Bundesliga im Test (7) : SC Freiburg: Ein Geist wie bei Finke

Am 24. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 50. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 7: SC Freiburg. Keine Stars, keine Diven – in Freiburg hört alles auf Trainer Christian Streich, der das Wunder des Vorjahres wiederholen will.

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nsiert zum Abstieg. Freiburgs Christian Streich hat den wohl sichersten Job aller 18 Bundesliga-Trainer.
nsiert zum Abstieg. Freiburgs Christian Streich hat den wohl sichersten Job aller 18 Bundesliga-Trainer.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Scheinbar aussichtslos stand der Verein im vergangenen Winter auf dem letzten Tabellenplatz. Keine andere Mannschaft schien so klar zum Abstieg verurteilt. Dann kam das Wunder von Freiburg. Und der Wundermann hieß Christian Streich. Der wurde um Weihnachten Cheftrainer, krempelte die Mannschaft komplett um, holte sechs Spieler aus dem vereinseigenen Fußballinternat, das er selbst jahrelang geleitet hatte, und eilte mit seiner Jugendmannschaft fortan von Sieg zu Sieg. Der SC Freiburg beendete die Saison auf dem zwölften Tabellenplatz. Und jeder fragt sich nun, ob dieser Spielrausch eine Fortsetzung findet.

Wer sind die Stars?

Was für ein verpöntes Wort im Breisgau. Stars haben die anderen, wir haben eine Mannschaft! Was nicht ganz stimmt. Denn mit dem Torjäger Papiss Cissé hatte der SC bis vor kurzem einen, der in einer Liste auftauchte, in die es bis dahin noch nie ein Freiburger Spieler geschafft hatte: in die Liste der Torschützenkönige. Kein Wunder, dass da andere Vereine hellhörig wurden. Jetzt schießt Cissé bei Newcastle United seine Tore, und in der Kasse des SC Freiburg landeten plötzlich mehr als zehn Millionen Euro. Was aber macht der Verein mit dieser noch nie gesehenen Summe? Er kauft keinen neuen Star, sondern steckt sie ins Fußballinternat. Geholt wurden lediglich ein paar junge, unbekannte Spieler, etwa der 21-jährige norwegische Verteidiger Vegar Hedenstad, der gleichaltrige Stürmer Marco Terrazzino oder der 24-jährige Max Kruse fürs Mittelfeld. In der Hauptsache vertrauen die Freiburger weiter auf Eigengewächse, auf ein Team der Namenlosen. Der Star ist der Spielwitz.

Wer hat das Sagen?

Keine Diva in der Mannschaft, also auch kein Großsprecher. Allenfalls Julian Schuster als Kapitän kann eine etwas herausgehobene Position beanspruchen. Ansonsten gibt es nur einen, auf dessen Kommando alle hören: den Trainer. Christian Streichs fachliche und menschliche Autorität steht über allem.

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Was erwarten die Fans?

Niemand sagt es. Nicht einmal hinter vorgehaltener Hand. Aber weil die Gedanken frei sind, ist eine Zahl nicht aus den Köpfen der Anhänger des SC Freiburg zu kriegen: siebter Platz! Das ist die Position, die ihr Verein in der vergangenen Saison belegt hat – jedenfalls wenn man sich nur die Rückrundentabelle ansieht. Und warum sollte so etwas nicht noch einmal möglich sein? Zwar sind die Fans einigen Kummer mit ihrem SC gewohnt, aber mancher fängt nach den Leistungen der vergangenen Monate wieder an, sich zu erinnern. An die 90er Jahre. Da stand die Mannschaft zweimal sogar im damaligen Uefa-Cup.

Was ist in dieser Saison möglich?

Klassenerhalt. Niemals wird man beim SC von offizieller Seite ein anderes Ziel hören. Und nach wie vor ist der Trainer von der Vereinsführung mit der Lizenz zum Absteigen ausgestattet. Das Stadion ist klein, der Etat noch kleiner. Da mögen die Wünsche noch so groß sein.

Und sonst?

Lange Jahre war es still geworden um die Freiburger Fußballer, und man hatte sich schon daran gewöhnt, den Verein als graue Maus der Bundesliga zu sehen. Keine Skandale, kein Glamour, bodenständig eben. Nun aber scheint jene Freiburger Fußball-Euphorie zurückgekommen zu sein, die der einstige Trainer Volker Finke Anfang der 90er Jahre entzündete, als er den SC mit einer verblüffenden Mischung aus Bescheidenheit und Kurzpassspiel in die Erstklassigkeit beförderte. Jetzt schwebt dieser Geist wieder über der Stadt. Und sein Gewährsmann ist Christian Streich, der witzigste Trainer der Bundesliga und einer der klügsten dazu. Wenigstens einen Star hat die Mannschaft eben doch.

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