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Nur nach oben : Berliner AK: Der Klub der Heimwehkranken

21.03.2012 15:36 Uhrvon
Großer Auftritt. Im DFB-Pokal spielte der BAK 2010 gegen Mainz. Foto: dpaBild vergrößern
Großer Auftritt. Im DFB-Pokal spielte der BAK 2010 gegen Mainz. - Foto: dpa

Im Moabiter Niemandsland residiert der Berliner Athletik Klub von 1907. Mit ihm, meint Titus Chalk, könnte hier nicht nur fußballerisch Großes entstehen. Nicht zuletzt dank einiger Hip-Hop-Anleihen bei Run-DMC.

Endlich, endlich liegt Erneuerung in der Berliner Luft. Die ersten Krokusse brechen aus dem Erdreich. Viel ist auch in diesem Winter eingegangen, so, wie es in dieser quälendsten aller Winterstädte in jedem Jahr geschehen muss. Doch für jeden Traum, jede Liebe und jeden Fußballverein, für alles, was in der dunklen Jahreszeit erstarrt, kommt die Zeit, in der sich das Grün wieder empor rankt.

Zwischen Pappeln und Knast keimt in Moabit eine besonders viel versprechende Knospe: Der Berliner Athletik Klub 07, dessen Regionalliga-Spiel gegen den VfB Lübeck ich mir am vergangenen Sonntag ansah. Während das Spiel selbst aufgrund einiger wirklich grausamer Schwächen im Abschluss 0:0 ausging, können die wenigen 100 Fans durchaus zufrieden mit der allgemeinen Flugbahn des Club sein.

Dies hier ist immerhin, nach Hertha, Union, Babelsberg und – wenn auch in dem Fall nur mit fünf Punkten Differenz - Herthas zweiter Mannschaft der bestplatzierte Fußballverein der Region. Eine Tatsache, derer man sich hier im Poststadion, einem feinen Fußballplatz mit einer Haupttribüne aus Backsteinzargen und grünem Zement, durchaus bewusst ist. Die Kunde über diesen Leuchtturm der Fußballkunst – der BAK 07 bewegt sich im Mittelfeld der vierthöchsten Spielklasse – verbreitet sich gerade in letzter Zeit in dem eigentümlichen Niemandsort Moabit wie ein Lauffeuer. Viele, die ich auf der Tribüne treffe, gestehen, den Club an diesem Tag zum ersten Mal in Aktion zu sehen.

Die Bandbreite des Publikums ist dabei viel größer, als ich es erwartet habe. Ich hatte gehört, dass der BAK 07 nach dem Niedergang von Türkiyemspor vor allem die türkischen Fans der Stadt bediente. Das ist zum Teil auch wahr – doch seit der fehlgeschlagenen Eingemeindung von Ankaraspor vor fünf Jahren und der zwischenzeitlichen Umbenennung in Berlin Ankaraspor Kulübü ist die Gemeinde größer und vielschichtiger geworden.

Die Bratwürste mögen immer noch frei von Schweinefleisch sein (meine mag vor langer Zeit sogar mal zu einer Kuh gehört haben, aber nur im weittestmöglichen Sinn). Doch die, die sie auf der Tribüne einatmen, sind ein durchaus gemischtes Völkchen von Familien und Fans aus der näheren Umgebung. Ist das hier Integration in Aktion? Vielleicht noch nicht ganz – die unterschiedlichen Cliquen lösen sich nicht allein deshalb auf, weil sie jetzt gemeinsam in einem Fußballstadion sind. Aber hier herrscht gelebte Nähe – und das ist ein wichtiger lehrreicher Schritt.

Man vergleiche das zum Beispiel mit dem Olympiastadion – einem Ort, der von türkischen Fans weitestgehend gemieden wird. Frank Toebs, ein 51 Jahre alter Fußballbegeisterter im Moabiter Stadion, erinnert sich noch gut daran, wie Bananenwürfe und Affengeschrei dort draußen immer wieder dunkelhäutige Spieler trafen. Eine sichtbare Minderheit verschreckte da viele potenzielle Fans. Kurz bevor er dazu kommt, BAK 07 ein multikulturelles Utopia zu nennen, beendet er sein Loblied auf seinen neuen Verein, indem er phlegmatisch sagt: "Hier ist es nur so, wie es überall sein sollte."

Angesichts von mindestens 10000 leeren Plätzen bei jedem normalen Heimspiel scheint es einigermaßen dämlich, dass sich Hertha BSC so wenig um die Fußballliebhaber außerhalb der Hertha-Kerngemeinde bemüht. Aber Tradition – davon haben die großen Berliner Clubs mehr als genug – kann auch ein Verstärker von Trägheit sein.

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