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No Dice : Icke and Rush - Berliner Fußball auf Englisch

18.10.2012 22:04 Uhrvon
Gegen den Strich. Emily Sweetman zeichnet Alltagsszenen von den Fußballplätzen, ihr Mann schreibt die Texte dazu.Bild vergrößern
Gegen den Strich. Emily Sweetman zeichnet Alltagsszenen von den Fußballplätzen, ihr Mann schreibt die Texte dazu. - Emily Sweetman

Zwei Briten und ein Ire geben ein Magazin heraus, das sich nur mit dem Berliner Fußball beschäftigt – auf Englisch. Ein ungewöhnlicher und liebevoller Blick auf die Geschichten, die das Spiel in dieser Stadt schreibt.

An einem sonnigen Nachmittag im Mai 2011 irrt Ian Stenhouse durch Schöneiche und sucht ein Fußballstadion. Der Schotte will sich ein Testspiel zwischen Germania Schöneiche und der Reservemannschaft des 1. FC Union anschauen und es fotografieren. Sechs Jahre zuvor ist der pensionierte Kunstlehrer aus Edinburgh mit seiner deutschen Frau nach Berlin gezogen, kurz darauf hat er eine ungewöhnliche Leidenschaft entwickelt: Der 51-Jährige zieht mit seiner Kamera über die Fußballplätze Berlins, quer durch alle Ligen und Bezirke, und macht hunderte von Bildern.

Sein Traum ist es, die Fotos in einem Fanzine über den Berliner Fußball zu veröffentlichen.

Doch dazu bräuchte er jemanden, der auch schreiben kann. Als er gerade halb verlaufen den Fahrplan an einer Schöneichener Tramstation studiert, steht plötzlich ein Brite vor ihm, der genauso orientierungslos ist. Und ebenfalls auf der Suche nach dem Stadion.

Jacob Sweetman, ein Schlagzeuger aus Ipswich an der Ostküste Englands, kam 2006 durch einen Bekannten ans Kunsthaus Tacheles nach Berlin und jobbt als Redakteur beim englischsprachigen Berlin-Magazin „Exberliner“. Auch er entdeckte irgendwann seine Liebe für den Berliner Fußball. Und auch Sweetman hat Pläne für ein eigenes Magazin – wenn er doch nur einen Fotografen finden würde, der seine Leidenschaft teilt und den gleichen Blick für das authentische am Fußball besitzt. Als die beiden an diesem Tag aufeinandertreffen, ist die Sache schnell klar. Gemeinsam finden sie den Weg zum Stadion, noch am selben Tag ist die Entscheidung zum Start eines englischsprachigen Fußballmagazins aus der deutschen Hauptstadt gefallen.

Sweetman holt Stephen Glennon mit ins Team, einen dritten Seelenverwandten aus Irland, der durch die Fußball-Ekstase im WM-Sommer 2006 von Berlin gefesselt wurde und geblieben ist. Die drei legen los, im November 2011 erscheint die erste Ausgabe des „No Dice“- Magazins, das seitdem vierteljährlich einen tiefen Einblick in die Berliner Fußballkultur bietet. Sei es ein Essay über Union-Trainer Uwe Neuhaus, ein Hausbesuch im Wedding bei dem Mann, der einst Thomas „Icke“ Hässler entdeckte, eine Fotoreportage über die Schiedsrichter der Kreisligen oder ein Spielbericht aus der Verbandsliga. Verfasst auf Englisch und aus der Perspektive dreier zugezogener Fußballenthusiasten, für die diese Sportart der beste Weg ist, eine Stadt und ihre Menschen verstehen zu lernen.

Und kaum eine Stadt gibt durch seine Vielfalt an Fußballklubs so viel her wie Berlin, meint Jacob Sweetman. „Diese Stadt hat eine einzigartige Geschichte, das spiegelt sich auch in ihren Fußballklubs wider. Nirgendwo sonst gibt es eine solche Dichte an ganz speziellen Vereinen, die in mehr als hundert Jahren Bestehen alles durchgemacht haben und über die man so viel erzählen kann“, sagt der 34-jährige Brite. Außerdem fasziniert ihn, dass hier die Vereine oft ein genaues Abbild ihrer Bezirke und des sozialen Umfelds sind. „Egal ob man nach Kreuzberg zu Türkiyemspor geht oder zum BFC Dynamo ins Sportforum Hohenschönhausen: Man taucht ein in die vielen verschiedenen Lebenswelten die in Berlin existieren.“

Der Name „No Dice“ ist eine Anlehnung an eine fiktive Fußballweisheit, die lange Lukas Podolski zugeschrieben wurde: „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel.“ Als die drei herausfanden, dass der deutsche Nationalspieler diesen Satz nie wirklich gesagt hat, war die Entscheidung schon gefallen. Der Name passte einfach zu gut, weil das Zitat all das verkörpert, wofür der Fußball aus Sicht der „No Dice“-Gründer steht: Genialität wie Dummheit, Eleganz wie Hässlichkeit.

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