Bundesliga-Saisonvorschau (9) : Werder Bremen: Armut macht jung

Am 14. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 53. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 9: SV Werder Bremen.

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Der Werder-Weg. Gestandene Spieler - und viele Talente.
Der Werder-Weg. Gestandene Spieler - und viele Talente.Foto: imago

Was hat sich verbessert?

Die Personalsituation im Tor. Seit dem Weggang von Tim Wiese eiert Werder auf der Torwartposition herum. Zunächst durfte sich Sebastian Mielitz versuchen. Ihm folgte Raphael Wolf – der von Zeit zu Zeit wie ein guter Bundesligatorwart spielte, dann wieder einen Fehler nach dem anderen fabrizierte und zwischenzeitlich Richard Strebinger und Leihgabe Koen Casteels Platz machen musste. Mit Felix Wiedwald, bereits in der Werder-Jugend aktiv und nun aus Frankfurt zurückgekehrt, dürfte der Verein jetzt eine echte Nummer eins haben.

Wer sind die Stars?

Die Stars sind Florian Grillitsch, Maximilian Eggestein, Luca-Milan Zander, Julian von Haacke, Melvyn Lorenzen und Lukas Fröde. Nie gehört? Kein Wunder, stammen sie doch allesamt aus dem Werder-Nachwuchs und kommen zusammen auf sieben (!) Bundesligaspiele. Der chronisch klamme Klub von der Weser geht den sogenannten „Werder-Weg“ weiter. Das heißt, er setzt verstärkt auf eigene Talente. Wie Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald unlängst anmerkte, ein „alternativloser Weg“.

Wer hat das Sagen?

Immer noch der „Geschäftsführer Sport“ Thomas Eichin. Er ist kein Typ zum Knuddeln und nicht wirklich mittendrin in der auf Harmonie bedachten Werder-Familie. Aber er hat sich Respekt erarbeitet. Weil er es geschafft hat – auch wenn er zuletzt Topstürmer Franco Di Santo Richtung Schalke ziehen lassen musste – gute Spieler für wenig Geld an den Verein zu binden. Kein Typ für die Öffentlichkeit ist der „Geschäftsführer Marketing, Management und Finanzen“ namens Klaus Filbry, offiziell sogar Vorsitzender der Geschäftsführung. Neu im dreiköpfigen Führungsgremium ist Hubertus Hess-Grunewald. Der promovierte Rechtsanwalt führt die sperrige Bezeichnung „Geschäftsführer Leistungszentrum, Frauenfußball, andere Sportarten, CSR-Management“ in der Visitenkarte und ist Werderaner durch und durch. Vielen im Dunstkreis des Vereins ist er noch als Talent mit dem Spitznamen „Hupe“ ein Begriff, der einst an der Seite eines gewissen Thomas Schaaf in der grün-weißen A-Jugend spielte.

Was erwarten die Fans?

Dass Trainer Viktor Skripnik weiterhin den Fußball spielen lässt, für den nicht nur die Werder-Fans den Klub lieben oder zumindest schätzen gelernt haben. Kurz gesagt: Es ist egal, wie viele Gegentore man sich einfängt – solange man einen Treffer mehr erzielt. Doof ist eben nur, dass nicht mehr Ailton oder Miroslav Klose stürmen, sondern Anthony Ujah und – wie am Dienstag bekannt gegeben wurde – Aron Johannsson. Der Angreifer wechselt nach Angaben seines Klubs AZ Alkmaar zu Werder. Laut der niederländischen Zeitung „De Telegraaf“ soll die Ablösesumme zwischen vier und fünf Millionen Euro liegen. Der amerikanische Nationalspieler reiste am Dienstag schon nicht mehr mit Alkmaar zum Europa-League-Rückspiel bei Istanbul Basaksehir. Ob der Angreifer den Abgang von Di Santo kompensieren kann, scheint fraglich. Seine Torquote ist jedoch zumindest ordentlich: Für Alkmaar erzielte er in der vergangenen Saison in 21 Spielen neun Treffer. Werder geht also nur mit einem bundesligaerfahrenen Stürmer in die Saison. Das könnte ein bisschen wenig sein.

Was ist in dieser Saison möglich?

Optimisten hoffen auf einen Tabellenplatz, der für die Teilnahme am internationalen Geschäft reicht, Pessimisten rechnen mit Abstiegskampf pur, Realisten erwarten irgendetwas dazwischen. Es wird einiges davon abhängen, ob sich die vielen jungen Talente freischwimmen, wenn Skripnik sie ins kalte Wasser wirft. „Es wird Tops und Flops geben bei den Jungs, das ist normal. Aber wir haben insgesamt eine gute Mischung“, sagt der Werder-Trainer und fügt hinzu: „Wir wollen uns auf unser Spiel fokussieren und nicht warten, was der Gegner macht.“

Und sonst?

Geht Clemens Fritz in seine zehnte Saison bei Werder. 23 150 Minuten hat der gerade im Amt bestätigte Kapitän bereits für die Bremer in der Bundesliga gespielt. Damit gehört der 34-Jährige zu den fünf treuesten noch aktiven Bundesligaprofis. Sven Bremer

Morgen Folge 10: Eintracht Frankfurt

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