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Blatter setzt auch Brasilien unter Druck : Fußball-WM in Katar nur im Winter möglich

Josef Blatter hat deutlicher denn je die Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar in die Wintermonate gefordert. Für den Fifa-Präsidenten steht fest: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Auch die WM 2014 in Brasilien bereitet ihm Sorgen.

Der große Wurf?. Josef Blatter will die WM 2022 in Katar in den Winter verlegen. Foto: dpa
Der große Wurf?. Josef Blatter will die WM 2022 in Katar in den Winter verlegen.Foto: dpa

Die Fußball-Weltmeisterschaften 2014 und 2022 bereiten Joseph Blatter weiter große Sorgen und haben den Fifa-Präsidenten zu in dieser Form bislang nicht gekannten klaren Worten bewogen. Das Turnier in neun Jahren am Golf muss im Winter stattfinden, und im kommenden Jahr dürfen sich am Zuckerhut gewalttätige Proteste nicht wiederholen, lauten die deutlichen Botschaften Blatters.

„Wenn das nochmal passiert, also das Gleiche, dann müssen wir uns fragen, ob wir bei der WM-Vergabe falsch gewählt haben“, stellte der Schweizer beim Camp Beckenbauer in einem dpa-Interview erstmals sogar die WM-Tauglichkeit Brasiliens infrage. Fast schon beiläufig nannte Blatter einen Zeitplan für seine eigene Zukunft. Beim nächsten Fifa-Kongress am 10. und 11. Juni 2014 in Sao Paulo werde er seine Entscheidung über eine erneute Kandidatur bei der nächsten Wahl im darauffolgenden Jahr verkünden und sagen „yes or no“.

Sollte Blatter dann tatsächlich weitere vier Jahre bis 2019 im Amt bleiben, wäre er auch für die Planung der Katar-WM verantwortlich. So deutlich wie nie zuvor forderte der 77-Jährige die Verlegung der Endrunde 2022 in die Wintermonate. „Die WM soll ein Volksfest werden. Katar ist ein kleines Land. Aber wenn es ein Volksfest werden soll, kann man den Fußball nicht im Sommer spielen“, bekräftigte Blatter erneut seine Absicht, sich für eine Verlegung in die etwas kühleren Wintermonate stark zu machen. „Man kann die Stadien abkühlen, aber man kann nicht das ganze Land abkühlen.“ Welche Folgen eine solche Verlegung habe, sei etwas anderes. Für Blatter steht aber fest: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Der Schweizer verwies auf das Pflichtenheft der Fifa und darauf, dass die Fifa-Exekutive in der Lage sei, es entsprechend abzuändern. Bei der WM-Vergabe im Jahr 2010
habe man sich die Problematik „nicht richtig angeschaut“. Auch Blatter gehörte lange zu den Skeptikern einer Verlegung in die Wintermonate.

Von einer WM-Verlegung 2022 wären auch die Verbände und die nationalen Ligen betroffen

Unterstützung bekam er bei seiner Forderung vom deutschen Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff: „Als Sportler sag ich natürlich auch Winter. Das wichtigste ist, dass die sportlichen Leistungen erbracht werden können. Das Produkt ist nun mal der Fußball.“ Den Fußball sieht Blatter bei der WM in Brasilien in Gefahr, wenn es im kommenden Sommer wieder zu Protesten kommt. Der Schweizer warnte daher bei der Premiere des hochkarätig besetzten Camp Beckenbauer am Mittwoch in Going bei Kitzbühel vor einer Wiederholung der Demonstrationen wie beim Confed Cup. „Die Lehren müssen nicht wir ziehen aus den Unruhen in Brasilien. Die muss die Politik in Brasilien ziehen“, betonte der Chef des Fußball-Weltverbandes.

Im vergangenen Monat war es während des WM-Testlaufs zu Massenprotesten im ganzen Land gegen Korruption und Misswirtschaft gekommen. Auch die Milliardeninvestitionen für die WM wurden dabei kritisiert. Der Fifa-Chef meinte, dass die Güter in dem riesigen Land falsch verteilt würden. Dafür könne man „die Fifa aber nicht verantwortlich machen“. Im September stehen für die FIFA erneute Gespräche mit Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff an.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht allerdings auch die Verbände in der Pflicht und betonte: „Es wäre ein fataler Fehler, das Umfeld total zu ignorieren.“ Die Gesamtsituation des Gastgeberlandes müsse thematisiert werden. „Man kann nicht mit Scheuklappen dahinfahren. Wir müssen aufgeschlossen und hellwach dahinreisen“, forderte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

Von einer WM-Verlegung 2022 wären auch die Verbände und die nationalen Ligen betroffen in Form von Auswirkungen auf die Spielpläne, die wohl für mindestens eine Saison auf den Jahresrhythmus umstellen müssten. „Jetzt haben wir noch Zeit genug. Ich werde das beim Exekutivkomitee zur Sprache bringen“, sagte Blatter.

Der Chef des WM-Organisationskomitees, Hassan Al-Thawadi, bekräftigte zwar in einer Live-Videoschaltung, dass man sich um eine WM im Sommer beworben habe und verwies auf moderne Kühltechnologien.
„Wenn es aber einen Wunsch der Fußball-Gemeinschaft gibt, mit der WM in den Winter zu gehen, sind wir offen.“ Blatter macht die Entscheidung über seine Zukunft offenbar auch von einem aus seiner Sicht geeigneten Nachfolgekandidaten abhängig. „Die Aufgaben der Fifa sind noch nicht erfüllt. Die Fifa soll jemand übernehmen, der eine Fifa übernehmen kann, die nicht nur finanziell gut ist, was sie momentan ist, sondern die auch mit Glaubwürdigkeit dasteht. Ich bin überzeugt, 2014 ist das so, weil die WM ein Erfolg wird und dann kann ich in Ruhe abtreten“, sagte Blatter. (dpa)

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