Champions-League-Finale Atlético gegen Real Madrid : Atlético ist nach Sieg über Chelsea nicht der Außenseiter

Mit Atlético und Real stehen am 24. Mai zwei Vereine aus Madrid im Finale der Champions League. Darauf kann man sich freuen, denn hier spielt nur vordergründig der Weltklub gegen den Außenseiter.

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Nach dem Ausgleichstreffer: Atlético Madrids Adrian Lopez.
Nach dem Ausgleichstreffer: Atlético Madrids Adrian Lopez.Foto: dpa

Vor einem Jahr hat sich die Bundesliga  als beste und schönste und erfolgreichste Liga der Welt gefeiert, beim Champions-League-Finale in London, wo der FC Bayern München und Borussia Dortmund den Sieger ausspielten, der da am Ende auf jeden Fall hieß: Deutschland.  Alles schön und gut, aber dass zwei Klubs aus demselben Land ein europäisches Finale erreichen, kommt schon mal vor. Zwölf Monate später wird Lissabon eine wirkliche Premiere erleben. Ein Champion-League-Finale zwischen zwei Klubs aus einer Stadt, ihre Stadien liegen nur ein paar Kilometer auseinander. Im Mai 2014 heißt die Hauptstadt der Fußball-Welt Madrid.

Wer Real und Atlético hat spielen und triumphieren sehen im Halbfinale, der wird sich freuen auf dieses iberische Duell. Und wird sich schwer tun bei der Verteilung der Rollen, die eben nur scheinbar deutlich definiert sind. Hier der Weltklub Real mit Cristiano Ronaldo, dem teuersten Fußballspieler aller Zeiten. Dort der ewige Außenseiter Atlético, dessen  Aufstellung kaum ein besserer Eventfan fehlerfrei aufsagen kann.

Turan, Koke und Costa klingen nicht so spektakulär wie Ronaldo, Benzema und Modric. Aber daheim in der Primera División liegt Atlético kurz vor Saisonschluss nicht zufällig auf Platz eins, und auch das letzte Finale der beiden Madrider Klubs hat das rot-weiß-blaue Unternehmen aus dem Arbeiterbezirk Imperial gewonnen: Vor ziemlich genau einem Jahr ging der spanische Pokal nach einem 2:1-Sieg über Real an Atlético.

Das Halbfinalrückspiel FC Chelsea - Atletico Madrid in Bildern
Was soll das? Der FC Chelsea mit Coach Jose Mourinho (vorn) verliert 1:3 daheim gegen Atletico Madrid und verpasst damit nach dem 0:0 im Hinspiel das Finale der Champions League. Diego Simeone (links) zieht mit seiner Mannschaft hingegen erstmals seit 40 Jahren wieder ins Endspiel ein.Weitere Bilder anzeigen
1 von 17Foto: Reuters
30.04.2014 23:07Was soll das? Der FC Chelsea mit Coach Jose Mourinho (vorn) verliert 1:3 daheim gegen Atletico Madrid und verpasst damit nach dem...

Mourinho gratuliert Simeone - das macht er fast nie

Was die Champions League betrifft: Reals spektakulärer Auftritt beim 4:0 am Dienstag in München war eine brutale Machtdemonstration. Aber Atléticos 3:1 beim FC Chelsea ist kaum geringer einzuschätzen.  Anders als die lokale Konkurrenz aus dem Stadtteil Chamartín reiste Atlético nicht mit dem Rückhalt eines Heimspielsieges zum zweiten Rencontre. Wer daheim kein Tor schießt, ist auf diesem Niveau eigentlich so gut wie draußen. Im Falle Atléticos addierte sich als zweite Hypothek noch Chelseas Führungstor im Rückspiel. Gegen diese Meister der Destruktivität einen Rückstand aufzuholen, noch dazu in der Festung an der Stamford Bridge, das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Atlético hat es geschafft.

Chelseas Trainer José Mourinho ist ein paar Minuten vor dem Abpfiff zu seinem Kollegen Diego Simeone gegangen und hat ihm gratuliert zu diesem Meisterstück. So etwas macht der selbstgefällige Portugiese nur in absoluten Ausnahmefällen. Mourinhos Chelsea ist am Mittwoch an einer besseren, weil flexibleren und mutigeren Mannschaft gescheitert.  An  einer Mannschaft, die nicht nur verteidigen, sondern auch sehr gut Fußball spielen kann. Mit grandiosen Interpreten wie Arda Turan, dem türkischen Spiellenker.  Dem Antreiber Koke, der schon als Achtjähriger für Atlético spielte. Oder Diego da Silva Costa, dem staksig-wuchtigen Angreifer aus Brasilien, der lieber für Spanien spielt und deshalb in der alten Heimat mit einem Ausbürgerungsbegehren konfrontiert wird.

Turan, Koke und Costa haben Chelsea am Mittwoch durcheinandergewirbelt, wie es Chelsea mit einem Gegner auf diesem Niveau wegen seiner limitierten Spielanlage nie möglich sein wird.  Diego Simeone hat Leidenschaft, Intelligenz und Brillanz zu Atleticos DNS gemacht. Und deswegen geht diese Mannschaft am 24. Mai auch nicht als Außenseiter in dieses iberische Finale in Iberien.

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