• Bundesliga-Saisonvorschau (8): 1. FSV Mainz 05: Vom Ausbildungs- zum Weiterbildungsverein

Bundesliga-Saisonvorschau (8) : 1. FSV Mainz 05: Vom Ausbildungs- zum Weiterbildungsverein

Am 14. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 53. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 8: FSV Mainz 05

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Ein Segen für Mainz. Manager Heidel hat die 05er in der Bundesliga etabliert.
Ein Segen für Mainz. Manager Heidel hat die 05er in der Bundesliga etabliert.Foto: dpa/Silz

Was hat sich verbessert?

Die Kassenlage. Mainz 05 ist für seine strategisch angelegte Ausbildungsoffensive reich wie nie belohnt worden. Geschätzte zwölf Millionen Euro zahlte der Bundesligakonkurrent Schalke 04 für den Mittelfeldspieler Johannes Geis; elf Millionen Euro überwies der Premier-League-Klub Leicester City für den Erwerb des japanischen Stürmers Shinji Okazaki. Rund 27 Millionen Euro insgesamt nahmen die Mainzer für ihre diesjährigen Sommerverkäufe ein; dem standen an Transferüberweisungen für neue Spieler knapp neun Millionen Euro gegenüber. Nach einem noch nie erreichten Gesamtumsatz von circa 100 Millionen Euro im vergangenen Spieljahr starten die Mainzer zumindest finanziell mit einer breiten Brust in die neue Saison.

Wer sind die Stars?

Zu Saisonbeginn noch niemand, aber im Aufgebot von Trainer Martin Schmidt gibt es einige Sternchen in spe. Zum Beispiel der Schweizer Fabian Frei, der als Nachfolger des Spielgestalters Geis gilt und sich beim Meister FC Basel in der Champions League profilierte. Frei war den Mainzern 3,75 Millionen Euro wert und ist damit der zweitteuerste Spieler, den der Klub je verpflichtet hat. Auch er soll in Mainz noch besser werden, auf dass er eines Tages für noch mehr Geld zu einem größeren Verein wechseln kann. Ähnliches gilt für Yoshinori Muto, der seinen Landsmann Okazaki beerbte. Er kam für 2,8 Millionen Euro vom FC Tokio und könnte in der Bundesliga mit seinem Tempo und seiner spektakulären Spielweise auf der Außenbahn oder im Sturmzentrum von sich reden machen.

Wer hat das Sagen?

Das Mainzer Dreigestirn. Voran Christian Heidel, der seit 1992 die sportlichen Geschicke des Klubs leitet und damit der dienstälteste Manager in der Bundesliga ist. Heidel gilt als überaus clever im Aufspüren neuer Spieler und Erwerbsquellen. Zwei aktuelle Beispiele: Als die Fans des Hamburger SV noch darüber klagten, dass der HSV den im Verein aufgewachsenen Maximilian Beister nicht weiterverpflichten wollte, holte Heidel den flinken Norddeutschen ablösefrei nach Mainz. Und als sich Aufsteiger Darmstadt 98 dicht vor der Verpflichtung des Innenverteidigers Henrique Sereno sah, war Heidel schneller. Sereno muss nun wie Beister den für Mainz typischen Balleroberungsfußball verinnerlichen, den der zum Cheftrainer gereifte Martin Schmidt vorgibt. Das große Ganze im Karnevalsverein steuert wie gehabt Präsident Harald Strutz.

Was erwarten die Fans?

Einen sicheren Mittelfeldplatz – auch wenn Heidel die Erwartungen der Anhänger gelegentlich für eine Spur überzogen hält. „Dass wir nun schon sechs Jahre in Folge nie auf einem Abstiegsplatz standen, ist außerordentlich“, beschreibt Heidel die Mainzer Konstanz. Mainz 05, das Vorbild aller Kleinen in der Bundesliga, gehört inzwischen zum erstklassigen Mittelstand. „Wir sind kein Ausbildungsverein mehr, sondern ein Weiterbildungsverein“, glaubt Heidel.

Was ist in dieser Saison möglich?

Ein Schuss mehr jugendliche Frische im Mainzer Spiel. Der Schweizer Trainer Schmidt schwärmt jetzt schon von seinen Möglichkeiten, wenn er sagt: „Wir haben mit Muto, Beister, Clemens und Jairo vier Kanonen auf den Außenbahnen.“ Ob sie zünden werden, ist die Frage. Zumindest hat der Nachfolger des am Bruchweg gescheiterten dänischen Ballbesitzpredigers Kasper Hjulmand wieder die Begeisterung der Spieler und Fans für den urtümlichen Mainzer Umschalt- und Beschleunigungsfußball geweckt. Schmidts Team dürfte also rasch Fahrt aufnehmen.

Und sonst?

Vermutlich bekommt Gonzalo Jara eine zweite Bewährungschance. Als Pograbscher gegen den Uruguayer Edinson Cavani war der chilenische Abwehrspieler bei der Copa America unangenehm aufgefallen – auch weil er danach, als sich Cavani tatkräftig gewehrt hatte, theatralisch umfiel. „So etwas sehen wir in Mainz nicht gern“, hatte Heidel Jaras Fehlverhalten gebrandmarkt. Da der pragmatische Manager aber ebenso gut verzeihen wie kritisieren kann, darf Jara wohl bleiben.

Morgen Folge 9: Werder Bremen

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