Bob Hanning : Der Handball-Netzwerker

Bob Hanning hat lange darauf hingearbeitet – nun ist der Manager der Füchse Berlin zum Vizepräsidenten des Deutschen Handballbundes gewählt worden. Geholfen hat ihm dabei wohl sein enges Netzwerk.

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Bob Hanning hat einen weitere Posten ergattert: er ist neuer Vizepräsident des DHB. Foto: dpa
Bob Hanning hat einen weitere Posten ergattert: er ist neuer Vizepräsident des DHB.Foto: dpa

Am Samstag wurde in Düsseldorf das neue Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) gewählt. Bob Hanning, Geschäftsführer von Bundesligist Füchse Berlin, hat sich als Vizepräsident für den Bereich Leistungssport beworben – und wurde gewählt. Gegenkandidaten gab es nicht. Hier bilden wir das Netzwerk ab, das sich Hanning in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat – und von dem er nun wohl profitiert hat.

Bundesliga und Verein

Bei der Auflistung seiner bisherigen Tätigkeiten wäre es fast leichter, jene Vereine zu nennen, für die Hanning bisher nicht gearbeitet hat. Nach Stationen in Essen, Solingen, Wuppertal und Schutterwald stampfte er in zwei Großstädten Klubs aus dem Boden, in denen Handball bis dato kaum eine Rolle gespielt hatte: Zunächst etablierte Hanning den HSV in der Bundesliga-Spitze, nach seiner Demission in Hamburg führte er die Füchse Berlin binnen weniger Jahre von der 2. Liga in die Champions League. Von Balingen bis Flensburg gibt es wohl keinen Handball-Manager, dem Hanning nicht wenigstens mal die Hand geschüttelt hat. „Ideale Voraussetzungen für seinen neuen Posten“, sagt Horst Bredemeier, amtierender DHB-Vize und Manager bei Bundesligist GWD Minden, „weil sich das Anforderungsprofil beider Jobs ähnelt: Man kann gestalten und muss anständig wirtschaften und kommunizieren können.“ Bei den Füchsen hat Hanning seine Entlastung mit der Verpflichtung von Volker Zerbe geschickt geregelt. Der Ex-Nationalspieler und langjährige Geschäftsführer des TBV Lemgo trainiert künftig ein Jugend-Team und soll Hanning auch in der Geschäftsstelle aushelfen. Auswirkungen auf den Klub habe die heutige Wahl jedoch nicht, versichert Hanning: „Die Füchse sind mein Projekt – das nimmt mir keiner.“

Deutscher Handballbund

Hanning hat sich bereits im jungen Alter ein Netzwerk im Verband aufgebaut. Mit 28 Jahren wurde er 1996 vom damaligen Bundestrainer und heutigen DHB-Manager Heiner Brand zum Co-Trainer der Nationalmannschaft befördert. Brand hatte den Trainer Hanning zuvor bei der SG Solingen beobachtet. „Ich war angetan von seinem jungen Team und vom Umgang mit talentierten Spielern“, sagt Brand heute, „ und für Bob war der Posten im Nationalteam der Einstieg in den richtigen Handball-Sport.“ Bis zu den Olympischen Spielen 2000 in Sydney konnte Hanning bei einem der profiliertesten deutschen Handball-Trainer hospitieren. „Er war mein Verbindungsmann zu den jüngeren Spielern“, sagt Brand. Anschließend widmete sich Hanning wieder seiner Bundesliga-Karriere. Seinen Einfluss beim DHB hat sich der gebürtige Essener fortan allerdings bewahrt. 2011 gehörte er – neben Brand, Bredemeier und Zerbe – zu jenem Kreis, der Martin Heuberger als Nachfolger des Bundestrainers Brand bestimmte. Wenn Hanning heute als Vizepräsident Leistungssport gewählt wird, wird er den DHB-Tross künftig bei großen Turnieren als Delegationsleiter anführen.

Die Medien

Wenn Hanning etwas hinausposaunt, findet das in vielen Redaktionen der Republik großen Widerhall. Der 45-Jährige weiß sich zu inszenieren wie kaum ein Zweiter im Kosmos Handball-Deutschland. Bei der WM in Spanien nutzte er den Tag des deutschen Eröffnungsspiels dafür, seine Kandidatur als DHB-Vize öffentlichkeitswirksam im ZDF bekannt zu geben. Ein halbes Jahr später sorgte er mit einer vom Verband nicht autorisierten Bewerbung zur Ausrichtung der WM 2019 für mächtige Verstimmungen. „Man hat in den letzten zwölf Monaten gemerkt, dass er nichts anderes im Kopf hatte als seine Kandidatur“, sagt Bredemeier. „Sein ausgeprägter Öffentlichkeitsdrang führt dazu, dass er manchmal über das Ziel hinaus schießt“, sagt Heiner Brand. „Ich hoffe, dass er künftig nicht mehr den Alleinunterhalter gibt – sonst kann es gefährlich werden“, ergänzt der langjährige Bundestrainer. Schade für die Handball-Fans am Fernsehschirm: Als künftiger DHB-Vize wird Hanning seine – überaus unterhaltsame – Tätigkeit als Co-Kommentator bei Livespielen des Senders „Sport1“ wohl noch weiter minimieren als zuletzt ohnehin schon. Dafür hat er den Kurznachrichtendienst Twitter und die sozialen Medien für sich entdeckt.

Der Nachwuchs

„Bob ist ein Verrückter, der 24 Stunden am Tag Handball lebt“, sagt Heiner Brand. Eine Vorliebe war dabei schon immer besonders ausgeprägt: die für den Nachwuchs. Als junger Coach entdeckte er mit Torsten Jansen und Florian Kehrmann zwei Spieler, die Jahre später, bei der Heim-WM 2007, die deutsche Flügelzange bildeten. Auch bei den Füchsen Berlin hat sich der 45-Jährige wieder zwei Ausnahmetalente herangezogen: Fabian Wiede und Paul Drux. Hannings große Leidenschaft dürfte in seinem neuen Amt beim DHB zugleich eine seiner größten Herausforderungen sein. „Die Anschlussförderung von Talenten, also der Übergang vom Jugend- in den Männerbereich, gehört zu den großen Baustellen“, sagt Bredemeier, „da wird Bob sicher ansetzen wollen und müssen.“ Hanning wäre allerdings auch nicht Hanning, wenn er nicht auch in diesem Bereich schon überaus mutige Ziele vorgegeben hätte: 2020 soll es doch bitte der Olympiasieg sein. Bredemeier sagt dazu: „Ein schönes Ziel – aber bis 2020 darf man die großen Turniere auch nicht außer Acht lassen.“

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