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Burnout bei Sascha Lewandowski : Trainer-Vertrag beim 1. FC Union Berlin aufgelöst

Wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms wird Sascha Lewandowski nicht mehr als Trainer für den 1. FC Union Berlin arbeiten. Die Gesundheit geht vor.

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Alles Gute, Sascha Lewandowski. Der 44-Jährige war seit 1. September 2015 Trainer des 1. FC Union.
Alles Gute, Sascha Lewandowski. Der 44-Jährige war seit 1. September 2015 Trainer des 1. FC Union.Foto: dpa

Unter Woche ist André Hofschneider gefragt worden, ob er sich an das Amt des Cheftrainers gewöhnen könnte. Eine klare Antwort darauf vermied der Co-Trainer des 1. FC Union Berlin, sein Gesicht sprach für ihn. Eher nicht, verrieten seine Mundwinkel. Nun wird sich Hofschneider mit der Rolle anfreunden müssen. Am Freitag, einen Tag vor dem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (13 Uhr), gab der Berliner Zweitligist die Trennung von Cheftrainer Sascha Lewandowski bekannt. Nicht aus sportlichen Gründen, aus gesundheitlichen. Bei Lewandowski sei ein akutes Erschöpfungssyndrom diagnostiziert worden, teilte der Klub mit. Die Krankheit, im Volksmund Burnout genannt, habe beim Trainer akute Herzbeschwerden verursacht. Union entsprach Lewandowskis Wunsch und machte die Diagnose öffentlich. Bis zum Saisonende übernimmt Hofschneider die Betreuung der Mannschaft. Ihm assistiert Co-Trainer Sebastian Bönig.

„Wir sind sehr traurig über das plötzliche und unerwartete Ende unserer Zusammenarbeit. Die Gesundheit des Menschen Sascha Lewandowski ist wichtiger als die Fortsetzung seiner Arbeit bei uns“, teilte Union mit. Lewandowski hatte sich am 22. Februar krankgemeldet, Union kommunizierte darauf ohne Angabe des Krankheitsbildes eine dreiwöchige Pause. „Ich hatte gehofft, dass eine kurze Pause reichen könnte, die Beschwerden deutlich zu verringern. Dies war überhaupt nicht der Fall. Ich muss akzeptieren, dass ich aktuell einfach nicht annähernd die Power habe, mit so viel Energie zu arbeiten, wie ich es als Cheftrainer gewohnt bin“, lässt sich Lewandowski zitieren. Nach Einschätzung seiner Ärzte werde es Monate dauern, bis er wieder auf der Höhe sei.

André Hofschneider übernimmt bis Saisonende den Posten des Cheftrainers

Für Union ist es bereits der zweite vorzeitige Abschied eines Cheftrainers in dieser Saison. Nach fünf Spielen hatten sich die Berliner von Norbert Düwel getrennt. Lewandowski war ein überraschender Coup, der 44-Jährige galt bis dahin als einer der umworbensten und talentiertesten jungen Trainer Deutschlands. Zuvor hatte er Bayer Leverkusen in zwei Amtszeiten in die Champions- und die Europa League geführt. Von ihm erhofften sich die Verantwortlichen des 1. FC Union den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga.

Mit dem Sommer verschwand die Euphorie, die Lewandowskis Verpflichtung entfacht hatte. Der Neue tat sich schwer mit seiner Mannschaft und der Zweiten Liga. Seine Anforderungen übertrafen das Leistungsvermögen der Spieler. Der Ton des Trainers wurde schroffer. Weil er auch erfahrene Spieler belehrte, galt er einigen als Besserwisser, der ständig Leverkusen als Ideal anpreise. Lewandowski zog sich immer mehr zurück, selbst seine engsten Mitarbeiter kamen kaum an ihn heran. Intern hieß es, sei er nie richtig in der Stadt und im Verein angekommen. Aber er verweigerte sich der Arbeit nicht. Im Gegenteil, Lewandowski engagierte sich über alle Maßen.

Zwischen den Jahren telefonierte er täglich mit potenziellen Neuzugängen, obwohl er eigentlich auftanken und etwas Abstand vom Fußball gewinnen wollte. Bei den Spielern kam das an, Union verpflichtete vier Neue.
Wie viele Stunden am Tag er denn an Fußball denke, wurde Lewandowski kurz nach seiner Ankunft in Berlin gefragt. „24, manchmal auch 25“, sagte er. Er könne eben nur schlecht abschalten.

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