Boxen : Weniger abkochen, mehr Dampf

Mittelgewichtsboxer Arthur Abraham verteidigt am Samstag in Berlin seinen WM-Titel gegen Mahir Oral. Boxerisch ist Abraham alles andere als vollendet, aber er kann extrem hart und präzise schlagen.

Michael Rosentritt
284200_0_d190d344.jpg
Ein paar Millionen mehr. Arthur Abraham hat sich vorgenommen, durchs Boxen reich zu werden. Der heutige Kampf bringt ihn diesem...

Berlin – Neulich kam es in einem Boxring in Kroatien zu einem interessanten Kampf. Arthur Abraham, der Weltmeister aus Berlin, stand dem ehemaligen Weltmeister Henry Maske gegenüber. Abraham gilt derzeit als der anerkannt stärkste Puncher im Mittelgewicht weltweit und ist damit so ziemlich das Gegenteil des früheren Gentlemans des Halbschwergewichts. Maskes Stärke war das Boxen, nicht das Hauen. Eine interessante Konstellation also, die sich neulich im Ring der Arena Zagreb ergab. Natürlich war es kein echter Boxkampf, sondern einer für den Film. Maske ist mittlerweile 45, und auch Abraham hat derzeit andere Sorgen. Am Samstagabend (22.25 Uhr, live in der ARD) verteidigt er seinen WM-Titel nach IBF-Version gegen den Hamburger Mahir Oral in der Berliner Max-Schmeling-Halle.

Vor wenigen Wochen begannen die Dreharbeiten zum Schmeling-Film. Der soll im März 2010 in die Kinos kommen. Plant jedenfalls Uwe Boll, der jüngst die „Goldene Himbeere“ als schlechtester Regisseur der Welt bekam. In der Hauptrolle wird Henry Maske zu sehen sein, der Schmeling spielt. Arthur Abraham schlüpft in die Haut von Richard Vogt, gegen den Schmeling 1948 in der Berliner Waldbühne seinen letzten Kampf bestritt – und verlor. Im Filmring darf Abraham Maske sogar einmal zu Boden schlagen. „Du musst keine Angst haben, mich zu treffen“, habe Maske zu ihm gesagt, erzählt Abraham. „Es muss ja echt aussehen. Nach ein paar Unterbrechungen und Korrekturen war es dann wie ein ernstes Sparring.“ Die Arbeit am Set sei ganz schön anstrengend, sagt der 29-Jährige, der dreimal in Folge zu „Deutschlands Boxer des Jahres“ gewählt wurde: „Nicht mal einfach zuschlagen, und dann fertig“, wie es seine Spezialität im wahren Boxring sei. „Ich glaube, ich habe zu zaghaft angefangen. Es musste immer mal wieder unterbrochen werden, dann die Pausen. Am Ende dauerten die Dreharbeiten fünf Stunden“, erzählt Abraham: „Ich muss dem Henry echt Respekt zollen. Wenn ich einmal so alt bin wie er, dann möchte ich auch gern so fit sein.“

Wenn er so alt ist wie Maske möchte Abraham vor allem eins – reich sein. Vor ein paar Jahren, als der gebürtige Armenier mit seiner Familie noch im Asylantenheim wohnte, habe er nicht einmal fünf Mark in der Tasche gehabt. „Mit 40 will ich 50 Millionen haben“, sagt er heute.

Einen Teil des Weges dahin hat der Mittelgewichtler zurückgelegt. Der Kampf am Sonnabend gegen Oral (28 Kämpfe, 25 Siege) ist Abrahams zehnte Titelverteidigung in seinem 30. Auftritt als Profi. Bisher ist er ungeschlagen, 23-mal knockte er seinen Gegner aus. „Ich unterschätze nie einen Gegner. Im Gegenteil: Ich unterschätze eher mich. Diese Herangehensweise hat sich bewährt“, sagt Abraham, der erneut mit einer Millionen-Gage rechnen darf. Beim Gegner gibt man sich zurückhaltend. „Arthur ist der stärkste Mittelgewichtler, den es gibt. Es ist immer gut, gegen den Besten zu boxen. Arthur ist klarer Favorit, aber Mahir hat auch seine Chance“, sagte Orals Manager Ahmet Öner.

Es ist die Schlagkraft, die Abraham so einzigartig macht. Boxerisch ist er alles andere als vollendet, aber er kann extrem hart und präzise schlagen. „Ich bin eine Sorge los“, sagt dessen Manager Wilfried Sauerland. „Arthur hat sehr konsequent gelebt in den vergangenen Wochen. Dieses Mal hat er keine Probleme, das Gewicht zu bringen.“ Das Limit in dieser Klasse liegt bei 72,5 Kilogramm. Abrahams Normalgewicht liegt zehn Kilogramm darüber, was dazu führte, dass er sich stets in den letzten Tagen vor einem Kampf runterhungern musste. Das „Abkochen“, wie es im Boxerjargon heißt, geht meist zulasten der Substanz. Abrahams bislang letzter Kampf galt ihm als Warnschuss. Im März quälte er sich über die Runden mit einem Gegner, den er hätte ausknocken müssen. Dafür aber fehlte ihm wegen des Abkochens der Dampf in den Fäusten. Am Freitag beim offiziellen Wiegen blieb Arthur Abraham 100 Gramm unter dem Gewichtslimit. Und vielleicht half ihm ja auch der kleine Ausflug zum Film. Er musste bereits da schon eine gute Figur abgeben. Wie sonst hätte er Schmeling – äh, Henry Maske – auf die Bretter schicken sollen?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben