• Bundesliga-Vorschau, Teil 13: Eintracht Frankfurt: Blind Date mit Slavia Paderbornska

Bundesliga-Vorschau, Teil 13 : Eintracht Frankfurt: Blind Date mit Slavia Paderbornska

Am 9. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 51. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 13: Eintracht Frankfurt freut sich auf den Europapokal und betrauert den Abschied von Oka Nikolov.

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Eigenwilliger Trainer: Armin Veh hat die Eintracht aus der zweiten Liga in die Europa League geführt - und seinem Boss Heribert Bruchhagen öfter mal widersprochen.
Eigenwilliger Trainer: Armin Veh hat die Eintracht aus der zweiten Liga in die Europa League geführt - und seinem Boss Heribert...Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Entschuldigung, wie war die Frage nochmal? Frankfurt ist emotional zu aufgewühlt, um sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Die Fans sind immer noch berauscht, weil sich die Eintracht zum ersten Mal seit 19 Jahren über die Liga für den Europapokal qualifiziert hat. T-Shirt-Motive in der Stadt stellen den Uefa-Cup folgerichtig als einen Krug Äppelwoi dar. Gleichzeitig mischt sich tiefe Traurigkeit in den Krug. Denn Oka Nikolov hat den Verein nach 400 Jahren tatsächlich verlassen. Die Überfahrt des Torwartdenkmals in die USA fühlt sich so an, als würde der Main künftig durch Philadelphia fließen. Wer sich in diesem Gefühlsmix noch die Eingangsfrage stellt, der muss ehrlich antworten: Besser und spektakulärer, als die Eintracht durch die Hinrunde 2012/13 rauschte, wird die Mannschaft kaum spielen können. Das konnte sie schon in der vergangenen Rückrunde nicht mehr.

Wer sind die Stars?

Ach, Stars. Stars sind vergänglich. Sie kamen und gingen in Frankfurt, ob Andreas Möller, Anthony Yeboah oder Jupp Heynckes – Oka Nikolov hat sie alle kommen und gehen sehen, so unbewegt wie die Bank, auf der er meist saß. Wenn selbst so einer irgendwann geht, was bleibt dann noch? Sogar Alexander Meier, 16-facher Torschütze der Vorsaison, hat angedeutet, sich nächsten Sommer einen Abschied vorstellen zu können, nach gerade mal einem Jahrzehnt bei der Eintracht. Bei solch einer Schnelllebigkeit ist fraglich, wie lange die Neuzugänge Rosenthal, Flum, Schröck, Joselu und Bakalorz in Frankfurt spielen – und ob sie überhaupt spielen. Denn sie verbreitern den Kader eher als ihn anzuspitzen. Entlastung ist bei der neuen europäischen Doppelbelastung auch nötig. Denn Rauschspieler Oczipka, Inui, Rode oder Aigner zeigten schon im Vorjahr, dass sie es selbst in einem Wettbewerb nicht durchhalten, eine ganze Saison wie Stars zu spielen.

Wer hat das Sagen?

Armin Veh sagt: Armin Veh. Heribert Bruchhagen sagt: Heribert Bruchhagen. Die Widersprüchlichkeit zwischen Trainer und Vorstandschef gehört zu Frankfurt wie die Eintracht. Veh drohte, nicht zum Trainingsstart zu erscheinen, weil ihm der neue Pressesprecher nicht passte, den Bruchhagen ausgesucht hatte. Bruchhagen wiederum sagte Vehs Sturmkandidaten Nicklas Bendtner öffentlich ab, was Veh erzürnte. Das muss nicht viel heißen, Bruchhagen lieferte sich zuletzt mit jedem Eintracht-Trainer Gefechte – außer mit Friedhelm Funkel, mit dem fuhr er in den Urlaub. Trotzdem munkeln Pessimisten, der eigenwillige Veh könnte mitten in der Saison allein in Urlaub fahren, wenn der Erfolg ausbleibt. Viel wichtiger ist jedoch, wer jetzt in Frankfurt das Schweigen hat. Da muss der neue Ersatztorwart Felix Wiedwald zeigen, dass er gegnerische Stürmer genauso einschläfernd niederstarren kann wie Oka Nikolov.

Was erwarten die Fans?

In der Zweiten Liga simulierten die Eintracht-Fans noch ein Europapokalspiel bei Slavia Paderbornska. Mit selbstgebastelten Uefa-Pokalen reisten sie ins exotische Ostwestfalen, was die Paderborner gar nicht lustig fanden. Anderthalb Jahre später freuen sich die Fans aufs echte Ausland. Der Frankfurter Flughafen bietet kaum so viele Reiseziele wie die Fans gern besuchen würden. Und selbst für das Heimspiel in den Play-offs zur Europa League, als „Blind Date“ deklariert, hat der Verein schon um die 40.000 Tickets verkauft, obwohl weder Termin noch Gegner feststehen. Die Bundesliga gerät da fast zur Nebensache, auch wenn die Reise nicht Richtung Abstiegskampf gehen soll. Und vermutlich erwarten die Fans Uefa-Geldstrafen, wenn sie international zündeln und toben wie bei Inlandsfahrten.

Was ist in dieser Saison möglich?

Die Eintracht hat alle Leistungsträger vorerst gehalten, vor allem Kapitän Schwegler und die Talente Rode und Jung, für die es an Angeboten nicht gefehlt hat. Sportdirektor Bruno Hübner hat die Überredungskünste eines fahrenden Staubsaugervertreters, aber reist weiter durch die Welt auf der Suche nach einer echten Verstärkung für den Sturm. Als einziges Ziel nennt Trainer Veh: guten Fußball spielen. Die Mannschaft wird also weiter hoffen, mehr Tore zu schießen als sie einfängt. Möglich, dass nach Äppelwoi-Cup-Nächten der Kater in der Liga folgt, die überlastete Eintracht in Abstiegsgefahr gerät und panisch Oka Nikolov reimportiert. Mit dem 39-Jährigen ist man zwar auch schon viermal abgestiegen, aber es fühlt sich einfach besser an, wenn er dabei ist.

Und sonst?

Schöner im Fahrstuhl als mit Oka Nikolov fährt man nur mit Jan Rosenthal. Der Eintracht-Neuzugang hat eine Webseite, die unterhaltsamer ist als die Fotogalerien auf Tim-Wiese.de. Unter www.jan-rosenthal.de fährt eine virtuelle Version des Fußballers mit dem Homepage-Besucher Aufzug. Auf der Sauna- und Pool-Ebene kann man aussteigen und bewundern, wie sich der 27-Jährige neben Frauen im Bikini räkelt. Auf der Fahrstuhlfahrt kratzt sich der digitale Rosenthal sogar müde am Hintern. Das hätte auch Nikolov nicht trockener hinbekommen.

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