Bundesliga-Saisonvorschau (12) : Mainz 05: Neue soziale Wärme ohne Pokale

Am 22. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 52. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 12:  FSV Mainz 05.

Reinhard Rehberg
Macher in Mainz: Trainer Kasper Hjulmand (r) und Manager Christian Heidel.
Macher in Mainz: Trainer Kasper Hjulmand (r) und Manager Christian Heidel.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Das Arbeitsklima ist lockerer geworden. Der unrühmlich ausgeschiedene Thomas Tuchel ist ein außergewöhnlich intelligenter, mit Fachwissen und innovativen Taktikideen gesegneter Trainer. Aber er hatte als programmatisch konsequenter Anführer mit seiner strengen, zuweilen überharten Ansprache die soziale Kälte zwischen Chef und Belegschaft immer mal wieder nahe an den Gefrierpunkt manövriert. Nachfolger Kasper Hjulmand aus Dänemark kommt den Mainzer Spielern nun vor wie ein Pädagoge aus den Zeiten der antiautoritären Erziehung. Was grundsätzlich besser passt zu diesem Familienklub. Was aber nichts aussagt über die Erfolgswahrscheinlichkeit im harten Bundesligawettbewerb.

Wer sind die Stars?

Die Stars in Mainz sind und bleiben der Buchdruckerfinder Johannes Gutenberg, die Fastnacht und das ZDF. Wer hier fußballerisch gen Starstatus tendiert, der will umgehend mehr Geld verdienen. Und das bedingt, dass sich dieser Höherbegabte beruflich verändern muss und verändern will. Der wirtschaftlich mittelprächtig aufgestellte Verein hat aus diesem Automatismus eine funktionierende Transferpolitik gemacht: Die Topspieler werden in der Regel mit Mehrwert verkauft, die Einnahmen werden genutzt, um die Kaderqualität in der Breite anzuheben. Da greift das alte Friseurmotto: Die Spitzen regelmäßig abschneiden, um die Haarpracht dauerhaft zu stärken. Die große Ausnahme ist Nikolce Noveski, der Kapitän steht vor seiner zehnten Saison im Mainzer Trikot. Doch der 35 Jahre alte Abwehrchef aus Mazedonien ist der klassische Antistar: bescheiden, genügsam, schweigsam, teamorientiert.

Wer hat das Sagen?

Der Mainzer Vorstand regiert in nahezu unveränderter Aufstellung seit 27 Jahren. Das Sagen hat der dienstälteste Bundesliga-Manager, Christian Heidel. Preiswert und gut einkaufen und teuer verkaufen, das ist die Kernkompetenz des Erfinders von komplexen Vertragswerken mit diversen Erfolgsoptionen, die dem Klub noch Einnahmen sichern, wenn ein Spieler schon einige Jahre bei einem anderen Klub spielt. Zudem hat der 50 Jahre alte Manager die Erfolgstrainer Jürgen Klopp und Thomas Tuchel entdeckt. Heidel hat eine untrügliche Nase für Situationsbewertungen, er schreckt auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück. Was sich auch wieder zeigte, als er den amtsmüden Tuchel nicht aus seinem Vertrag entließ.

Was erwarten die Fans?

Satiriker würden sagen: Die Anhänger erwarten endlich mal wieder einen schaurig-schönen Abstiegskampf. Sichere Mittelfeldplätze sind den Leuten ein wenig langweilig geworden, Europapokalchancen traut in Mainz niemand so richtig über den Weg. Tatsache ist, dass in der erfolgreichen Vorsaison die heimische Arena immer seltener ausverkauft war. Und die Stimmung im 2011 eingeweihten neuen Stadion ist nach wie vor ausbaufähig. Der Klub spürt, dass das nette, aber eher nichtssagende Image als Karnevalsklub nach inzwischen neun Bundesligaspielzeiten nur noch bedingt zieht – und arbeitet an einer Mobilisierungskampagne.

Was ist in dieser Saison möglich?

Die Erfahrung lehrt, dass der sportliche Erfolg in Mainz stets abhängt von der Trainerqualität. Der von Pep Guardiola inspirierte Kasper Hjulmand liebt und übt das kreative Passspiel, die Kontrolle über eigenen Ballbesitz – davon war beim Ausscheiden in der Europa League und der ersten DFB-Pokalrunde nichts erkennbar.

Und sonst?

Das Schwierigste im Fußball ist der letzte Kontakt vor dem gegnerischen Tor, der Ball muss über über die Linie. Mit Eric- Maxim Choupo-Moting (zehn Saisontreffer) hat der Klub seinen zweitbesten und mit Nicolai Müller (neun) seinen drittbesten Torschützen verloren – und bisher nicht adäquat ersetzt.

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