Westberlin-Derby : Zehlendorf schlägt TeBe 3:0

Im Spitzenspiel der sechstklassigen Berlin-Liga treffen sich zwei Traditionsklubs: Während Hertha 03 Zehlendorf beim 3:0 gegen Tennis Borussia für die Tore sorgt, machen die TeBe-Fans Stimmung und singen: "Ohne Schiedsrichter haben wir keine Chance."

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Mann des Tages: Zehlendorfs Arber Shuleta.
Mann des Tages: Zehlendorfs Arber Shuleta.Foto: Imago

An Tagen wie diesen schauen Väter schon mal versonnen drein, an der Hand ihre kleinen Kinder und hoffen, dass dieser Tag einen neuen „Fan“ hervorbringt; einen wie sie, dessen Herz für den einen oder anderen Verein in den Niederungen des Amateurfußballs schlägt. Der Samstag war wie gemacht dafür, denn es trafen sich bei Sonnenschein zwei alte Traditionsklubs im Berliner Südwesten zum Derby. Hertha 03 Zehlendorf und Tennis Borussia spielten im Spitzenspiel der sechsten Liga, der Berlin-Liga.

Tennis Borussia hat in der Bundesliga und in der zweiten Liga gespielt, irgendwann begann der Niedergang, es folgten zwei Insolvenzen. Aber das Charlottenburger Publikum, das da nach Zehlendorf zum „Auswärtsheimspiel“ gekommen war, wie man ob der Nachbarschaft beider Klubs selbst gerne sagt, ist weiterhin ziemlich erstklassig.

Die TeBe-Fans sind traditionell ein witziges, entspanntes und politisch immer leicht links einzuordnendes Völkchen. Zu dem eher studentischen Fan-Gesangspublikum gesellen sich die alten, eingefleischten Traditionszuschauer ab 50 Jahren aufwärts. Es ist ein Fachpublikum, manchmal brummelig, aber immer fair.

Und so sangen die TeBe-Fans unentwegt ihre Lieder („God save TeBe“), und drum herum, auf den Tribünen im schön gelegenen Ernst-Reuter-Sportfeld, diskutierten alte Herren oder Kinder mit ihren Vätern, und die meisten Papas lugten immer herüber zu den TeBe-Fans und freuten sich. So entspannt kann Fußball sein.

Zehlendorf ist bis heute für seine gute Jugendarbeit bekannt

Auf dem Feld lieferten sich die beiden Mannschaften ein zunächst enges Spiel, beide Teams standen gut gestaffelt. Torchancen gab es dafür eher selten, bis der beste Mann auf dem Platz, Zehlendorfs Arber Shuleta, bei einem Freistoß alle narrte und den Ball um die Mauer herum in die eigentlich abgesicherte Torwartecke zirkelte. 1:0.

Zehlendorf, das bis beute vor allem durch seine hervorragende Jugendarbeit bundesweit bekannt ist, jubelte bei Bier , Bratwurst und Boulette, und der Ehrenpräsident Otto Höhne – einst auch Präsident des Berliner Fußball-Verbands - strahlte über das ganze Gesicht. Seit einigen Jahren versuchen die Zehlendorfer aufzusteigen, bisher erfolglos. Aber gestern lief es durchweg gut, weil TeBe die eigenen Chancen nicht nutzte, und Hertha 03 immer die Kontrolle am Ball und über das Spiel behielt. 3:0 hieß es am Ende für Zehlendorf, verdient auf dem Platz, auch wenn die Fans des Gegners lauter waren.

Auf den Rängen wurde von allen artig geklatscht, der TeBe-Anhang feierte konsequent die eigene Mannschaft und fand „ohne Schiedsrichter haben wir keine Chance“. Schließlich gratulierte der zweite Vorsitzende der Veilchen, Jörg Zimmermann, ein gebürtiger Zehlendorfer, dem 03-Geschäftsführer Michael Stüwe-Zimmer „zum Aufstieg“.

Soweit ist es zwar noch lange nicht, aber dieser Fußball-Samstag in Zehlendorf hat doch eines gezeigt: Die Tradition im Berliner Fußball-Südwesten lebt. Friedlich und fröhlich, und wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Vater Glück. Und bringt einen Fan nach Hause.

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