Bestechungsskandal in der Türkei : Prozess gegen Präsidenten von Fenerbahce Istanbul beginnt
14.02.2012 16:00 Uhr
Es ist neblig-kalt an diesem Dienstagmorgen, doch die Fans des türkischen Fußballmeisters Fenerbahce Istanbul lassen sich vom schlechten Wetter nicht beeindrucken. „Wir sind im Recht – wir werden siegen“, steht auf Plakaten, die sie vor dem mit Stacheldraht gesicherten Gerichts- und Gefängniskomplex in der Stadt Silivri westlich von Istanbul in die Höhe halten. Die meisten der mehreren hundert Fans tragen die gelb-blauen Trikots von Fenerbahce. In Sprechchören lassen sie jenen Mann hochleben, der auf der anderen Seite des Zauns wegen des größten Bestechungsskandals der türkischen Sportgeschichte vor Gericht steht.
Aziz Yildirim, 59, der Vereinspräsident von Fenerbahce, ist für die Staatsanwaltschaft ein Krimineller, der lebenslange Haft verdient. Für die Leute vor dem Zaun ist er ein Märtyrer.
Mit Bestechungszahlungen an andere Clubs soll Yildirim in der Saison 2010/2011 den 18. Meistertitel für Fenerbahce regelrecht gekauft haben. „Kaffe trinken“ sei das Codewort für die Manipulation eines Spiels gewesen, sagt die Staatsanwaltschaft. Insgesamt stehen 93 Vereinsfunktionäre, Trainer und Spieler in Silivri vor Gericht - in einem Gebäudekomplex, in dem auch gegen mutmaßliche Putschisten aus der Armee verhandelt wird.
Bis zu 147 Jahre Gefängnis lautet die Strafforderung für Yildirim, der seit Juli in Untersuchungshaft sitzt. Die Anklageschrift ist 401 Seiten lang, ihre Verlesung zur Prozessbeginn wird mehrere Verhandlungstage dauern. Das Gericht forderte dafür eigens professionelle Sprecher des Staatsfernsehens TRT an. Bis zu einem Urteil werden Monate vergehen.
Es ist so, als würden Uli Hoeneß und Bayern München vor Gericht gestellt. Fenerbahce, 1907 gegründet, ist einer der traditionsreichsten Vereine der Türkei und zählte sogar Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk zu seinen Anhängern.






