Bundesliga-Saisonvorschau (6) : Werder Bremen: Wo bleibt Mario Basler?

Am 26. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 54. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 6: Werder Bremen.

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Ich schon wieder. Claudio Pizarro traf schon 190 Mal in der Liga. Foto: dpa/Puchner
Ich schon wieder. Claudio Pizarro traf schon 190 Mal in der Liga.Foto: dpa/Puchner

Was hat sich verbessert?

Man weiß lediglich, was sich unbedingt verbessern muss bei Werder: Die wackeligste und löchrigste Defensive der vergangenen Bundesliga-Jahre soll endlich stabilisiert werden. Darauf lag auch in der Vorbereitung auf die kommende Saison das Hauptaugenmerk des Trainerstabs um Viktor Skripnik, Torsten Frings und Florian Kohfeldt. In den ersten Testspielen schien das sogar zu gelingen; doof nur, dass Werder dafür so gut wie gar keine Tore mehr schoss. Trainerfuchs Skripnik hatte eine Erklärung dafür: Werder hätte so intensiv die „Defense“ trainiert, da könne man vorne ja nun nicht auch noch glänzen, geschweige denn Tore schießen. Mit Vestergaard, Djilobodji und Galvez haben drei gestandene Innenverteidiger den Verein verlassen. Mit Niklas Moisander, Lamine Sané und Fallou Diagne sind drei gestandene Innenverteidiger gekommen. Die Flut an Gegentoren in der Vergangenheit konnte man aber nicht nur an den Verteidigern festmachen. Dass Werder zuletzt ziemlich zuverlässig die Schießbude der Liga abgab, lag am System. Und das gibt nun einmal der Trainer vor.

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Wer sind die Stars?

Claudio Pizarro, Claudio Pizarro und noch einmal Claudio Pizarro. Der erfolgreichste ausländische Torschütze der Bundesliga (190 Ligatreffer) besitzt in Bremen längst Kultstatus. Daran kann auch Max Kruse nichts ändern – einer der spektakulärsten Transfers im Sommer 2016. Viktor Skripnik hatte zunächst in einem für ihn ganz und gar untypisch euphorisierten Moment erklärt: „Wir haben jetzt zwei Weltklasse-Stürmer.“ Er ruderte dann aber doch noch mal ein wenig zurück und versprach: „Mit Pizarro und Kruse ist unsere Offensive eine Waffe.“ Kapitän Clemens Fritz, Nummer drei in der Bremer Starparade, warnte prompt: „Wir dürfen uns nicht nur auf Max und Claudio verlassen und alles auf ihren Schultern abladen.“

Wer hat das Sagen?

Frank Baumann war nie ein Star, aber einen gewissen Kultstatus genießt der Kapitän der legendären Double-Sieger-Mannschaft aus der Saison 2003/04 dennoch. „Baumi“ ist seit Ende Mai Nachfolger des geschassten Sportchefs Thomas Eichin. Baumann hat einmal über sich selbst gesagt: „Meine positivste Eigenschaft ist meine Ruhe, meine negativste Eigenschaft ist – meine Ruhe.“ Der 40-Jährige hat uneingeschränkt das Sagen in sportlicher Hinsicht und für die bisherigen Transfers erhielt er beispielsweise von Claudio Pizarro großes Lob („Baumi hat gute Leute geholt. Wir sind damit total zufrieden“). Im Aufsichtsrat, der Eichin den Laufpass gab, hat Baumann bislang nur Freunde. Die beiden Vorstandskollegen Hubertus Hess-Grunewald und Klaus Filbry schwören ebenfalls auf Werders neuen Sportdirektor. Ob das uneingeschränkt so bleibt, wenn die Zugänge so gar nicht einschlagen, bleibt abzuwarten. Und wie der überaus freundliche Herr Baumann reagiert, wenn Mannschaft und Trainer nicht die gewünschten Ergebnisse liefern, weiß man auch noch nicht so genau. Der eine Baumann wird der Angelegenheit wahrscheinlich mit Ruhe begegnen, der andere – mit Ruhe.

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Was ist in dieser Saison möglich?

Die Werder-Fans hatten beim Testspiel gegen den FC Chelsea ein riesiges Plakat entrollt, auf dem zu lesen war: „Irgendwann wird auch Abstiegskampf langweilig – Forza SVW“. Wenn man dem Glauben schenkt, dass muss man wohl eins prophezeien: Es wird verdammt langweilig ab Ende August. Denn auch in der kommenden Saison werden die Bremer gegen den Abstieg spielen.

Und sonst?

Werder hat zwar mehr als ein halbes Dutzend neuer Spieler geholt. An den Schlüsselstellen rund um das Team jedoch setzt der Klub auf altgediente Werderaner (Baumann, Skripnik, Frings). Alles wird gut, wenn Werder jetzt auch noch Mario Basler als Fitnesstrainer, Uwe Reinders als Einwurftrainer, Uli Borowka als Blutgrätschen-Trainer und natürlich Ailton als Maskottchen holt.Sven Bremer

Morgen Folge 7: FC Augsburg

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