Sanktionen waren lange zu großzügig“

Gewalt, Spielabbrüche und bedrohte Schiedsrichter gibt es auf Berlins Fußballplätzen immer wieder. BFV-Präsident Bernd Schultz spricht im Interview über angemessene Bestrafung und die Bemühungen des Verbands.

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Macht keinen Stress, Jungs! Bundesliga-Schiedsrichter Felix Zwayer verdingte sich zwecks Thematisierung der Gewalt im Amateurfußball schon mal in der Kreisliga.
Macht keinen Stress, Jungs! Bundesliga-Schiedsrichter Felix Zwayer verdingte sich zwecks Thematisierung der Gewalt im...Foto: picture alliance / dpa

Herr Schultz, Spielabbrüche wegen Gewalt sind normalerweise ein Problem der untersten Ligen. Am vergangenen Wochenende gab es zum ersten Mal auch einen Abbruch in der Berlin-Liga, weil ein Schiedsrichter sich bedroht fühlte. Ist das ein Grund, Alarm zu schlagen?

Ich hoffe, dass dies ein Ausnahmefall ist und dass die Beteiligten in der höchsten Berliner Spielklasse sich darüber im Klaren sind, dass sie einen Vorbildcharakter für alle unteren Ligen haben.

Vor knapp einem halben Jahr gab es das Aktionswochenende gegen Gewalt gegen Schiedsrichter, noch am selben Wochenende eskalierten erneut mehrere Berliner Amateurspiele. Lässt sich inzwischen irgendeine Besserung feststellen?

Aktuell wird die Lage sicherlich überschattet vom Vorfall in der Berlin-Liga. Aber insgesamt sind schon positive Tendenzen zu erkennen, insbesondere was den Umgang mit Schiedsrichtern angeht. Wir sind allerdings nicht so naiv zu glauben, dass das Problem gelöst wäre. In dem Bewusstsein, dass es immer wieder Vorfälle geben wird, setzen wir auch unangemeldet Beobachter an bei Spielen, wo wir das Gefühl haben, dass etwas passieren könnte.

Mit welchen weiteren Maßnahmen gehen Sie das Problem an?

Wir haben uns in letzter Zeit intensiv mit den Schiedsrichtern in den unteren Klassen beschäftigt und werden diesen weiter Fortbildungsmaßnahmen anbieten. Darüber hinaus haben wir runde Tische eingeführt. Um zu diskutieren und Problembewusstsein bei allen Beteiligten zu wecken.

Wie ist die Aufklärung der einzelnen Fälle aus dieser Saison vorangekommen und welche Strafen gab es?

Es sind noch nicht alle Fälle abgeschlossen. Dass Mannschaften komplett ausgeschlossen wurden, kam nicht vor. Es sind aber einzelne Spieler suspendiert worden, teilweise auf Lebenszeit.

Bernd Schultz, seit 2004 Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV).
Bernd Schultz, seit 2004 Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV).Foto: dapd

Die zweite Mannschaft des BSV Al-Dersimspor aus der Kreisliga A wurde gerade vorübergehend suspendiert, da sie in dieser Saison mehrfach negativ auffiel und schon zweimal einen Spielabbruch verursachte. Welche Konsequenzen drohen dem Verein?

Das ist ein schwebendes Verfahren, deswegen möchte ich dazu keine Stellung nehmen. Rein theoretisch gibt es natürlich mehrere Möglichkeiten, vom Ausschluss einzelner Spieler bis hin zu Sanktionen für den Verein. Da muss man aber abwarten.

Kritiker fordern empfindlichere Strafen gegen auffällige Vereine oder auch ein Aussetzen des Spielbetriebs, um ein deutliches Zeichen zu setzen. Was halten Sie von solchen Maßnahmen?

Wir haben die Aktion im Herbst ganz bewusst so angelegt, keinen Spieltag abzusagen, sondern zu Diskussion und Nachdenken anzuregen. Beim Ruf nach härteren Strafen verweise ich auf die Strafen, die wir gegen Einzelne bereits verhängt haben. Suspendierung auf Lebenszeit – härter kann man meiner Ansicht nach nicht durchgreifen. Ich neige nicht dazu, Leute oder ganze Vereine rauszuschmeißen und das Thema so nur zu verlagern.

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