Radfahrer Franco Marvulli im Interview : „Sechstagerennen ist wie Lego spielen“

Rekordstarter Franco Marvulli spricht vor dem Abschluss des Berliner Sechstagerennens im Interview über seine Anfänge als Radfahrer, seine Erinnerungen an Berlin, die schwarze und graue Ritterburg sowie das nahende Karriereende.

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Franco Marvulli (links) nimmt zum 13. Mal am Berliner Sechstagerennen teil. 2008 hat der Schweizer gemeinsam mit seinem Landsmann Bruno Risi im Velodrom gewonnen. Bei den Olympischen Spielen in Athen holten sie Silber im Zweier-Mannschaftsfahren.
Franco Marvulli (links) nimmt zum 13. Mal am Berliner Sechstagerennen teil. 2008 hat der Schweizer gemeinsam mit seinem Landsmann...Foto: imago/Mario Stiehl

Franco Marvulli, Sie sind beim Sechstagerennen in Berlin der Fahrer mit den meisten Starts. Erinnern Sie sich noch an ihre erste Teilnahme 1998?

Das war noch bei den Amateuren, im Zukunftsrennen. Ich bin mit dem Franzosen David Hubschwerlin zusammen gefahren. Wir wollten nachmittags nochmal auf der Bahn trainieren – da war die Halle schon voll und unser Rennen lief bereits.

Sie sind zu spät gekommen?

Wir dachten, das Rennen ist erst am Abend. Aber wir haben dann extra Gas gegeben und sind am Ende noch Vierter geworden.

Wann haben Sie zum ersten Mal überhaupt auf dem Rad gesessen?

(Überlegt) Da muss ich zweieinhalb Jahre alt gewesen sein.

So früh?

Ja, ich konnte kaum laufen, da saß ich schon auf dem Rad.

Wie kam das?

Ich hatte damals ein Go-Kart, mein bester Freund ein Fahrrad mit Stützrädern. Er wollte lieber mit dem Go-Kart und ich lieber mit dem Fahrrad fahren, also haben wir getauscht.

Und wer hat Ihnen beigebracht, ohne Stützräder zu fahren?

Das waren Nachbarskinder. Die haben zu mir gesagt: ,Das ist ganz einfach. Wir rennen hinter dir her und schieben dich an.’ Das haben sie dann gemacht. Und ich dachte nur: ,Scheiße, bloß nicht stürzen.’

Sind Sie oft hingefallen?

Nein, ich habe nie viel riskiert. Außerdem ist das wie bei den Vögeln, wenn sie fliegen lernen. Wenn die Vogelmama ihre Kinder aus dem Nest schubst und sagt: ,Los, fliegt’, dann fliegen die auch.

Wann sind Sie das erste Mal auf einer Radrennbahn gefahren?

Das war im Frühjahr 1994, auf der öffentlichen Rennbahn Oerlikon in Zürich. Im Winter zuvor war ich in den Radklub eingetreten. Zwei Monate später fuhr ich schon im Nationalteam.

Ein Naturtalent also?

Bei manchen Sportlern geht das einfach so schnell. Ich war wie ein Elektriker – immer unter Strom.

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